Lokalsport

„Ich bin der Souffleur des Sportwarts“

Segelflieger Tilo Holighaus als Helfer auf der Hahnweide

In der internationalen Segelflugszene zählt der Kirchheimer Tilo Holighaus (46) zu den bekannteren Protagonisten: Die Konstellation, als Pilot genauso erfolgreich zu sein wie als Konstrukteur, hat Seltenheitswert. Der Geschäfsführer der Firma Schempp-Hirth, der beim World Grand Prix drei Mal Top-10-Platzierter war, über sich, den Hahnweide-Wettbewerb, Zukunftsaspekte und den Unfalltod seines Vaters 1994.

Tilo Holighaus.Foto: Brändli
Tilo Holighaus.Foto: Brändli

Wer derzeit auf die Hahnweide geht, erlebt Tilo Holighaus nicht als Wettbewerbspilot, sondern nur als Beobachter. Weshalb?

Tilo Holighaus: Zum Einen, weil ich in knapp zwei Wochen an den deutschen Meisterschaften in Erbach bei Ulm teilnehmen werde und mich vorbereiten muss, zum Anderen, weil ich in der Organisation des Hahnweide-Wettbewerbs mithelfe.

 

In welcher Funktion?

Holighaus: Ich helfe mit, die täglichen Wettbewerbsaufgaben festzulegen. Man könnte sagen, ich bin der Souffleur des neuen Wettbewerbs-Sportwarts Rainer Rauch. Es klappt gut zwischen uns. Wir schlagen uns die Bälle gegenseitig zu.

 

Kribbelt es Sie als leidenschaftlichem Segelflieger nicht in den Fingern, wenn die Kollegen in die Luft gehen und Sie am Boden bleiben?

Holighaus: Wie die S... juckt es mich. Am zweiten Wertungstag am Sonntag bin ich außer Konkurrenz in der 15-m-Klasse gestartet. Das hatte zum Vorteil, dass ich in Flugregionen vorstoßen konnte, die im Bereich der kommenden deutschen Meisterschaft liegen. Ich konnte für die DM also gewissermaßen schon mal vortesten.

 

Und wie lief‘s sportlich?

Holighaus: Ich war rund zwanzig Minuten schneller als der offizielle Tagessieger.

 

Neben Ihrer Tätigkeit als Wettbewerbshelfer sind Sie derzeit sozusagen auch als Kundenbetreuer auf der Hahnweide unterwegs – ein Großteil der 120 Segelflugzeuge stammen aus dem Hause Schempp-Hirth. Wie viele genau?

Holighaus: Insgesamt sind es über 80 in den fünf Wertungsklassen. Bei den Doppelsitzern kommen alle aus unserem Hause.

 

Apropos. Ihr aktuelles Produkt heißt Neue Ventus – ein Segelflugzeug, das der aktuelle japanische Hahnweide-Starter Makoto Ichikawa bereits bestellt hat, obwohl es noch gar nicht die Serienreife erlangt hat.

Holighaus: Die Liste der Interessenten ist tatsächlich groß, obwohl wir mit der Neuen Ventus frühestens im Frühjahr 2016 auf den Markt kommen werden. Das freut mich als Geschäftsmann, klar, und ich werte das als Vertrauensvorschuss meiner Kunden.

 

Was zeichnet die Neue Ventus aus?

Holighaus: Optisch besticht das Segelflugzeug durch einen spektakulär nach hinten gezogenen Flügel – was seine Aerodynamik und damit auch die Schnelligkeit verbessert. Die Baumaterialien sind weitgehend die bekannten: Kohlefaser oder Carbon. Das Flugzeug kann in der 18-m-Klasse eingesetzt werden und soll im Frühjahr 2016 auf den Markt kommen.

 

Am 9. August 1994 ist Ihr Vater Klaus Holighaus, Vizeweltmeister ‘81 in der Offenen Klasse und dreifacher Europameister danach, in den Schweizer Alpen bei einem Trainingsflug tödlich verunglückt. Es war eine Schreckensmeldung, die durch alle Medien ging. Wie denken Sie heute über die Tragödie?

Holighaus: Der Tod meines Vaters berührt mich noch heute. Ich habe unglaublich viel von ihm gelernt, und viele seiner Konstrukteurs-Ideen sind selbst in den modernen Segelflugzeugen noch zu finden. Zum Unglück kann ich nur sagen, dass man die genauen Umstände bis heute nicht zweifelsfrei herausfinden konnte.

 

Welche persönlichen Konsequenzen zogen Sie aus dem Absturz?

Holighaus: Für mich ging es darum, die richtigen Lehren aus dem Unfall zu ziehen: Beim Segelfliegen ist wie in vielen anderen Sportarten Gefahrenpotenzial vorhanden. Deshalb muss man die Sicherheit immer groß schreiben.

 

Wenn Sie einmal vorausblicken: Wohin, glauben Sie, wird sich der Hahnweide-Wettbewerb in den nächsten zehn Jahren entwickeln?

Holighaus: Ich hoffe, es bleibt alles beim Alten – dass die Piloten auch in den kommenden Jahren viel Spaß bei der Veranstaltung haben werden. An große Kommerzialisierungs-Möglichkeiten glaube ich nicht, doch ich wünsche mir künftig mehr Medienpräsenz.

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