Lokalsport

Im Dunkeln ist gut Wedeln

Wintersport Der Nachtslalom in Laichingen hat als erstes Skirennen auf der Alb seit Jahren bei mehr als 100 Skirennläufern für Begeisterung gesorgt. Von Uli Weißinger

Im Flutlicht bei Schneefall durch den Stangenwald: Der Nachtslalom in Laichingen war für die 120 Teilnehmer eine echte Herausfor
Im Flutlicht bei Schneefall durch den Stangenwald: Der Nachtslalom in Laichingen war für die 120 Teilnehmer eine echte Herausforderung. Foto: Mirko Lehnen

Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man sich in den 1980er-Jahren wähnen können. Ein halber Meter Schnee, noch mehr Schnee am Abend, Nachttorlauf in Laichingen und altbekannte Gesichter. Nur alle halt mit ein paar Falten und einigen Kindern oder Enkeln mehr als damals. Die Atmosphäre am Samstagabend am Laichinger Skilift war trotzdem mindestens so gut wie früher. Auch Dank der Zuschauer. Viele Familien, Omas und Opas waren trotz des winterlichen Wetters nach Laichingen gekommen und harrten bei heftigem Schneefall an der Piste aus.

Kurzfristige Planung kein Problem

Innerhalb von vier Tagen hatten der TV Neidlingen und der TV Unterlenningen den einst am Ski­zentrum Pfulb beheimateten Sport-Holl-Nachtslalom organisiert und damit in der lokalen Skiszene Jubel ausgelöst. Zum ersten Rennen seit vier Jahren auf der Alb fanden sich 120 Läufer aus Kirchheim und Umgebung ein. „Es gibt leider immer weniger Vereine, die noch einen solchen Aufwand betreiben“, sagt Fritz Hitzer vom TV Neidlingen und denkt an vergangene Tage bei Teck- und Bläsibergabfahrtslauf oder dem Riesenslalom in Gruibingen. „Wegen der großen Temperaturschwankungen muss alles immer ganz kurzfristig geplant und umgesetzt werden.“

Weil genau zu Rennbeginn starker Schneefall einsetzte, hatten es die Helfer besonders schwer. Viele von ihnen waren bereits den ganzen Tag beim Skikurs im Einsatz, bevor sie ab 16 Uhr noch ihre Helferschicht antraten: Startnummern ausgeben, Tore stecken, Zeit nehmen, Rennen starten oder kommentieren und vor allem auch immer wieder Schnee aus dem Lauf herausrutschen und Strecke präparieren. „Hut ab! Was die Veranstalter heute Abend geleistet haben, ist nicht schlechter als bei einem Deutschlandpokalrennen“, lobte Marc-André Bischof von den SF Dettingen, der derzeit mit seinem Bruder Pascal zusammen beste Skifahrer der Region.

Das Starterfeld war mit insgesamt 120 Läufern nicht nur zahlenmäßig gut besetzt. Neben den Bischof-Brüdern war auch Finn Haug vom TSV Weilheim am Start und zwei sehr starke U21-Fahrer aus dem Raum Ludwigsburg, die alle zusammen im Deutschlandpokal fahren. Der Kampf um den Gesamt-Tagessieg und in der Herrenklasse war deshalb äußerst spannend. Nach einem Rückstand von knapp einer halben Sekunde im ersten Lauf drehte Pascal Bischof im zweiten auf. Zwei Hundertstelsekunden reichten ihm letztlich zum Gesamtsieg. Sein Bruder Marc-André wurde in der Herrenklasse Zweiter vor Finn Haug, der mit seiner Leistung auch zufrieden war. „Es war ein flüssiger, schneller Lauf auf dem anspruchsvollen Hang. Dass mir im zweiten Durchgang nur elf Hundertstel auf Marc gefehlt haben, ist super“, freute sich der 23-Jährige nach dem Rennen. Bei den Damen gewann Inline-Weltmeisterin Manuela Schmohl vom SC Unterensingen, die auch Titelverteidigerin war, vor Anna-Lena Unger vom TSV Jesingen.

Dabei sein ist alles

Neben den knapp 50 Aktiven nahmen auch gut 70 Kinder und Schüler den 500 Meter langen Lauf in Angriff. Für viele von ihnen war es der erste Slalom überhaupt, sodass Flutlicht, Schneetreiben sowie ungewohnte Slalomstangen und Doppeltore eine echte Herausforderung waren. So mancher kleine Rennfahrer fand nicht den richtigen Weg ins Ziel und durfte unter dem Motto „dabei sein ist alles“ aber trotz Torfehler im zweiten Lauf starten. Andere meisterten ihren ersten Slalom mit Bravour. So zum Beispiel der siebenjährige Finn aus Kirchheim, der sich über seinen „Bombenlauf“ und den ersten Pokal seines Lebens freute. Er war sich mit seinem Vereinskollegen Vincent, der seinen Torfehler sportlich nahm, einig: „Nächstes Jahr kommen wir wieder.“ Natürlich hoffen sie, dass dann auch wieder „Pasi“ und „Marc“, die Vorbilder vieler kleiner Skifahrer, da sind.

„Wir haben eine wichtige Vorbildfunktion für den Nachwuchs, so wie Philipp Hauff früher für uns“, darüber ist sich Pascal Bischof bewusst und beantwortet auch geduldig Fragen der kleinen Fans. Klar ist für die Bischof-Brüder dabei auch: Sollte es weitere Rennen auf der Alb geben, sie sind dabei, sofern es der stramme Terminkalender zulässt. Dann freuen sich nicht nur die kleinen Fans, sondern auch die Familie Bischof inklusive des 82-jährigen Opa Peter (siehe Kurzinterview), die ihre Skicracks endlich mal wieder vor der Haustür anfeuern konnten. Titelverteidiger Philipp Hauff aus Kirchheim war übrigens ebenfalls an der Piste, allerdings wegen seines Nachwuchses nur als Zuschauer.

Die Ergebnisse des Nachtslaloms finden sich hier.

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