Lokalsport

Jünglinge auf Entdeckungsreise

Handball Das Eichenkreuz-Team aus Bernhausen begeistert in seinem Premierenjahr in der Bezirksliga Fans und Gegner mit erfrischendem Tempohandball. Von Bernd Köble

Gekommen, um zu bleiben: Das Eichenkreuz-Team aus Bernhausen bejubelt den Auswärtssieg in Owen .Foto: privat

Sie spielen in einer eigenen Liga, und das ist nicht im übertragenen Sinne gemeint. Der aktuelle Tabellenführer der Handball-Bezirksliga kam aus dem Nirgendwo. Kein Absteiger, kein Aufsteiger - die Mannschaft des EK Bernhausen ist ein Quereinsteiger. Übergewechselt aus der verbandseigenen Eichenkreuz-Liga, wo die Mannschaft von den Fildern zuletzt in der Landesliga unterwegs war. Acht CVJM-Mannschaften spielen dort ihren eigenen Meister aus. Allein in Württemberg unterhält die Eichenkreuz-Liga fünf aktive und elf Jugendspielklassen bis hinunter zu den Minis. Die Gruppen sind gut vernetzt. Es gibt deutsche Meisterschaften und sogar eine Europameisterschaft. EK Bernhausen nimmt mit zehn Mannschaften am Spielbetrieb teil und ist im Filderstädter Teilort längst die stärkste Handballmacht.

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Dass sie handballerisch konkurrenzfähig ist, beweist die Männermannschaft des EKB seit September zum ersten Mal auch in der Bezirksliga Esslingen-Teck. Eine Vereinbarung zwischen dem Handballverband Württemberg (HVW) und dem Evangelischen Jugendwerk, die den Eichenkreuzlern seit Juli 2006 eine Gastspieloption einräumt, macht‘s möglich - bei gleichen Rechten und gleichen Pflichten.

Ein Schritt, den die Kräfteverhältnisse in der Eichenkreuz-Liga irgendwann nahelegten. Mit der CVJM-Mannschaft aus Möglingen und dem EK Bernhausen gab es dort zuletzt zwei klar dominierende Teams. Irgendwann wuchs der Wunsch, sich mit Gegnern auf Augenhöhe zu messen. „Wir sind eine junge, talentierte Mannschaft“, sagt Spielertrainer Martin Alber. „Der Zeitpunkt, es zu wagen, war jetzt gekommen.“ Nach einem erfolgreichen Testlauf im Bezirkspokal, wo die Filderstädter auf Anhieb bis ins Halbfinale vorstießen, erteilte der Bezirk seinen Segen. Damit sind Bernhausen und der CVJM Möglingen, derzeit Tabellendritter der Bezirksliga Enz-Murr, die beiden einzigen Männermannschaften aus der Eichenkreuz-Liga, die am Spielbetrieb im HVW teilnehmen.

„Wir haben Spaß am Handball“, sagt Martin Alber. „Dazu gehört auch, dass man einmal verliert.“ Zumindest in diesem Punkt sind er und seine Teamkollegen bisher wenig erfolgreich. Die Mannschaft steht nach sieben Spielen noch immer ungeschlagen an der Tabellenspitze und begeistert mit Handball, den nicht nur Lenningens Trainer Peter Schmauk für den „attraktivsten der ganzen Liga“ hält. Schmauk und die SG sind bisher die Einzigen, denen es gelang, dem Spitzenreiter zumindest einen Punkt abzutrotzen.

Glaubt man Martin Alber, wird sich das ändern. „Wir hatten bisher keinerlei Verletzte und auch einige knappe Siege, bei denen Glück im Spiel war“, räumt der Spielertrainer ein. Sollten sie dennoch auch am Ende noch ganz oben stehen, wolle man auch das Abenteuer Landesliga wagen, sagt er.

Dass die Mannschaft, die erfrischenden Tempohandball auftischt, über Potenzial verfügt, ist unstrittig. Alber, im Beruf Lehrer und nebenbei Assistent von Frisch-Auf-Trainer Rolf Brack an der Uni in Vaihingen, hat schon beim TSV Wolfschlugen in der Württembergliga gespielt. Dort ist sein langjähriger Eichenkreuz-Gefährte Samuel Stoll - einer der talentiertesten Kreisläufer in der Region - inzwischen Kapitän.

Der christliche Glaube verbindet sie alle, auch wenn mit Musai Zeneli, der aus dem Kosovo stammt, ein Muslim zwischen den Pfosten steht, der seit 20 Jahren den Verein als Jugendtrainer unterstützt. Die meisten in der Mannschaft kennen sich seit vielen Jahren, haben schon gemeinsame Jungschar-Zeiten erlebt. Das schweißt zusammen. „Wir sind eine gewachsene Gemeinschaft“, sagt Martin Alber. „Trotzdem wird jeder bei uns mit offenen Armen empfangen.“ Der Wettbewerbsgedanke, der Handballsport steht klar im Vordergrund. Gemeinsame Andachten nach dem Training, der Austausch in Glaubens- und Lebensfragen gehören ebenso dazu. Dahinter steht eine Botschaft, auch wenn die Verwurzelung in der Kirchenarbeit oder Weltanschauungen in der Gemeinschaft eine eher untergeordnete Rolle spielen. „Wir machen hier keinen Konfessions-Check“, meint Martin Alber.

Christliche Sportbewegung

Die Anfänge der Eichenkreuz-Bewegung unter dem Dach der evangelischen Landeskirche reichen zurück bis 1922. Unter dem Namen Eichenkreuz betrieben christliche Pfadfinderschaft, evangelische Jungmännerbünde und CVJM-Gruppen, die aus den Jünglingsvereinen des 19. Jahrhunderts entstanden sind, gemeinsam Sport. Anfangs vor allem in Turnen und Leichtathletik, später konzentrierte sich die Sportarbeit immer mehr auf Mannschaftssportarten wie Volleyball, Handball, Fußball oder Indiaca.

Heute ist Eichenkreuz Württemberg dem Evangelischen Jugendwerk angegliedert. Darin sind inzwischen mehr als 10 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in über 600 Gruppen sportlich aktiv. Seit 1989 ist EK Württemberg als Sportverband mit besonderer Aufgabenstellung Mitglied im Württembergischen Landessportbund (WLSB) und im Deutschen Sportbund.tb