Lokalsport

Jordan Wild bleibt ein Ritter

Kirchheims Zweitliga-Basketballer binden den US-Forward für ein weiteres Jahr an sich

Kapitän Radi Tomasevic geht, ein anderer bleibt: Mit der Weiterverpflichtung von Jordan Wild haben die Knights die erste Personalentscheidung für die neue Saison getroffen. Der sympathische US-Amerikaner, der zuletzt lange verletzt war, soll eine zweite Chance bekommen.

Geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg: Jordan Wild war trotz langer Verletzungspause ein Vorbild auf und neben dem Spielfel
Geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg: Jordan Wild war trotz langer Verletzungspause ein Vorbild auf und neben dem Spielfeld. Jetzt erhält er eine zweite Chance.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Er und seine Frau fühlen sich wohl in Kirchheim, das hat er stets betont. Obwohl die zurückliegende Saison zur unerwartet harten Geduldsprobe wurde. Eine schmerzhafte Verletzung im Mittelfuß, zugezogen in einem Testspiel Anfang Januar, setzte Jordan Wild in einer Phase, in der ihn die Mannschaft dringend gebraucht hätte, für sieben Spiele außer Gefecht. Wild hatte zu Saisonbeginn schnell ins Team gefunden und schaffte dies nach seiner Verletzung wieder. Im Dezember in Baunach stellte er mit 18 Rebounds einen mannschaftsinternen Saisonrekord auf. Im letzten Heimspiel gegen Heidelberg war er bester Kirchheimer auf dem Parkett.

Lange verletzt aber nie aus der Mannschaft: Der 26-Jährige demonstrierte während seiner Zwangspause eindrucksvoll, dass sich der Wert eines Spielers nicht nur an Statistik bemisst. Als Regulativ in der Mannschaft war er auch ohne Einsatzzeiten ein wesentlicher Faktor in schwierigen Phasen. „Jordan ist mit seiner Einstellung und seinem Charakter ein Vorbild für jeden in der Mannschaft“, findet Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt lobende Worte für den US-Forward.

Charakterfestigkeit ist das eine, seine Vielseitigkeit auf dem Spielfeld dürfte mindestens genauso ausschlaggebend gewesen sein für die rasche Entscheidung. Der 100 Kilo schwere Kämpfertyp kann auf den Positionen drei bis fünf spielen. Er ist dank seiner Körpergröße und Athletik eine Alternative unterm Korb, gleichzeitig auch in der Lage, schnelle „Dreier“ zu verteidigen. Kurzum: ein Typ, wie ihn sich jeder Trainer wünscht.

Das Prädikat Wunschspieler hat Jordan Wild im kleinen Kreis möglicher Kandidaten für die neue Saison nicht exklusiv. Topscorer Ben Beran und Senkrechtstarter Jannik Lodders sind zwei, die man in Kirchheim genauso gerne halten würde. Lodders, wohl die Überraschung schlechthin in der vergangenen Saison, hat Freundin und Studienplatz in Hannover. Das macht die Sache schwierig, aber nicht aussichtslos. „Wir sind im Gespräch. Er hat sich nach Saisonende Bedenkzeit erbeten“, sagt Christoph Schmidt.

Was Ben Beran betrifft, dürfte sich eine Entscheidung länger hinziehen. Kirchheims wertvollster Mann, hat schon vor Beginn der abgelaufenen Saison laut über sein Karriereende nachgedacht. Zwar fühlen auch er und seine Frau sich wohl unter der Teck, wo im vergangenen Jahr das Töchterchen zur Welt kam, doch die Optionen für die Zukunft sind zahlreich. Beide suchen in der US-Heimat die Nähe ihrer Familien. Ben Beran würde in Iowa, wo seine Eltern leben, gerne eine Farm gründen. Sollte er sich für ein weiteres Jahr Basketball entscheiden, wird es wohl endgültig das letzte sein. Das könnte auch Anlass sein, sich zum Karriereende noch einmal einer ganz neuen Herausforderung zu stellen. Ein Punkt der für Kirchheim spricht: Ben Beran, Jordan Wild und Coach Michael Mai verstehen sich auch abseits des Spielfeldes prächtig. Ein sicherer Hafen, um zum letzten Mal zu ankern – auch das ein gutes Argument.

Die großen US-Positionen sind traditionell jene, die am spätesten besetzt werden. Der Markt ist riesig. „Unser Hauptaugenmerk liegt derzeit auf deutschen Spielern“, sagt Christoph Schmidt. Dass Scouting ist abgeschlossen, in der Sporthalle Stadtmitte finden diese Woche die ersten Tryouts statt. Früher als zuletzt, scheint der Etat für die Mannschaft zu stehen. „Uns stehen die gleichen Mittel zur Verfügung wie im vergangenen Jahr“, sagt Schmidt. Ob das eine gute oder schlechte Nachricht ist, wird man im September wissen.

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