Lokalsport

Immer wieder aufstehen

Fabian Gutbrod fiebert nach einem Innenbandriss dem Comeback entgegen

Physiotherapie, Lauftraining, Warten. Pechvogel Fabian Gutbrod arbeitet beim Bergischen HC wieder einmal am Comeback in der Handball-Bundesliga.

Erfolg im Handball will hart erkämpft sein: Fabian Gutbrod (Bildmitte) musste den sportlichen Erfolg zuletzt mit zahlreichen Ver
Erfolg im Handball will hart erkämpft sein: Fabian Gutbrod (Bildmitte) musste den sportlichen Erfolg zuletzt mit zahlreichen Verletzungen bezahlen.Foto: BHC/Jörg Richter

Kirchheim. Er trägt schulterlanges Haar, einen Vollbart und ist gerade dabei, seine Ausbildung zum Heilpraktiker abzuschließen. Dass er seit seinem Abschied aus der schwäbischen Heimat eine Entwicklung hinter sich hat, ist inzwischen auch an seinem stark veränderten Äußeren abzulesen. Eines jedoch ist gleich geblieben: Wenn der Zwei-Meter-Mann auf dem Handballfeld im halblinken Rückraum zum Flug abhebt, schrillen beim Gegner die Alarmglocken. In 152 Bundesligaspielen hat Fabian Gutbrod 382 Mal ins Schwarze getroffen. Im vergangenen Jahr war der inzwischen 28-Jährige aus Owen einer der Erfolgsgaranten beim Bergischen HC.

In einer Saison, in der er verletzungsbedingt neun Spiele verpasst hat, mit 99 Treffern aber dennoch viertbester Schütze seiner Mannschaft war. Erst im März kehrte er aufs Spielfeld zurück, gerade rechtzeitig zum Final Four im Pokal und für zehn Gutbrod-Tore in der Liga gegen Eisenach – BHC-Sprecher Thorsten Hesse sagt: „Er hat in der vergangenen Saison einen richtigen Schub bekommen.“ Am Ende feierte der BHC mit Platz zwölf und dem Einzug ins Pokal-Halbfinale seine beste Bilanz seit dem Wiederaufstieg vor drei Jahren.

Es gibt aber auch die andere Seite von Fabian Gutbrod. Die des ewigen Pechvogels, dessen Karriere bis heute eine Serie von Verletzungen begleitet hat: Schultereckgelenk-Sprengung, Fußbruch, Anriss der Patellasehne. Kurz vor dem Saisonstart in diesem Jahr: Innenbandriss im linken Knie nach einer unglücklichen Aktion im Mannschaftstraining. Sechs Wochen Pause. Der nächste Tiefschlag. Einer von vielen beim Tabellenvorletzten, der im Kampf um den Klassenerhalt zu Beginn auf seinen kompletten Rückraum verzichten muss. Gutbrod versucht locker zu bleiben: „Natürlich ist es nervig, wenn du die gesamte Mühle der Vorbereitung durchläufst und dich so kurz vor dem Start verletzt“, räumt er ein. „Ich musste bisher aber noch nie operiert werden. Insofern ist alles gut.“

Nach vier Niederlagen in Serie feierte der HC am vergangenen Samstag beim 22:20 in Wetzlar mit einer Rumpftruppe seinen ersten Saisonsieg. Erstmals wieder mit dabei war Mittelmann und Routinier Viktor Szilágyi, der sein Comeback mit sieben Treffern unterfütterte. Auf die Rückkehr von Fabian Gutbrod muss die Mannschaft noch etwas länger warten. Der ehemalige Junioren-Weltmeister und zweimalige A-Nationalspieler absolviert seit dieser Woche zwar wieder Tempoläufe und will sich am Wochenende an Sprungtraining wagen, bis er aufs Spielfeld zurück kehren kann, wird es wohl noch zwei Wochen dauern. „Bei den vielen Verletzten, die wir im Moment haben“, sagt Thorsten Hesse, „werden wir keinerlei Experimente machen.“

Fabian Gutbrod bleibt entspannt: „Ich bin weit entfernt von Panik“, meint er. „Wir stecken immer noch im ersten Saisondrittel und haben genügend Qualität in der Mannschaft.“ Genügend Erfahrung in sachen Klassenerhalt hat der BHC ohnehin. Auch wenn Gutbrods Vertrag, den er inzwischen bis 2018 verlängert hat, auch für die zweite Liga gilt. Er fühlt sich wohl in seiner neuen Wahlheimat in Solingen. Was für seine Karriere momentan am Wichtigsten scheint, hat er im Sommer auf einer Rucksackreise mit der Freundin durch Vietnam gelernt: Geduld und Gelassenheit.

Vom Owener Handball-Knirps zum Nationalspieler

Anfänge in der Teckhalle Fabian Gutbrod (28) hat in der C-Jugend des TSV Owen mit dem Handballspielen begonnen. Als B-Jugendlicher wechselte er ins Nachwuchsprogramm des TV Neuhausen/Erms, bevor er mit 19 Jahren seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Sprungbrett Göppingen Ausgestattet mit einer Doppellizenz war er ab Sommer 2007 für den damaligen Regionalligisten TV Neuhausen und für Frisch Auf Göppingen in der ersten Bundesliga spielberechtigt. In der Mannschaft des damaligen Trainers Velimir Petkovic kam Gutbrod über sporadische Einsätze allerdings nicht hinaus. Durchbruch beim BHC 2011 wechselte er zum Erstligisten Balingen-Weilstetten unter Trainer Rolf Brack, bevor ihm beim Bergischen HC endgültig der Durchbruch in der Handball-Bundesliga gelang. Zuletzt verlängerte er seinen Vertrag bei den Löwen in Solingen um zwei weitere Jahre bis 2018. Seine stärkste Saison verzeichnete der 1,99 Meter große und 100 Kilo schwere Rückraumschütze 2014/15, als er bei 35 Einsätzen für den Bergischen HC 139 Feldtore erzielte. Weltmeister 2009 Mit den DHB-Junioren holte der Owener 2009 den Weltmeistertitel in Ägypten. Er bestritt danach zwei A-Länderspiele.bk

Anzeige