Lokalsport

Im Ländle ist „Karo“ konkurrenzlos

Triathlon Karoline Brüstle aus Neidlingen sammelt Titel auf der Kurz- und Mitteldistanz.

Schnell, nicht nur zu Fuß: Triathletin Karolin Brüstle. Foto: Larasch

Neidlingen. In den Anfangsjahren der noch jungen Trendsportart Triathlon hatten weibliche Teilnehmer Exoten-Status. Beim ersten „Ironman Europa“ 1988 in Roth waren 97 Prozent der 689 Teilnehmer männlich. Inzwischen haben sich die Verhältnisse deutlich verschoben. Nun sind beim anspruchsvollen Dreikampf Schwimmen - Radfahren - Laufen weltweit im Schnitt 15 Prozent Frauen am Start.

Unter ihnen: Karoline Brüstle aus Neidlingen. 2015 bestritt sie im Allgäu ihren ersten Triathlon. Vier Jahre später ist die 27-Jährige, die als Lauftalent von der Leichtathletik kam, baden-württembergische Doppelmeisterin auf der Sprint- und auf der olympischen Distanz.

Den ersten Titel 2019 holte sie sich beim „Römerman“ in Ladenburg. Nach 1,8 Kilometer Schwimmen ging sie als Fünfte mit etwas mehr als zwei Minuten Rückstand auf die 41 Kilometer lange Radstrecke. Beim Wechsel in die Laufschuhe hatte sie bereits drei Konkurrentinnen überholt und den Abstand auf die führende Simone Hofmann (Viernheim) um mehr als eine Minute verkürzt. Auf der Zehn-Kilometer-Laufstrecke setzte die Neidlingerin zur Schlussoffensive an, die ihr in 2:28,17 Stunden den Sieg bescherte.

Bereits eine Woche später folgte in Heidelberg der zweite Teil des Triathlon-Cups Rhein-Neckar. 1,7 Kilometer Schwimmen im Neckar, 41 Kilometer auf dem Rad durch die Altstadt hinauf zum Heidelberger Schloss und zum Abschluss zweimal über den Königstuhl, danach zehn Kilometer auf Laufsohlen den Philosophenweg hinauf und wieder hinunter. Erste im Ziel: Karoline Brüstle. Ihre Zeit: 2:28,17 Stunden, zwei Minuten schneller als die Frankfurterin Jenny Schulz, die Zweite wurde. Nächste Woche geht Karoline Brüstle in Viernheim beim dritten Teil der Cup-Serie als klare Favoritin auf den Gesamtsieg an den Start.

Zumal sich „Karo“ weiter in Topform befindet. Vergangene Woche gewann sie den Ravensburger Kurz-Triathlon, damit auch den Landesmeistertitel im Sprint. Nach 750 Meter Schwimmen hatte sie als Zwölfte, wie sie sagt, noch „viel Verkehr“ vor Augen. Doch auf dem Rad (24 Kilometer) und im Laufen (fünf Kilometer) konnte ihr keine der 111 Teilnehmerinnen folgen. Ihre Siegzeit von 1:15,05 Stunden bedeutete drei Minuten Vorsprung vor Lotte Sobella (Freiburg).

2019 mit Profilizenz

In dieser Saison startet Brüstle erstmals mit einer Profilizenz. Nicht zuletzt deshalb, um Anspruch auf Preisgeld zu haben, das bei einem Sieg im vierstelligen Bereich liegt. Vom Status eines Vollprofis ist sie damit aber noch weit entfernt, das weiß sie. „Nur noch Triathlon, das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt sie. „Ich habe einen Beruf und treibe den Sport so, dass er mir Spaß macht.“ Nach erfolgreichem Masterstudium in Gesundheitswissenschaft arbeitet sie im Management der Stiftung Liebenau, wohnt in der Nähe von Tettnang und startet für den SV Mengen. Die Besuche bei den Eltern in Neidlingen sind dadurch seltener geworden.

Wie sind ihre jüngsten sportlichen Erfolge einzuordnen? Stefan Vollmer, Abteilungsleiter der Mengener Triathleten meint: „Im Ländle ist Karo der Konkurrenz überlegen. Für Erfolge auf Bundesebene hat sie im Schwimmen noch zu viel Nachholbedarf. Aber sie gibt alles, um sich zu verbessern.“

Reicht es dann irgendwann für Olympia? „Oh Gott!“, sagt sie nur und weist solche Gedanken entschieden von sich. Für 2020, wenn es in Tokio um die Medaillen geht, hat sie sich ein anderes großes Ziel gesetzt: Ihren ersten Start auf der Langdistanz bei der Challenge in Roth, mit 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathonlauf über 42,2 Kilometer. Dann vielleicht im Trikot des Triathlon-Teams DAV Ravensburg. Denn in Mengen steht das Damenteam kurz vor der Auflösung. Klaus Schlütter

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