Lokalsport

„Keine Perspektive gesehen“

Die Schlierbacher Volleyballerin Jelena Wlk beendet früh ihre Karriere

Karriereende mit 22: Die Schlierbacherin Jelena Wlk hat die ­Volleyballschuhe an den Nagel gehängt. Im Interview erklärt die Bundesligaspielern von ­Allianz MTV Stuttgart, warum.

Blumen und ein Poster zum Abschied: Jelena Wlk hat dem Profi-Volleyball adieu gesagt. Foto: Tom Bloch
Blumen und ein Poster zum Abschied: Jelena Wlk hat dem Profi-Volleyball adieu gesagt. Foto: Tom Bloch

Anstatt am Mittwoch mit ihrem Verein Allianz MTV Stuttgart zum dritten DM-Halbfinalspiel nach Schwerin zu reisen, ließ sich Jelena Wlk den Draht aus dem gebrochenen kleinen Finger der linken Hand entfernen.

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Was tut mehr weh, der Finger oder der Entschluss aufzuhören?

Jelena Wlk: Gute Frage. Die Entscheidung, auf Bundesliga-Niveau nicht mehr weiterzuspielen, war eher eine Erleichterung für mich. Vielleicht bereue ich das in einem halben Jahr ja. Aber zum jetzigen Zeitpunkt war es die richtige Wahl.

Sie hatten eine langwierige Rückenverletzung. Dann eine Knie-Operation. Bevor der Finger brach, hat das Handgelenk Probleme verursacht. Waren diese Verletzungen die Ursache für ihren Rücktritt?

Wlk: Knie und Rücken hatte ich zuletzt wieder gut im Griff. Nein, das Spielen hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Am Ende war es für mich nur noch harte Arbeit. Ich war vom Kopf her nicht mehr bereit dazu.

Ihr Verhältnis zu Trainer Guillermo Naranjo Hernandez soll nicht mehr das beste gewesen sein. Sie kamen nur noch ganz sporadisch zum Einsatz. Hat das den Ausschlag gegeben?

Wlk: Ich hatte das Gefühl, dass mir die Jokerrolle nicht mehr reicht. Mit ihm als Trainer habe ich keine Perspektive mehr gesehen.

Warum haben Sie nicht einfach den Verein gewechselt? Sie waren WM  Zweite mit der U21, EM-Zweite mit der U20 im Beachvolleyball, haben 2015 das Pokalfinale für den MTV entschieden. Jede andere Mannschaft hätte Sie mit Kusshand genommen.

Wlk: Ich wollte nicht aus Stuttgart weg. Hier habe ich meine Familie, meine Freunde. Ich mag die Stadt. Es gibt keinen Grund, woanders hinzugehen.

Das heißt, Sie sehen in Stuttgart auch Ihre berufliche Zukunft?

Wlk: Ich habe mein Studium des International Business in Pforzheim beendet und werde von September an ein duales BWL-Studium bei MTV-Sponsor Allianz beginnen. Dazu gehört, dass ich dort auch drei Monate im Jahr arbeiten werde. Was genau, weiß ich noch nicht. Ich will nicht erst mit 30 anfangen zu arbeiten und ein normales Leben zu führen.

Ist Volleyball dann ganz passé?

Wlk: Nein, ich will aus Spaß schon noch weiterspielen. Im Sommer auf Sand und im Winter vielleicht in der zweiten Mannschaft des MTV.

Wie lange müssen Sie mit Ihrem lädierten Finger noch darauf verzichten?

Wlk: Es wird noch einige Wochen dauern, bis ich wieder spielen kann. Aber ich bin guter Dinge. Der Finger steht jetzt wenigstens wieder gerade.

Wie überbrücken Sie die lange Pause? Von hundert auf null könnte der Gesundheit schaden.

Wlk: Ich mache jeden Tag Krafttraining – für die Bikini-Figur. Im Sommer steht eine große Reise an. Mit meiner Schwester besuche ich unseren Bruder, der in Bangkok studiert. Vier Wochen Thailand, da freue ich mich schon drauf.