Lokalsport

„Ich werde immer ein Kirchheimer bleiben“

Was sich verändert, wenn man weite Wege geht, ist immer eine Frage der Perspektive. Auf den ersten Blick erscheint vieles ähnlich. Etwas mehr als 30 000 Einwohner hat die Kreisstadt Vechta im westlichen Teil Niedersachsens. Hier gibt es eine Uni, einladende Kneipen, ein nagelneues Kino-Center und eine prosperierende Wirtschaft. Man sagt hier „Moin“ statt „Guten Morgen,“ und es gibt Basketball, um den sich hier so vieles dreht. Für Besnik Bekteshi hat der weite Weg von Kirchheim rund 600 Kilometer Richtung Norden mehr verändert, als Landschaft und Sprachgewohnheiten. Zum ersten Mal, seit er vor sieben Jahren seinen ersten Profivertrag als Basketballer unterschrieb, ist er angekommen. Dort, wo er immer hin wollte: in der ersten Liga.

In Vechta passt vieles. „Das sportliche Umfeld ist ideal“, sagt Besnik Bekteshi. Die Trainingsbedingungen, der Trainerstab, die medizinische Abteilung. Und er ist mit 23 Jahren zum ersten Mal auf dem Weg zur festen Größe in der BBL. 16 von 17 Begegnungen hat er absolviert, dabei fünf Punkte im Schnitt in mehr als zwölf Minuten Spielzeit pro Partie erzielt. Bisheriger Höhepunkt: das Heimspiel gegen den Tabellenführer aus Ulm, in der er Mitte Dezember zwölf Punkte und acht Korbvorlagen beisteuerte, auch wenn am Ende eine 85:95-Niederlage auf der Anzeigetafel stand. Er hat sich weiterentwickelt, körperlich wie spielerisch. Ist noch vielseitiger geworden, als bisher schon. Ein knallharter Verteidiger, schnell auf den Beinen, mit einem präzisen Wurf. Die schwere Knieverletzung, die ihn vor knapp vier Jahren fast zum Sportinvaliden gestempelt hätte – vergessen.

Am Sport liegt es nicht, dass er immer wieder gerne zurückkehrt nach Kirchheim, auch wenn der Aufsteiger aus Vechta bis zum Hals im Abstiegskampf steckt. In Kirchheim lebt die Familie, die ihm viel bedeutet. Der Bruder, der als Nachwuchstrainer und Regionalligaspieler das VfL-Trikot trägt. Hier haben beide das Basketballspielen von Kindesbeinen an erlernt, und hier fühlt er sich wohl, wenn er zu seltenen Gelegenheiten ein Heimspiel der Knights besucht. So wie vergangenen Sonntag gegen Paderborn, bei seinem ersten Besuch in Kirchheim seit vergangenem Juli. In der Halle, in der er vor vier Jahren in jenem unglückseligen Spiel gegen Heidelberg nach einem Zweikampf in die Bande krachte und mit Meniskusschaden und Kreuzbandriss auf dem Kliniktisch landete. Es war sein letzter Auftritt für die Kirchheimer und eigentlich kein würdiger Abschied. Vielleicht kehrt er wieder hierher zurück. „Wer weiß“, sagt er. „Ich werde immer ein Kirchheimer bleiben.“

Momentan heißt das Ziel erste Liga. Das steht über allem. Dafür hat er auf ein Sportstudium verzichtet, weil man als Basketballprofi selten länger als ein Jahr am selben Ort lebt. Jetzt büffelt er Betriebswirtschaftslehre im Fernstudium. Basketball ist kein Sport, der ein Auskommen sichert. Zumindest nicht auf lange Sicht. Momentan reicht sein Blick nur bis zum Saisonende, an dem er im Rasta-Dome den Klassenerhalt feiern will. „Wir haben noch 15 Spiele“, sagt Besnik Bekteshi. „Wenn wir fünf davon gewinnen, müsste es reichen.“

Bernd Köble

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