Lokalsport

Ihr bester Freund ist der Ball

Tennis Die 19-jährige Anna Gabric lebt ihren großen Traum von einer Karriere als Profi.

Für Anna Gabric beginnt morgen die Bundesliga-Saison.Foto: pr
Für Anna Gabric beginnt morgen die Bundesliga-Saison.Foto: pr

Kirchheim. „Es war von klein auf mein Traum, eine erfolgreiche Tennisspielerin zu werden“, sagt Anna Gabric aus Kirchheim. Die 19-Jährige lebt ihren Traum mit jeder Faser ihres durchtrainierten Körpers - ab Sonntag wieder für den TEC Waldau in der Tennis-Bundesliga.

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Sie lebt ihn wieder, um es korrekt zu sagen. Von August 2017 an war die Vision ein Albtraum. Eine hartnäckige Entzündung der Quadrizepssehne im linken Knie stoppte ihren Spieltrieb. Außer Krafttraining mit dem Oberkörper oder Ballwechseln im Stehen ging acht Monate lang nichts. Anna konsultierte daraufhin mehrere Ärzte in Stuttgart, Ulm und München - ohne Erfolg. „Geholfen hat mir letztlich die Physiotherapie“, betont sie.

Jetzt hat sie keine Schmerzen mehr, fühlt sich wieder topfit. Den Beweis lieferte sie vorige Woche beim Porsche-Turnier, für das sie als Mitglied des Porsche-Tennis-Teams kurzfristig eine Wildcard erhalten hatte. Als sie in der ersten Quali-Runde vor den Augen von Mutter, Trainer und Freunden die Ungarin Fanny Stollal - immerhin Nummer 200 der Weltrangliste - mit 7:5 und 7:6 niederkämpfte, flossen sogar Freudentränen. Die nächste Hürde, Zarina Dynas aus Kasachstan, war dann zu hoch. Am Ende stand es 3:6 und 1:6. „Ich war einfach platt. Ich hatte die ganze Woche hart trainiert und erst am Freitag erfahren, dass ich am Samstag spielen soll“, sagt sie fast entschuldigend.

Unterm Strich hat ihr das Comeback ohne körperliche Probleme neuen Mut gemacht. Nach so langer Zwangspause geht sie optimistisch in die sechs Bundesliga-Runden, in denen sie für die Waldau an Position fünf gesetzt ist. Zum Auftakt steigt morgen in Karlsruhe das Ländle-Derby gegen den TC Rüppur. „Ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem sich für uns schon viel entscheiden wird, wohin die Reise geht. Wir planen mit einem Platz zwischen zwei und vier“, meint der TEC-Vorsitzende Christoph von Eynatten. Klarer Favorit ist für ihn und auch für Waldau-Manager Thomas Bürkle das Tennis-Team Regensburg: „Ein Blick auf dessen Meldeliste ist furchterregend.“ Da stehen sieben Cracks aus den Top 100, angeführt von Julia Görges. Ob auch alle an den Start gehen, ist erfahrungsgemäß fraglich. Die meisten ziehen lukrative Einzelturniere der Bundesliga vor.

Für Anna Gabric dagegen ist es keine Frage, den „Stuttgarter Weg“ mit vorwiegend deutschen Spielerinnen in der Mannschaft mitzugehen. Erst nach dem letzten Spieltag geht es bei den kleineren 25 000- und mittleren 60 000-Dollar-Turnieren ans Geldverdienen. Schließlich ist sie Profi und muss mit den Preisgeldern ihren Lebensunterhalt verdienen. Deshalb gilt die Konzentration momentan ausschließlich der Karriere. Da hat ein Mann keinen Platz an ihrer Seite - ihr bester Freund ist der Ball. Die sportlichen Ziele sind klar definiert: bis Ende des Jahres unter die ersten 300 der Weltrangliste zu kommen, auf längere Sicht unter die ersten 50. Momentan liegt sie auf Platz 580. In Deutschland ist sie als Nummer 25 notiert.

Zuzutrauen ist ihr der Sprung allemal, wenn sie von weiteren Verletzungen verschont bleiben sollte. Ihr Vater Zoran (53) hat ihr das Talent in die Wiege gelegt. Er war jugoslawischer Meister, ist heute Tennislehrer in der Schweiz. Die Eltern sind geschieden. Anna lebt bei ihrer Mutter in der Kirchheimer Innenstadt, telefoniert aber fast täglich mit dem Vater in Zermatt und holt sich wertvolle Tipps für ihren weiteren Tennisweg.Klaus Schlütter