Lokalsport

Jogis Junge aus Frickenhausen

Fußball Mit Marvin Plattenhardt steht auch ein Kicker aus dem Bezirk Neckar/Fils im 23-köpfigen Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft beim Turnier in Russland. Von Jens S. Vöhringer

Antreiber auf der linken Seite: Marvin Plattenhardt hat das Fußballspielen im Neuffener Tal gelernt. Foto: Christian Charisius
Antreiber auf der linken Seite: Marvin Plattenhardt hat das Fußballspielen im Neuffener Tal gelernt. Foto: Christian Charisius

Bescheiden, behutsam, beständig. Diese drei Attribute haben Marvin Plattenhardt in den vergangenen zehn Jahren ausgezeichnet. Einen Schritt nach dem anderen ist der 26-jährige Profikicker, geboren in Filderstadt und aufgewachsen in Frickenhausen, auf der Karriereleiter gegangen und bis in die Nationalmannschaft aufgestiegen. Die bisher größte Herausforderung wartet nun bei der WM in Russland, wo der Linksverteidiger mit der DFB-Elf am morgigen Sonntag auf Mexiko trifft.

Bescheidenheit ist sicher ein besonderer Faktor in seiner Karriere gewesen. Schon vor fast zehn Jahren war es schwierig, einen Gesprächstermin zu bekommen. Im Juni 2018 verhielt es sich ähnlich. „Ich wollte meine Ruhe haben und mich auf das Trainingslager konzentrieren“, erläuterte er Anfang der Woche. „Da ich nominiert bin, kann ich jetzt auch ganz anders reden“, fügte er an, während er in seiner neuen Heimat Berlin noch etwas abschalten wollte. Eine Laufeinheit musste er dennoch absolvieren. Außerdem stand Zeitvertreiben mit Freunden auf dem Ku’damm auf dem Programm, ehe es am Dienstag von Frankfurt aus ins Quartier nach Moskau ging.

„Die Russen waren gute Gastgeber“, erinnert sich Plattenhardt gerne ans Vorjahr beim Confed-Cup-Erfolg. „Sehr gastfreundlich“ seien er und seine Mannschaftskollegen behandelt worden. Politik spielt beim DFB-Tross vor dem Großereignis hingegen eine untergeordnete Rolle. „Fußball verbindet“, sagt Plattenhardt und hofft, dass es in Russland vorwiegend ums Sportliche geht und ruhig bleibt. Die WM bringt für den Frickenhausener Profi, der für seine scharfen und zentimetergenauen Hereingaben bekannt ist, eine ganz neue Qualität.

Bundesligaspiele, Länderspiele oder auch der Confed Cup in allen Ehren, aber eine Weltmeisterschaft ist noch einmal etwas ganz anderes, ein viel größeres Kaliber, weiß der Debütant: „Das kann man nicht miteinander vergleichen, die WM wird von Milliarden verfolgt.“ Die DFB-Truppe wird es dabei nicht einfach haben, ihren Titel zu verteidigen. „Die anderen werden uns jagen“, meint er.

Die anderen, das sind auch für Plattenhardt die üblichen Verdächtigen, also Frankreich, Brasilien, Spanien. Zudem hat er die Belgier auf dem Zettel. Und natürlich das eigene Team. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Titelverteidigung klappen kann. Wir haben eine gute Mannschaft, in der jeder für jeden kämpft. Auf jeden Fall wird es ein interessantes Turnier“, prophezeit er.

Aller Voraussicht nach wird Plattenhardt beim ersten WM-Spiel der Deutschen gegen Mexiko nicht in der Startelf stehen. Das lassen die letzten Tests erahnen. In denen hat Löw auf den Kölner Jonas Hector gesetzt. Für den Schwaben wird das allerdings kein Grund sein, den Kopf in den Sand zu stecken. Auch das „kann sich wieder ruckzuck ändern“, weiß er. Viel eher wird er unbeirrt seinen eigenen Weg gehen. Ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter ist ja schon getan. „Eine tolle Sache, über die ich sehr stolz bin“, nennt Plattenhardt nochmals seine Nominierung und fällt dabei aber keineswegs in Selbstzufriedenheit. Denn ausruhen ist nicht. Bei der WM zu spielen, lautet schließlich sein nächstes Ziel. Damit hätte er sich dann auch einen weiteren Kindheitstraum erfüllt.

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