Lokalsport

„Ich stand eigentlich immer unter Strom“

Alexander Hübbe geht nach acht Jahren als Weilheimer Fußball-Coach heute in den Trainerruhestand

Beim TSV Weilheim endet heute eine Ära. Nach acht erfolgreichen Jahren betreut Alexander Hübbe die Landesliga-Mannschaft zum letzten Mal als Chefcoach.

Herr Hübbe, verspüren Sie Wehmut oder Erleichterung am Ende Ihrer mehr als 40-jährigen Trainertätigkeit?

Alexander Hübbe: Weder noch. Das hat sich einfach so entwickelt. Ich fühle mich fit und gesund und es fällt mir schwer zu sagen, ich höre auf. Aber ich brenne nicht mehr so, wie es für diesen Job notwendig wäre. Als Trainer musst du nicht nur beim Spiel, sondern auch bei der Übungsarbeit unter der Woche immer hoch motiviert sein.

War der Altersunterschied zwischen Ihnen und den jungen Spielern in der Ansprache oder im Umgang miteinander ein Problem?

Hübbe: Nein, sonst hätte ich schon früher aufgehört. Den großen Unterschied gab es nur beim Duschen, wenn ich die Astralkörper der Spieler gesehen habe.

Was fangen sie mit der vielen Freizeit an, die ihnen künftig zur Verfügung steht? Fallen Sie in ein Loch? Oder gehen sie Ihrer Frau auf den Geist?

Hübbe: Ich glaube, die Gefahr besteht nicht. Ich werde nach wie vor viel Zeit auf dem Sportplatz zubringen. Ich will noch ein bisschen dabei sein und werde deshalb dem Verein weiter beratend zur Verfügung stehen. Ich will mich auch gelegentlich bei anderen Vereinen umschauen, vielleicht mal zum VfB oder nach München fahren. Ich werde mich um unser Enkelkind kümmern und meine Hobbys Joggen, Tennis spielen und Ski fahren pflegen. Außerdem bin ich ja noch drei Jahre berufstätig.

Für wie erfolgreich empfinden sie Ihre Trainerlaufbahn?

Hübbe: Ich bin mit dem Erreichten total zufrieden. Ich bin mit Kirchentellinsfurt, Dürnau und Weilheim viermal aufgestiegen. Noch viel öfter war ich Vizemeister, was mir lange wie ein Klotz am Bein hing. Ich bin mit meinen Mannschaften auch zweimal abgestiegen. Das gehört zum Trainergeschäft dazu. Man lernt auch immer aus Misserfolgen. Aber ich messe den Erfolg nicht nur am Tabellenplatz. Wichtig ist vor allem, wie sich eine Mannschaft weiterentwickelt hat, ob Teamgeist und Kameradschaft stimmen.

Ist irgendein Wunsch nicht in Erfüllung gegangen?

Hübbe: Ich hätte mir mal eine Phase gewünscht, die Spiele in Ruhe von der Bank aus zu verfolgen. Aber die gab es nicht. Ich stand eigentlich immer unter Strom.

Gab es in den vier Jahrzehnten einen großen Traum?

Hübbe: Ja, einen, den ich nicht verwirklichen konnte. Aber den behalte ich für mich.

Wie bewerten sie das Abschneiden Ihrer Mannschaft in dieser Saison?

Hübbe: Schon nach der Vorbereitung war uns klar, dass diese Saison schwieriger werden würde als im Jahr zuvor. Wir wussten, wenn wir den vierten Platz erreichen, können wir höchst zufrieden sein. Im Nachhinein erst recht, wenn man sieht, wie lange wichtige Spieler verletzungsbedingt gefehlt haben und wir deshalb in der Rückrunde abgefallen sind. Unsere große Stärke war das Defensivverhalten. In der Vorwärtsbewegung mangelte es.

Verlassen sie trotzdem die Kommandobrücke mit dem beruhigendem Gefühl, ihrem Nachfolger Chris Eisenhardt eine erfolgsversprechende Mannschaft übergeben zu haben?

Hübbe: Ich bin sehr zuversichtlich, was die Zukunft betrifft. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren neun Spieler aus der eigenen Jugend oder der näheren Umgebung hochgeholt und integriert. Von ihnen erwarte ich noch einiges. Aber wir brauchen ein paar Perlen, die sie führen. Dominik Brück, der vom SV Göppingen zu uns kommt, könnte eine sein.

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