Lokalsport

Kein Einknicken vor den Terroristen

Umfrage zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich: Sollte das Spektakel termingerecht stattfinden?

Freitag, der 13. November 2015: ein Schreckens-Datum für die Geschichtsbücher. Nach dem grausamen Anschlag religiöser Fanatiker in Paris mit über 130 Todesopfern am Rande des Länderspiels Frankreich – Deutschland stellt sich mancher Bundesbürger die Frage, ob die Fußball-Europameisterschaft 2016 im Nachbarland tatsächlich stattfinden kann.

Am Tag danach: Die Franzosen trauern um die vielen Opfer.Foto: Alain Jocard
Am Tag danach: Die Franzosen trauern um die vielen Opfer.Foto: Alain Jocard

Kirchheim. Keine EM 2016, weil sie aus Sicherheitsgründen noch abgesagt wird? In einer Umfrage wollten wir wissen, was Sportler und Funktionäre aus der Region von der Vision halten, das kommende Jahr könne aufgrund von Sicherheitsbedenken ohne das Großereignis vom 10. Juni bis 10. Juli ausklingen. Einstimmiger Tenor: Die Veranstaltung sollte auf alle Fälle stattfinden – trotz oder eben wegen des Terrorakts am vergangenen Freitag.

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Rudi Kröner, Ex-Trainer des FC Kaiserslautern aus Wernau: „Auf keinen Fall darf die EM 2016 abgesagt werden, denn dies wäre so etwas wie der Idealfall für diese Terroristen. Zweifellos muss man die Sicherheit bei den Spielen erhöhen. Vielleicht sollte die französische Polizei bei den deutschen Kollegen im nächsten Jahr einmal nachfragen. Sicherheitstechnisch hat bei der WM 2006 ja alles geklappt.“

Tobias Unger, früherer Weltklassesprinter und aktueller VfB-Juniorentrainer aus Kirchheim: „Die Gesellschaft darf vor solchen Terroristen nicht einknicken. Eine Absage der EM wäre keine Alternative. Trotzdem wird bei den EM-Besuchern im kommenden Jahr ein mulmiges Gefühl bleiben. Das sind kranke Leute, die so etwas tun.“

Jürgen Veith, Manager des Tischtennis-Zweitligisten TTC Frickenhausen: „Bei der WM 2014 in Brasilien war ich einige Wochen live vor Ort – und habe gesehen, wie gut dort die Sicherheit gewährleistet war. Klar, wenn du in einem Café sitzt, irgend so ein Verrückter daherkommt und auf dich schießt, hast du keine Chance. Trotzdem sollte die EM programmgemäß stattfinden. Die Franzosen sollten sich neue Sicherheitskonzepte ausdenken.“

Stefan Schwarz, hauptamtlicher Scout beim Bundesligisten FC Augsburg und früherer VfL-Fußballer mit Wohnort Aichelberg: „Ich bin ganz klar gegen eine EM-Absage. Die Gesellschaft und der Fußball dürfen sich nicht einfach ergeben nach diesem Terror. Bei Großveranstaltungen wie der EM bedarf es allerdings optimaler Sicherheitsvorkehrungen.“

Lado Fumic, Ex-Mountainbiker, Olympiateilnehmer 2004 in Athen und Inhaber einer Kirchheimer Designagentur: „Ich bin totaler Atheist, deshalb habe ich für religiöse Fanatiker kein Verständnis. Auf keinen Fall sollte die EM abgesagt werden. Am besten wäre es, die Presse würde über diese Vollidioten nicht mehr schreiben. Das wertet sie nur auf.““

Rainer Veith, Staffelleiter der Fußball-Bezirksliga: „Im Zweifelsfall wäre ich gegen eine Absage der Europameisterschaft. Die Gesellschaft darf sich von Terroristen nichts vorschreiben lassen. Täte man das, könnten die Leute nicht mehr den Pariser Eiffelturm oder das Cannstatter Volksfest besuchen. Nein, wir dürfen uns das nicht verbieten lassen. Auch nicht die EM.“

Reiner Braun, Vorsitzender des TSV Weilheim und Basketball-Landestrainer: „Der Sport darf sich von den Terroristen nicht erpressen lassen – die Fußball-EM 2016 in Frankreich muss stattfinden. Und die Jugendbegegnungen zwischen beiden Ländern sollten jetzt verstärkt ausgedehnt werden, um ein Zeichen zu setzen. Das einzig Gute an dem Terrorakt war, dass sich Obama und Putin nach langer Zeit wieder an einen Tisch setzen und darüber reden, wie sie gemeinsam den Terrorismus bekämpfen können.“