Lokalsport

Jubel in der Höhle des Löwen

Turnen Der VfL Kirchheim gewinnt das entscheidende Duell um den Titel in der 3. Liga in Straubenhardt und fährt als Meister zum Aufstiegsfinale Anfang Dezember. Von Heiko Paul

Geschafft: Die Kirchheimer Turner posieren nach dem gewonnenen Wettkampf in der Straubenhardter Halle. Foto: Heiko Paul
Geschafft: Die Kirchheimer Turner posieren nach dem gewonnenen Wettkampf in der Straubenhardter Halle. Foto: Heiko Paul

Die Turner des VfL Kirchheim sind Meister der 3. Liga Süd. In der Bundesliga-Wettkampfstätte des mehrfachen Deutschen Meisters KTV Straubenhardt ist den Kirchheimern ein denkwürdiger Sieg gelungen: Nach drei Geräten gegen Straubenhardts Zweite noch 19 Score-Punkte im Hintertreffen, drehte der VfL auf und gewann mit 37:28 Punkten nicht nur den letzten Saisonwettkampf, sondern auch den Meistertitel.

Die Bundesliga-Reserve des deutschen Serienmeisters war vor dem Wettkampf ebenfalls wie Kirchheim mit sechs souverän gewonnen Wettkämpfen dagestanden. Zudem hat Straubenhardt hat mit Aaron Wagner und Vinzenz Haug die zwei besten Punkte-Sammler der Liga. Doch Marcus Bay, Julian Hausch und Arne Halbisch folgen auf den Plätzen drei bis fünf, bevor als Sechster wieder Jeff Gänger von der KTV Straubenhardt auf der Liste erscheint.

Ohne Halbisch, dafür mit Lee

Pech für den VfL: Arne Halbisch weilte bei einem Länderkampf, war in Straubenhardt nicht dabei. Dafür aber Turn-Legionär Daniel Lee. Auf dem Engländer in VfL-Diensten ruhten große Hoffnungen. „Wenn wir nach drei Geräten nicht allzu weit zurückliegen, gewinnen wir“, hatten die Kirchheimer Turner Schwächen bei den Gegnern ausgemacht.

Doch einen solchen Start in den Wettkampf hatten sie nicht erwartet. Yasin El Azzazy setzte sich nach schwieriger und riskanter Kür am Boden beim Doppelsalto auf den Hosenboden - die ersten drei Punkte gingen nach Straubenhardt. Marcus Bay glich zwar aus, Manuel Hofmann schaffte ein Unentschieden, aber gegen den besten Bodenturner der Liga, Aaron Wagner, musste Nachwuchsturner Markus Neher trotz sauberer Vorstellung Federn lassen. Mit 7:3 lag Straubenhardt schon vorn.

Bitter wurde es für das Kirchheimer Quartett am Pauschenpferd. Daniel Lee erhielt zwar die höchste Wertungsnote an diesem Gerät im Kirchheimer Team, sein Gegner war aber knapp besser. Marcus Bay stieg vom Gerät - gefühlt das erste Mal seit fünf Jahren. Dennoch holte er drei Punkte dank schwieriger und souverän durchgeturnter Rest-Übung. Julian Hausch bekam es mit Vinzenz Haug zu tun, dem besten Pferdturner der Liga, und musste trotz glänzender Kür Punkte abgeben. Manuel Hofmann rutschte ab, was sein Gegner Aaron Wagner mit einer Top-Vorstellung und weiteren vier Punkten bestrafte. Mit 9:3 ging auch dieses Gerät an Straubenhardt.

Schlimmer geht’s nimmer, dachte man sich im Kirchheimer Lager - aber es kam noch schlimmer. 12:0 für Straubenhardt lautete das Ergebnis an den Ringen, trotz bester Leistungen von Daniel Lee, Marcus Bay und Julian Hausch. Henning Weises Übung war allerdings nicht nach Plan verlaufen - zwischenzeitlich stand es 24:6 Punkte für Straubenhardt.

Coolness zahlt sich aus

Die Kirchheimer Turner bleiben trotz des Rückstands erstaunlich cool, wussten um ihre Stärken im zweiten Teil des Wettkampfs. „Die nächsten Geräte gehören uns“, feuerte Routinier Moritz Pohl seine Mitturner an - er sollte recht behalten. Am Sprung starteten die Kirchheimer Cracks eine eindrucksvolle Aufholjagt.

Vier Score-Punkte für Yasin El Azzazy, einer für Straubenhard trotz gelungenem Tsukahara mit ganzer Schraube von Manuel Halbisch. Marcus Bay holte drei Zähler mit dem mutmaßlich besten Sprung seiner Laufbahn, einem Tskahara mit Doppelschraube und nochmals drei scheffelte Manuel Hofmann - schon stand es 25:16.

Den Schwung vom Sprung nahm das VfL-Team an den Barren mit. Nach den Missgeschicken an den ersten drei Geräten klappte jetzt alles nahezu perfekt - und die Gegner wurden nervös. Julian Hausch glänzte am Barren gegen Vinzenz Haug, und die nächsten drei Punkte waren auf dem Kirchheimer Konto. Daniel Lee zeigte, dass er eine wichtige Verstärkung für das Kirchheimer Team ist und holte die nächsten zwei Punkte. Moritz Pohl griff zum ersten Mal an diesem Abend in den Wettkampf ein und ließ einem nervösen Aaron Wagner keine Chance. Nach dem letzten Dreier hatte Kirchheim deutlich aufgeholt. Nur noch ein Punkt fehlte, um die Straubenhardter zu überflügeln. Nach Marcus Bays Kür am Barren war das Ziel erreicht, der VfL lag sogar mit drei Punkten in Führung.

Zum Abschluss am Reck blieben die VfL-Turner am Drücker. Die ersten zwei Punkte holte Moritz Pohl. Drei weitere Julian Hausch. Marcus Bay traf auf Aaron Wagner: drei Punkte für Straubenhardt. Daniel Lee musste als letzter Turner des Wettkampfs den Vorsprung verteidigen - was er souverän löste. Nochmals vier Punkte wanderten auf das Konto der Kirchheimer, die nach einem schwierigen Start das Ruder herumrissen und den Tabellenzweiten in die Schranken verwiesen.

In Oberhausen wartet ein Hexenkessel

Das Aufstiegsfinale zur 2. Liga am 7. Dezember in Oberhausen hatten die VfL-Turner bereits nach dem letzten Heimsieg gegen den USC München verlustpunktfrei erreicht.

Im direkten Duell mit Straubenhardt nun Meister zu werden, war allerdings nicht nur aus Prestigegründen wichtig. Bei einer Niederlage hätte der VfL im Aufstiegsfinale gegen das gastgebende Kunstturnteam Oberhausen, Tabellenführer der 3. Liga Nord, antreten müssen. Dieser hat den Wettkampf um den Aufstieg in die 2. Liga am 7. Dezember auf 18 Uhr gelegt - noch nach den Wettkampf um den Aufstieg in die 1. Liga.

Die Oberhausener erwarten zu dieser Uhrzeit offenbar eine volle Halle und lautstarke Unterstützung des Publikums. Diesem Szenario gehen die VfL-Turner wenigstens teilweise aus dem Weg. Sie sind zwar zur gleichen Zeit an den Geräten, aber gegen den Zweitplatzierten der Nord-Liga, KTV Hohenlohe. hp

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