Lokalsport

Irgendwie durchkommen

Auf angeschlagene Knights wartet in Gießen das nächste Spitzenteam

Der Coach nennt die Lage kühl interessant. Sie ließe sich auch als brandgefährlich bezeichnen. Kirchheims Basketballer haben ihren Platz in der Pro A auch nach 16 Spieltagen noch nicht gefunden. Dafür müsste die Mannschaft wieder einmal in Bestbesetzung antreten können. Doch das wird auch am Sonntag in Gießen nicht so sein.

Öfter mal festhalten: Knights-Trainer Michael Mai beklagte in Würzburg zu viele Ballverluste seiner Mannschaft. Foto: Deniz Cala
Öfter mal festhalten: Knights-Trainer Michael Mai beklagte in Würzburg zu viele Ballverluste seiner Mannschaft. Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Liegt es am Spielplan, liegt es am hartnäckigen Verletzungspech? Den Knights gelingt es derzeit jedenfalls nicht, das schon einmal entfachte Feuer zum Lodern zu bringen. Einen Monat liegt das letzte Heimspiel zurück. Das 75:106 gegen den Tabellenführer aus Würzburg war ein Nackenschlag der schmerzhafteren Sorte. Am vergangenen Feiertag kamen die Ritter im Rückspiel mit zehn Punkten Differenz vergleichsweise glimpflich davon. Optimistische Rechner könnten daran gar einen Aufwärtstrend ablesen. Doch, wer will das schon.

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In Würzburg muss man nicht punkten, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Nur: irgendwann muss der Erfolg zurück kommen, soll aus einer unerwartet erfolgreichen Hinserie eine zufriedenstellende Saison werden.

Seine Mannschaft hat die Qualität, um vielleicht sogar in die Play-off-Ränge zu rutschen, davon ist Knights-Coach Michael Mai überzeugt. Sie kann es momentan nur nicht zeigen. „Wie wir seit Wochen immer wieder aus dem Rhythmus gerissen werden, ist schon merkwürdig“, sagt der Trainer. Erst die Meniskusverletzung von Enosch Wolf, dann die Wade von Bryan Smithson. Im Testspiel gegen Karlsruhe vor wenigen Tagen knickten dann Ben Beran und Jordan Wild um. Beran, der schon in Cuxhaven mit einer fiebrigen Erkältung auf dem Parkett stand, biss in Würzburg auf die Zähne. Wild fehlte ganz und bescherte dem noch unter Trainingsrückstand leidenden Neuzugang Julian Sensley einen 34-minütigen Kaltstart. Gestern war trainingsfrei. Zum Glück für Sensley, dessen Bewegungsmuster am Tag nach dem Spiel dem eines Boxers nach der zwölften Runde glich. Ob Jordan Wild am Sonntag wird spielen können, entscheidet sich frühestens heute Abend nach dem Training. Gestern gab es einen erneuten Arzttermin, nachdem die Diagnose für das lädierte Sprunggelenk anders als bei Beran bisher äußerst unscharf blieb.

Michael Mai ist realistisch: Zwei Wochen, so schätzt er, wird es noch dauern, bis seine Mannschaft über die volle Schlagkraft verfügt. Dann wird Enosch Wolf wieder zurück sein, dem der Coach im Heimspiel kommende Woche gegen Baunach zumindest einen Kurzeinsatz zutraut. Dann werden auch Wild und Beran wieder die Alten sein und Julian Sensley vermutlich ein Mann für die volle Distanz. Wenngleich der Trainer sagt: „Er hilft uns immer – auch mit 80 Prozent.“

Was das für das Spiel am Sonntag in Gießen bedeutet, ist schwer zu sagen. Nur soviel: Viel leichter als zuletzt in Würzburg wird diese Aufgabe nicht. Zieht man den Vergleich mit dem ersten Saisondrittel, stellen die Hessen sogar die Mannschaft der Stunde. Von den vergangenen sechs Spielen verloren die 46ers nur den Vergleich mit dem unangefochtenen Tabellenführer. Dass die Knights das Hinspiel am fünften Spieltag im Oktober mit 77:72 gewannen, ist Geschichte. Der Tabellenzweite hat sich wie kaum ein anderes Team entwickelt. Die internen Querelen sind vergessen, der Machtkampf zwischen Johannes Lischka und Coach Denis Wucherer ist entschieden, seit Lischka Ende November seinen Abschied nahm. Mit Aaron Hawley haben sich die ohnehin offensivstarken Gießener zu Weihnachten weiter verstärkt. Der US-Forward zählte mit einer 47-prozentigen Trefferquote in der NCAA zu den besten Dreierschützen der vergangenen Saison.

Ein ähnlich unkonzentrierter Beginn wie in Würzburg wäre für die Knights folglich auch am Sonntag in Gießen fatal, zumal die Gastgeber über äußerst flinke Finger verfügen: Was die Zahl der Balleroberungen betrifft, liegt das Wucherer-Team ligaweit auf Platz drei. „Wir müssen die erste Druckwelle überstehen. Das wird entscheidend sein“, sagt Michael Mai, der gegen Würzburg erleben musste, wie sich seine Mannschaft in entscheidenden Phasen erneut 16 Ballverluste leistete. Gießen ist am Sonntag klarer Favorit. Wie immer das Spiel ausgehen wird, mit ihm endet die Schonfrist für die Kirchheimer. Spätestens im Heimspiel gegen Baunach müssen die Karten auf den Tisch.