Lokalsport

Hinter den Kulissen rauchen die Köpfe

Relegations-Verlierer TSV Weilheim bastelt am Neuaufbau – Meister Heiningen träumt von der Oberliga

Verbandsliga-Aufstieg verpasst, Zukunft ungewiss: Nach dem schweren Stimmungsdämpfer in Eislingen beginnen beim TSV Weilheim hinter den Kulissen die Vorbereitungen auf die kommende Landesliga-Saison. Doch es gibt Fragezeichen.

Die Weilheimer strauchelten gegen den FV Ravensburg II (Spielszene mit André Kriks) - jetzt müssen sie schnell wieder aufstehen.
Die Weilheimer strauchelten gegen den FV Ravensburg II (Spielszene mit André Kriks) - jetzt müssen sie schnell wieder aufstehen.Foto: Deniz Calagan

Weilheim. Alexander Hübbe war kaum wiederzuerkennen. Der Weilheimer Fußball-Trainer, während und nach wichtigen Spielen meist mit der maximalen Dosis an Emotionalität unterwegs, wirkte nach dem ernüchternden 2:4 gegen den FV Ravensburg II und dem damit verbundenen Aus in der Relegation erstaunlich ruhig und gefasst. Gänzlich unaufgeregt diktierte der Trainer-Routinier den Journalisten auf dem Rasen des Eislinger Eichenbachstadions seine Ansichten zum verlorenen Spiel und zu den Aussichten für seinen Klub in die Notizblöcke. Den erhofften Verbandsliga-Aufstieg habe man „genau genommen nicht gegen Ravensburg verspielt, sondern in der Schlussphase der Punktrunde durch zu viele Niederlagen“. Nur drei Punkte hätten zum direkte Aufstieg gefehlt, „diese Erkenntnis schmerzt mehr als die eine Niederlage gegen eine mindestens gleich starke Ravensburger Mannschaft“.

In Hübbes Ursachenforschung zum verpassten Triumph fielen speziell zwei Namen. „Ich habe großen Respekt vor der Leistung aller unserer Spieler in dieser Saison“, sagte Hübbe, „aber uns haben die Ausfälle von Innenverteidiger Daniel Heisig und Angreifer Michele Latte in der Schlussphase der Runde besonders hart getroffen“. Die Kreativität und Spontanität des quirligen Angreifers Latte sowie die Souveränität des defensiven Heisig hätten – wohl wahr – dem TSVW auch im Spiel gegen den FV Ravensburg II gut getan. Die Begegnung offenbarte nämlich schonungslos die Schwächen der Limburgstädter. Die fehlende Flexibilität und Genauigkeit im Spielaufbau sowie die im Vergleich zu den „jungen Wilden“ der Ravensburger geringere gedankliche und physische Schnelligkeit, waren summa summarum entscheidend.

„Wir konnten unser Spiel einfach nicht durchziehen“, bemängelte Routinier Ferdi Er nach dem Abpfiff und meinte damit unter anderem die fehlende Klarheit in den Aktionen. Am Trainer soll es jedenfalls nicht liegen, um das Team diesbezüglich weiterzuentwickeln. „Ich bin bereit für meine letzte Saison“, sagte Ale­xander Hübbe unmittelbar nach dem abrupten Ende der Aufstiegsträume kämpferisch. Mit Abwehrspieler Christoph Bauer (22) vom FC Eislingen, einst Jugendspieler bei den Stuttgarter Kickers, ist ein Akteur für die defensive Außenposition im Anflug. Wobei nach dem Karriereende von Markus Gabriel sowieso Handlungsbedarf in den defensiven Außenpositionen besteht. Gabriel („mein Spielerpass bleibt in Weilheim, vielleicht kicke ich noch in der AH“), ist derweil nicht der einzige TSVW-Kicker, der am Mittwoch die letzte Partie für den Landesliga-Vizemeister bestritt. Mitte der zweiten Halbzeit war für Kai Hörsting Feierabend. Bis auf ein Jahr Unterbrechung (TSV Köngen) hat der robuste Torjäger seine gesamte fußballerische Laufbahn unter der Limburg verbracht. „Mein letztes Spiel hätte ich mir sicher anders vorgestellt“, kommentierte der künftige VfL-Angreifer.

Auf die sportliche Leitung der Weilheimer kommen intensive Wochen zu, weil die Kaderplanung zügig vorangetrieben werden muss. Zwar soll laut offiziellem Abteilungsstatement bis auf die genannten Abgänge das Gros der Mannschaft bleiben, doch hartnäckig halten sich Gerüchte, dass unter anderem Stürmer Fatih Özkahraman und Ferdi Er Abwanderungsgedanken hegen. Augenfällig ist jedenfalls, dass die Weilheimer neue Akteure benötigen, die das Spiel flexibler gestalten können und neuen Schwung bringen. Der beim TSVW jüngst ins Spiel gebrachte Frickenhausener Tarik Serour hat derweil beim Verbandsliga-Aufsteiger FC Heiningen zugesagt.

Während in Weilheim noch jede Menge Fragen gelöst werden müssen, ist die Euphorie beim Landesliga-Meister grenzenlos. Selbst das Wort Oberliga nehmen nun – ganz keck – die ersten Heininger Fußball-Funktionäre bereits in den Mund. „Das ist unser mittelfristiges Ziel“, überraschte der Klubvorsitzende Edmund Funk dieser Tage mit einem klaren Statement. Solche Worte scheinen bei den Spielern gut anzukommen. So schlug Allrounder Marcel Schmidts ganz aktuell eine Offerte des Ex-Bundesligisten SSV Ulm 1846 aus. Er wolle lieber weiter an der Heininger Erfolgsgeschichte mitschreiben, heißt es.

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