Lokalsport

Jungen und Mädchen ab 13 als neue Zielgruppe

Der 1. TSC Kirchheim will sich breiter aufstellen – Tanzen verringert das Demenzrisiko – Qualifikationsturnier am Wochenende in der Stadthalle

Tanzen ist etwas für Salonlöwen – ein gängiges Vorurteil. Es ist widerlegt: Längst erfreuen sich die Sportart Tanzen und Clubs wie der 1. TSC Kirchheim, der am Wochenende in der Stadthalle das erste Qualifikationsturnier des Jahres ausrichtet, sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport großer Beliebtheit.

Spezialisten für Standardtänze vom TSC: Harald und Elke Gneiting.Pressefoto
Spezialisten für Standardtänze vom TSC: Harald und Elke Gneiting.Pressefoto

Kirchheim. Hoch im Kurs steht bei den Teens immer noch der Tanzkurs im Alter von 14 oder 15 Jahren, für den die kommerzielle Tanzschule meist der erste Ansprechpartner ist. Das Tanzen kann dabei sowohl lediglich der ersten Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht dienen oder aber auch der Einstieg in die Sportart sein. Bei den talentiertesten Protagonisten führt dann der Weg über die Deutschen Tanzabzeichen, die in Bronze, Silber, Gold, Goldstar und Super-Goldstar vergeben werden, zum Turniertanz, der wiederum in Kinder-, Junioren-, Jugend-, Haupt- und Seniorengruppen aufgeteilt ist. Solchermaßen ehrgeizige wie talentierte Tänzer suchen meist nach oder schon während der Tanzabzeichenkurse den Kontakt zu einem Tanzsportverein, bei dem professionelle Trainer die Turnierpaare anleiten.

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Auch der 1. TSC Kirchheim, 2002 aus einer Verschmelzung des TC Blau-Gelb und des TSC Rot-Weiss hervorgegangen, setzt in einem Teilbereich seines Portfolios exakt hier an. Derzeit tanzen neun Turnierpaare, in den Haupt- und Seniorengruppen trainiert von Bernd Junghans, unter der Flagge der Kirchheimer. Hinzu kommt noch eine erfolgreiche, von Sven Bodemer trainierte Latein-Formation, die in der Regionalliga, der dritthöchsten deutschen Klasse, tanzt und heuer durchaus Aufstiegsambitionen hegt.

Die Einzelpaare des Vereins tanzen in der Hauptgruppe Latein (Cha-Cha-Cha, Rumba, Samba, Jive, Paso Doble) und in der Seniorengruppe Standard (Langsamer Walzer, Wiener Walzer, Tango, Slowfox, Quickstep). Grundsätzlich gehen die darin enthaltenen Klassen bei D los, und die Paare können über Punkte und Platzierungen über die C-, B- und A-Klasse bis in die höchste S-Klasse aufsteigen. Die mit römischen Ziffern bezeichneten Zusätze regeln das Mindestalter der Paare. So tanzt beispielsweise eines der bekanntesten Kirchheimer Paare, Karl und Lilo Kunstfeld, in der höchsten Seniorenklasse S-Standard in der Gruppe III, die ein Mindestalter von 50 und 55 Jahren festlegt.

Unabhängig davon, ob es sich um Leistungs- oder Breitensport handelt, ist auch dies ein Indiz für die mittlerweile in medizinischen Langzeitstudien der amerikanischen Elite-Universität Stanford bewiesene Theorie, dass Tanzen aufgrund der Gedächtnis- und Koordinationsleistung des Gehirns das Risiko, an Demenz oder Alzheimer zu erkranken, um bis zu 76 Prozent senken kann – ein Spitzenwert gegenüber anderen gehirnaktiven Aktivitäten. Die durch das Tanzen vermittelte körperliche Fitness kommt dazu quasi noch „on top“.

Auf diesem Weg sieht sich auch Mareike Häußler, seit April Vorsitzendes des TSC: „Wir wollen die Leute für das Tanzen begeistern, Leben in den Verein bringen und die Lücke zwischen den angebotenen Kinder- und Jugendkursen und dem leistungsorientierten Paartanz schließen.“ Soll heißen: Nach den „Tanzmäusen“ (3 – 4 Jahre), den „Tanzkids“ (5 – 6 Jahre) und den Tanzmix-Schülern (7 – 10 Jahre) soll das Angebot für Teenager erweitert und damit auch der eigene Nachwuchs gesichert werden. Ob dann der Weg zum klassischen breitensportlichen Tanzkreis, in den leistungssportlichen Einzelpaartanz auf Turnierebene führt oder in eine Formation, bleibt zunächst offen. Ganz nebenbei trägt auch ein kleiner, nur rund 200 Mitglieder starker Verein wie der TSC dazu bei, das Ziel des Weltverbandes (World Dance Sport Federation) zu erreichen, Tanzen zu einer olympischen Disziplin zu machen.

Dem breiten Publikum präsentiert sich der Verein mit der Ausrichtung von Turnieren. Bevor am 13. und 14. Februar ein Formationsturnier für Regional- und Oberligateams in der Walter-Jacob-Halle ansteht, haben tanzinteressierte Zuschauer schon am kommenden Samstag und Sonntag Gelegenheit, hochklassigen Tanzsport in Kirchheim zu erleben. In der Stadthalle richtet der TSC jeweils von 9 bis 21 Uhr das erste Qualifikationsturnier des neuen Jahres im Rahmen der TBW-Trophy aus. Diese vom Tanzsportverband Baden-Württemberg (TBW) ausgelobte Serie für Einzelpaare der Hauptgruppen I und II Standard und Latein findet an drei Wochenenden im Jahr 2016 statt.

Turnierleiter Harald Gneiting, langjähriger TSC-Vorsitzender, Wertungsrichter und nunmehr im Vorstand als Beisitzer für den Turniersport vertreten, rechnet mit 200 teilnehmenden Paaren, die auf zwei parallelen Tanzflächen von je etwa 10 auf 15 Meter ihr Bestes geben werden. Am Start werden dann auch die Lokalmatadoren Benjamin Ehrlich/Ramona Ensle (B-Latein) sein, die sich wie auch alle anderen Paare über Anfeuerungen freuen.