Lokalsport

Herausforderung vor der eigenen Haustüre

Turnen Vor dem zweiten Wettkampf der 2. Bundesliga am Samstag in der Stuttgarter Scharrena plagen die Frauenmannschaft des VfL Kirchheim Personalsorgen. Von Peter Eidemüller

So kurz die Anreise zum zweiten Wettkampftag, so groß die Ungewissheit, wo Kirchheims Kunstturnerinnen am Samstag in der Stuttgarter Scharrena leistungsmäßig einzuordnen sind. Viereinhalb Monate sind vergangenen, seit der VfL mit Platz zwei beim Saisonauftakt in Hannover für Staunen im eigenen Lager und bei der Konkurrenz gesorgt hatte. „Damals hat einfach alles gestimmt“, blickt Trainerin Michaela Pohl auf den Wonnetag im Mai zurück – gleichwohl wissend, dass sich angesichts der seitdem vergangenen Zeit kaum Rückschlüsse auf den zweiten Wettkampftag vor der eigenen Haustüre ziehen lassen.

Zumal sich personell bei fast allen Zweitligateams etwas getan hat. Absteiger SSV Ulm verstärkt sich beispielsweise mit einer Rumänin, Vorjahresvizemeister Heidenheimer SB mit einer Ungarin. Gleichzeitig plagen den aktuellen Spitzenreiter KTG Hannover Verletzungssorgen – ob der VfL die ausnutzen kann, bleibt abzuwarten. Schließlich treten die Teckstädterinnen den Kurztrip nach Bad Cannstatt ebenfalls geschwächt an. Kim Ruoff, am ersten Saisonwettkampf mal eben drittbeste aller 44  Vierkämpferinnen, kann aufgrund eines gerissenen Syndesmosebands nur am Barren eingesetzt werden. Wer die Deutsche Jugendmeisterin am Sprung just dort und den anderen Geräten vertreten wird, ist offen. „Ich bin noch am Tüfteln, die Aufgaben müssen auf mehrere Schultern verteilt werden“, so Michaela Pohl.

Soll heißen: Die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden „Kleinen“ (Pohl), Nele Rüping und Maike Brey, ihr Zweitligadebüt geben werden, ist groß. Zumal die routinierten Sarina Maier und Pia Pohl studien- und jobbedingt ebenso Trainingsrückstand haben wie Lory Fröchtling nach einem längeren Japan-Aufenthalt im Sommer. Und Dorothee Henzler? Kirchheims Turnaushängeschild der vergangenen Jahre verpasst aufgrund anhaltender Rückenprobleme auch den zweiten Saisonwettkampf, an dem für den VfL noch Joanna Varro und Lea Voith an den Start gehen werden.

„Für jede Einzelne wird es eine große Herausforderung“, weiß Michaela Pohl um den wegweisenden Charakter des Wettkampfs: Bei ähnlich gutem Verlauf wie im Mai in Hannover kann sich der VfL berechtigte Hoffnungen machen, am dritten Wettkampftag in zwei Wochen in Heidenheim das Ticket zum Aufstiegsfinale Ende November in Singen zu lösen. Umgekehrt droht bei einem verpatzten Auftritt in Stuttgart graues Tabellenmittelmaß und die Sorge um den Klassenerhalt in Heidenheim. „Das super Polster vom Mai macht uns große Hoffnung“, sagt Pohl gewohnt orakelhaft.

Kritik am Ausrichter

Ungewöhnlich starke Worte findet die Kirchheimer Trainerin hingegen für Wettkampfausrichter MTV Stuttgart. Der hat aufgrund einer Terminüberschneidung mit den Bundesligavolleyballerinnen, die morgen ihr Heimspiel gegen Vilsbiburg in der Scharrena bestreiten, das bei Turnevents übliche Freitagstraining gestrichen. „Das ärgert mich, weil man es auch anders hätte lösen können“, fürchtet Pohl um einen Nachteil für ihr Team – der VfL kann in der heimischen Raunersporthalle nicht auf einer bei Wettkämpfen zwölf Mal zwölf Meter großen Bodenbahn üben. „So ein Training vor Ort ist eigentlich wichtig für ein gutes Feeling“, kritisiert sie.

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