Lokalsport

Herzschmerz-Moment und kleine Kratzer im Lack

Dass Streetball auch in der Halle cool sein kann, bewies die 2. Auflage der Volksbank Basketball Open Air Challenge in Kirchheim. Bittere Niederlagen wiegen allerdings auch im Trockenen schwer, wie Teckbotenmitarbeiter Samy Abdel-Aal zu spüren bekam.

Trotz fehlender Outdoor-Atmosphäre auch unterm Hallendach ein Hingucker: Streetball. Foto: Markus Brändli
Trotz fehlender Outdoor-Atmosphäre auch unterm Hallendach ein Hingucker: Streetball. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Hektische Rufe schallen durch die Sporthalle Stadtmitte in Kirchheim. Kurz, knapp, mit Nachdruck. „Mitte zu!“, „übernimm!“, „schieß!“. Das monotone Aufprallen schwerer Bälle, nahezu hektisch quietschende Schuhe auf Parkettboden, bisweilen ein dumpfes, metallenes „Klong“ oder ein vom Jubel der Zuschauer begleitetes „Swish“ – die Basketball-Action ist in vollem Gange.

Außer den das Mark durchdringenden Rufen meiner Mitspieler bekomme ich vom akustischen Drumherum – sowie auch von der Parallelpartie auf der anderen Hälfte des Spielfeldes – allerdings nur unterbewusst etwas mit. Denn im Moment zählen lediglich vier Dinge: Ball, Korb, Gegenspieler, Ergebnistafel. Dort prangt in großen und deutlichen Zahlen ein 7:2. „Wir sind fast da“, sage ich mir. „Bleib konzentriert, hol alles aus dir raus, das Ziel ist zum Greifen nahe.“

Wir schreiben die letzten zweieinhalb Minuten des Halbfinales der 2. Volksbank Basketball Open Air Challenge – nach einem langen und anstrengenden Turniertag in der „Pro“-Kategorie ist es bereits die siebte Partie für mein Team. In Netto-Zeit gesprochen spielen wir bereits seit über einer Stunde Basketball, und das an unserem körperlichen Limit. Trotz der zwischenzeitlichen Pausen zwischen den Gruppen- und Ausscheidungsspielen neigen sich die Energie-Reserven dem Ende entgegen. Die Beine brennen, der Körper sehnt sich nach Dusche und Gartenliege.

Unsere Gegner, das Team Srbija, ist ohne Zweifel die stärkste Mannschaft des Turniers. Somit stehen wir nicht nur kurz vor dem Finale, sondern ebenfalls vor einer Sensation. „Noch zweieinhalb Minuten“, schallt es durch das Mikrofon des Hallensprechers – im Basketball eine verdammt lange Zeit.

Wie lange, bekommen mein Team und ich dann auch äußerst schmerzhaft zu spüren. Der Gegner legt mit dem drohenden Aus vor Augen einen Gang zu, während wir nach zuvor souveränem Auftritt plötzlich Angst vor der eigenen Courage bekommen. Punkt um Punkt schmilzt der Vorsprung, beim Stand von 7:7 vergeben wir kurz vor Schluss die Chance zum Sieg. Es kommt, wie es kommen muss. Mit der Sirene verlieren wir denkbar bitter mit 7:8.

Das Platzen des Finaltraumes übertönt nicht nur die mächtigen Hip-Hop-Beats aus den Lautsprechern, sondern glücklicherweise auch den Jubel der Gegner. Für meinen Moment erfüllt mich Leere, Frust, Ärger. Dann komme ich wieder zu mir, gratuliere den Gegnern und schleiche mitsamt meiner Mitspieler mit hängenden Köpfen vom Feld. Dass das Team Srbija auch das Finale für sich entscheidet, während wir immerhin Platz drei erringen, macht das vorzeitige Aus letztlich zumindest halbwegs erträglich.

Trotz des bitteren Endes fällt das Tages-Fazit rundum positiv aus. Auch im zweiten Jahr ist die Volksbank Basketball Open Air Basketball Challenge für alle Teilnehmer ein Erfolg. 14 Teams in zwei Altersklassen, über 50 Hobby-Basketballer, zahlreiche Zuschauer, viele bekannte Gesichter und vier Stunden lang spannender Sport. Einzig das wechselhafte und letztlich zu schlechte Wetter sorgt für einen faden Beigeschmack – denn eine „Open Air Challenge“ sollte im besten Fall natürlich auch unter freiem Himmel ausgetragen werden.

„Die Veranstaltung ist trotz vieler kleiner Stolperfallen letztlich gelungen und unsere Partner und wir sind absolut zufrieden“, stellt Christoph Schmidt, Geschäftsführer des Veranstalters VfL Kirchheim Knights, klar. „Wir haben tollen Sport gesehen, hatte viele Teilnehmer und einen letztlich reibungslosen Turnierverlauf. Einzig das Wetter hat uns wie im Vorjahr einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn wir wollten gerne den originalen amerikanischen Streetball-Flair schaffen, der dieser tollen Veranstaltung noch einmal eine ganz besondere Note gegeben hätte.“

Extra für diesen Zweck war das Areal rund um den Freiplatz der Allenschule noch im Vorfeld zu einem „Event-Park“ umgestaltet worden. Ein gigantischer Bollerwagen mit Musikanlage und Mischpult, riesige Boxen rund um das Spielfeld. Die Knights-eigenen DJs waren gekommen, um das Streetball-Event mit den passenden Hip-Hop-Beats und fetten Bässen abzurunden. Zudem zauberte Damn Burger Kirchheim Hackfleisch-Brötchen im XXL-Format – typisch amerikanisch eben.

Trotz der kleinen sportlichen und organisatorischen „Schönheitsfehler“ bleibt für mein Team und mich die Erkenntnis, dass wir auch im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder bei der Volksbank Open Air Challenge am Start sein werden. Denn schließlich wollen wir nicht nur bei Sonnenschein zu fetten Hip-Hop-Beats am Spielfeldrand Burger essen, sondern auch endlich nach den Schlusssirene im Finale jubeln. Die Schreie meiner Teamkollegen klängen dann auch sicher angenehmer.

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