Lokalsport

Hoffen auf (s)eine Überraschung

Manuel Fumic ist im olympischen Mountainbike-Finale nur Außenseiter

Am Sonntag bestreitet Manuel Fumic in Rio de Janeiro eines seiner wichtigsten Rennen. Am Zuckerhut steht der Kirchheimer zum vierten Mal in einem olympischen Finale.

Rio de Janeiro. Der Kirchheimer, der wohl sein letztes Olympia-Rennen bestreitet, hat vor, sein bestes Saison-Rennen abzuliefern – schließlich war das gesamte Training in diesem Jahr auf diesen Tag ausgerichtet. Doch die Medaillen scheinen außer Reichweite.

Als er vor Monaten in die Saison startete, hat Fumic durchaus auch an eine olympische Medaille gedacht. Nach den Ergebnissen, die er in den drei Jahren zuvor abgeliefert hat, war die Vorstellung auch nicht unrealistisch. Doch es kam ganz anders. Fumic holperte mehr durch das Frühjahr als dass er rollte, und die Spirale drehte sich immer weiter abwärts.

Ohne ein einziges Top-Ten-Ergebnis nach Brasilien angereist, haben sich die Maßstäbe und Erwartungen beim 34-Jährigen inzwischen verschoben. Jetzt geht es bei seinen vierten Olympischen Spielen darum, „das beste Rennen der Saison zu fahren“.

Allerdings ist diese floskelartige Zielbestimmung keine ohne Ambitionen – eher der Versuch, sich alle Ergebnis-Spekulationen vom Leib zu halten und ruhig und gelassen ins Großereignis zu gehen. „Ich weiß, dass es bei Großereignissen Überraschungen geben kann. Das versuche ich mir als Sportler klar zu machen, um mich zu motivieren“, sagt er. Dass seine Olympia-Ansage optimistischer ausgefallen wäre, wenn die Saison erwartungsgemäß verlaufen wäre, da­ran lässt er keine Zweifel. „Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn niemand eine Medaille von mir erwartet.“

Der Weg zu den drei Medaillen führt über die „Großen Drei“: London-Olympiasieger Jaroslav Kulhavy, Weltmeister Nino Schurter und Doppel-Olympiasieger Julien Absalon beherrschen seit Jahren die Szene und lassen dem Rest gewöhnlich nur die Krumen übrig. Alternative Medaillengewinner kann es schon geben, so wie es etwa Fumics italienischem Cannondale-Teamkollegen Marco Fontana in London gelang, hinter Schurter Bronze zu ergattern.

Mit dem 4,85 Kilometer langen Plampia-Kurs können nahezu alle Fahrer etwas anfangen. Allerdings hat er auch seine Tücken. Und ob das Wetter mitspielt: fraglich. Einerseits sind für Sonntag Regenfälle angesagt, andererseits hat im Donnerstag-Training der Wind eine unselige Rolle gespielt. Zum Pechvogel geriet Moritz Milatz. Der Freiburger erwischte vor einem Sprung eine Böe, sodass er die Linie verlor, stürzte und sich eine Rippenprellung zuzog. Der Russin Irina Kalentieva passierte Ähnliches, und die Polin Katarzyna Solus zog in der Windlotterie die größte Niete: Schlüsselbeinbruch.

Morgen soll der Wind zwar nicht mehr ganz so stark wehen, aber er ist und bleibt ein unkalkulierbarer Risikofaktor. Genauso wie die Steinfelder, die im Deodoro Mountainbike-Park künstlich als Hindernisse angelegt sind. Erwischt man eine schlechte Linie, ist schnell ein Plattfuß eingehandelt.

Für Fumic ist am Ende die körperliche Verfassung ausschlaggebend für Sieg oder Niederlage. Von der eigenen ist er nach wie vor überzeugt – so wie eigentlich in der gesamten Saison. Auch auf Bundestrainer Peter Schaupp machte er zuletzt einen sehr guten Eindruck. „Meine Lockerheit ist wieder da“, sagt er. In der Weltrangliste rutschte er allerdings von Rang drei zu Beginn des Jahres bis auf Position 25 ab. Deshalb wird er mit der dritten Startreihe vorlieb nehmen müssen. Am ersten Singletrail ist ein früher Stau zu erwarten.

Fumic mag die Strecke. „Ich fühle mich wohl darauf. Man muss dicke Gänge fahren und das liegt mir“, sagt er mit der bekannten Wortwahl. Es werden seine vierten Olympischen Spiele und definitiv seine letzten werden. So weit hat sich Manuel Fumic festgelegt. Kommt schon erste Wehmut auf? „Kein bisschen“, sagt er. Olympia bringe für ihn ein „Bonus-Rennen“. Dem Hype um das Fünf-Ringe-Spektakel will er nicht folgen, dennoch sei es etwas Besonderes, das deutsche Team zu vertreten.

Der Start des olympischen Herrenrennens erfolgt am Sonntag um 17.30 Uhr (MESZ). Das ZDF überträgt weite Strecken des Rennens live, die ARD bietet auf sportschau.de im Internet einen kommentierten Livestream.

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