Lokalsport

Immer wieder sonntags?

Die Bissinger Meile lockt Radler am Wochenende erstmals zum ungewohnten Termin auf den Dachsbühl

Sie ist immer noch gleich lang, sie tut immer noch weh, aber sie findet diesmal an einem Sonntag statt. Die Bissinger Meile umkurvt die Pfingst­ferien.

Bissingen. Inliner stehen am Start, auch Gespanne quälen sich die knapp über hundert Höhenmeter vom Dachsbühl hinauf. Einen Versuchsballon haben die Meile­macher während der vergangenen 18 Jahre noch nie gestartet. Die Meile, das war für eingefleischte Rad-Enthusiasten der Fixpunkt im Kalender an Fronleichnam. Weil der Feiertag unter der Woche allzu oft in die Pfingstferien fiel, wurde daraus ein Problem: Weniger Zuschauer, weniger Teilnehmer, weniger Helfer.

Der Umzug auf den Sonntag außerhalb der Ferien macht die 19.  Auflage des wohl kuriosesten Radrennens im Ländle, das – wie könnte es anders sein – aus einer Bierlaune heraus entstand – zu einem Novum. Ob am Termin dauerhaft festgehalten wird, lassen die Veranstalter der Alpin- und Radsportabteilung im TV Bissingen offen. „Mal sehen, wie der Sonntag läuft“, sagt Vereinssprecher Andreas Henssler. Nicht nur er konnte 2015 beobachten, dass trotz guten Wetters reichlich Platz im kleinen Festzelt an der Strecke war. Der Verein versorgt Besucher dort mit Getränken, Roten und selbst gebackenen Kuchen und schafft es damit, dass unterm Strich am Ende wenigstens die Null steht.

Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Bei der Meile spielt der Himmel die Hauptrolle. Ob der Generator in den Beinen genügend Watt liefert, entscheidet mitunter die Temperatur, über segensreichen Vorschub oder zermürbende Bremskraft die Windrichtung. Am Sonntag wird das Wetter auch darüber entscheiden, wie viel Aussagekraft der neue Termin hat. Regnet es, fällt die Analyse wohl flach. Weil das Beständigste an der momentanen Wetterlage die Unbeständigkeit ist und sich daran auch bis Sonntag nichts grundlegend ändern soll, bleibt Andreas Henssler nur, in Zweckoptimismus zu flüchten: „Wir hatten in der Vergangenheit auch schon bei richtig schlechten Wettervorhersagen am Ende Glück,“ meint er.

Was hingegen sicher ist: Zumindest bei den Männern wird es einen neuen Sieger geben. Der Weilheimer Neu-Profi Jannik Steimle, der im vergangenen Jahr den Streckenrekord auf unglaubliche 2.38,02 Minuten schraubte, bestreitet im Trikot des österreichischen Felbermayr-Teams gerade die Slowakei-Rundfahrt, die am Sonntag mit der fünften Etappe endet. Vielleicht die Chance für die beiden früheren Meile-Champions Andreas Miller (Jesingen) und Philipp Daum (Wendlingen). Letzterer wird auf jeden Fall am Start sein und erneut beweisen wollen, dass man die Meile auch mit einer starren Übersetzung, also ohne Gangschaltung, gewinnen kann. Der Fixed-Gear-Spezialist will eine Woche später in Berlin um den inoffiziellen WM-Titel in dieser Disziplin mitfahren.

Renntermine hat auch die Rekordhalterin bei den Frauen: Weltcup-Mountainbikerin Elisabeth Brandau (Schönaich) startet eine Woche nach der Meile in Heubach in der Bundesliga. Ob die frischgebackene deutsche Cross-Meisterin die Titelverteidigung als Verpflichtung sieht, ist fraglich. Sie kam im vergangenen Jahr rein zufällig in Bissingen vorbei und stellte sich spontan an den Start.

Auch wenn echte Cracks um Bestzeiten kämpfen, bleibt die Meile ein Radsport-Event für die ganze Familie. Erstmals wird es in der Kurve beim Bewirtungszelt eine Geschwindigkeitsmessung geben. Die gemeindeeigene Anlage, die ansonsten über Tempo 30 wacht, soll diesmal Radler motivieren, aufs Tempo zu drücken. Wer die Schinderei meiden und trotzdem nicht untätig sein will, kann sich am Stand von Radsport Fischer und Wagner, dem langjährigen Partner der Meile, über die neuesten Bikemodelle informieren und diese auch Probe fahren.

Gestartet werden kann am Sonntag von 10  bis 15 Uhr. Ab 15 Uhr ist die Strecke frei für Inliner, Gespanne oder Tandems. Die Siegerehrung findet um 17 Uhr im Zelt an der Strecke statt. Anmelden kann man sich am Start am Dachsbühl. Die Startgebühr beträgt drei Euro. Die 1,6 Kilometer lange Strecke mit knapp über 100 Höhenmeter verläuft über einen betonierten Wirtschaftsweg quer zum Radweg zwischen Bissingen und Weilheim.

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