Lokalsport

In Dettingen knallen die Korken

Kreisligaszene Die Sportfreunde haben den Meistertitel. Die über lange Zeit führende TSV Grafenberg erntet dagegen für seine gewisse Überheblichkeit Hohn und Spott. Von Klaus Schlütter

Allen Grund zur Freude: Bei der Meisterfeier der SF Dettingen ging es feucht-fröhlich her.Foto: Mirko Lehnen
Allen Grund zur Freude: Bei der Meisterfeier der SF Dettingen ging es feucht-fröhlich her.Foto: Mirko Lehnen

Staffelleiter Johannes Veit hatte sich für den feierlichen Moment extra ein weißes Hemd angezogen. In einer Ansprache kurz nach Spielschluss würdigte er die Saisonleistung der Sportfreunde Dettingen, gratulierte zur Kreisliga-Meisterschaft und zum Aufstieg in die Bezirksliga. Dann überreichte er Spielführer Tim Lämmle den Meisterwimpel des Fußballbezirks Neckar/Fils.

Soweit der offizielle Teil des Sonntagnachmittags. Später zog die Truppe Richtung Ortsmitte, wo ein Sponsor eine Kneipe unterhält und die Mannschaft mit diversen Kaltgetränken versorgte, wovon bei den schwülen Temperaturen reichlich Gebrauch gemacht wurde.

Dabei hatte die Aufstiegsbambule gegen Abstiegskandidat Bempflingen alles andere als erfolgsversprechend begonnen. „Die erste Halbzeit war gar nicht meisterlich“, urteilte Abteilungsleiter Christian Renz. Spielleiter Thomas Beller meinte gar: „Wenn wir in der Bezirksliga so spielen, dann steht es zur Pause 5:0, aber für den Gegner!“ Das änderte sich in der zweiten Halbzeit. Der scheidende Lämmle servierte drei Abschiedsgeschenke, bevor er zur TG Kirchheim wechselt.

Am Ende war Dettingen „durch“, was Veit so kommentierte: „Im Winter hättet ihr das wohl kaum so erwartet.“ In der Tat: Vor der Rückrunde hatte Konkurrent Grafenberg noch sieben Punkte Vorsprung. Die Mannschaft tat sich anfänglich mit dem Stilwechsel von Trainer Heiko Blumauer zu Nachfolger Robin Jaksche schwer. Beller: „Bei Blumauer hieß es Kavallerie vor, Säbel raus, volle Attacke. Bei Jaksche wird anderer Kombinationsfußball gespielt. Das musste erst mal in die Köpfe der Spieler.“

Jaksche und sein spielender „Co“ Coskun Isci bleiben Dettingen erhalten, auch der Großteil der Mannschaft. Die entstehenden Lücken sollen wie in Weilheim mit eigenen oder Nachwuchsspielern aus dem Umland geschlossen werden. „Wir holen keinen für Geld“, versichert Beller.

Um den Relegationsplatz zwei duellieren sich weiter der TSV Grafenberg nach dem 10:1 bei Schlusslicht FV 09 Nürtingen II (fünf Tore Frieder Geiger) und Catania Kirchheim nach 4:2 in Jesingen. Die Entscheidung fällt am letzten Spieltag. Die Paarungen: Grafenberg (62 Punkte) empfängt Jesingen, Catania (61) erwartet Dettingen. Keine Frage, wer die bessere Ausgangsposition hat.

Für Grafenberg könnte der angestrebte zweite Platz zum teuren Bumerang werden. In Anbetracht des klaren Punktevorsprungs und in der (fälschlichen) Annahme, es könne nichts mehr schiefgehen mit der Meisterschaft, buchten die Spieler schon vor Weihnachten eine Saisonabschlussreise an den Ballermann auf Mallorca. Und zwar genau zu den Terminen, an dem die Relegationsspiele stattfinden. „Ich habe sie gewarnt, aber sie haben nicht gehört“, sagt Trainer Peter Slavic. „Trotz einer Reiserücktrittsversicherung verlieren sie viel Geld.“ Dafür ist ihnen aber das Gespött der Fußballszene sicher.

Übrigens: Geschichte wiederholt sich. Im Winter der Saison 2010/11 hatte Grafenberg ebenfalls einen anscheinend komfortablen Vorsprung. Auch damals buchten sie einen Ballermann-Trip. Doch in der Rückrunde schmolz das Punktepolster dahin, und die Dettinger stiegen in die Bezirksliga auf. Diesmal waren die Sportfreunde wieder cleverer. Sie fliegen erst Ende Juni für vier Tage nach Mallorca, wenn alles gelaufen ist.

In den unteren Regionen der Kreisliga A gibt es für die vier Teckvereine vor Ultimo noch nichts zu feiern. Nur der TV Unterlenningen hat es sich mit dem 3:1 gegen Raidwangen in der Villa Sorgenfrei schon mal ein bisschen bequem gemacht. „Gut, dass wir die Druckphase des Gegners nach dem 1:1 schadlos überstanden haben“, meint Spielertrainer Timo Stümpflen. Zur endgültigen Rettung fehlt nur noch ein Heimsieg gegen den Vorletzten Oberensingen II.

Die größten Probleme hat plötzlich wieder der SV Nabern. Zur Erinnerung: Nach der Vorrunde standen vier einsame Pünktlein auf dem Habenkonto. Es folgte eine beispiellose Aufholjagd. Doch nach der zweiten bitteren Niederlage in Folge, diesmal 1:2 in Altdorf, hängt die Mannschaft mit 32 Punkten erneut auf einem Abstiegsplatz. Nabern lief zwei Blitztoren von Benjamin Henzler (3. und 8. Minute) vergeblich hinterher. Abteilungsleiter Michael Dangel untröstlich: „Wir waren in den ersten zehn Minuten noch nicht auf dem Platz. Jetzt müssen wir im letzten Spiel Raidwangen schlagen, dann reicht‘s für die Relegation.“

In der Kreisliga B war Tag der offenen Tür. 60 Tore in sieben Spielen, achteinhalb im Schnitt. Meister Ötlingen demonstrierte beim KSV Nürtingen mit elf Toren noch einmal seine Stärke. Wurde aber im Wettschießen von Jesingen II übertroffen - 13:0 gegen eine total überforderte TG Kircheim.

Anzeige