Lokalsport

Keine Zeit für die Helferrolle

Jannik Steimle überrascht in seinem Premierenjahr auf der Straße Teamkollegen und Gegner

Der Wechsel von der Bahn auf die Straße hat sich gelohnt. In seiner ersten Saison für die Racing Students aus Freiburg rast Jannik Steimle von Sieg zu Sieg. Dem 19-Jährigen aus Weilheim reichten gut zwei Monate, um als Amateur von der C- in die A-Klasse aufzusteigen.

Der Antritt auf den letzten Metern ist seine größte Stärke. Kein Wunder, dass sich Jannik Steimle Sprint-Ass Marcel Kittel zum V
Der Antritt auf den letzten Metern ist seine größte Stärke. Kein Wunder, dass sich Jannik Steimle Sprint-Ass Marcel Kittel zum Vorbild genommen hat.Foto: Elisa Haumesser

Weilheim. Gefühlsgipfel und Jammertal lagen bei ihm 2014 nah beieinander. Im Vorprogramm der Berliner Sixdays Ende Januar hatte Jannik Steimle seinen ersten Auftritt vor ganz großem Publikum. Ein halbes Jahr später folgte die ganz große Enttäuschung: Trotz erfüllter WM-Norm nahm ihn der BDR nicht mit zur Bahn-Weltmeisterschaft der Junioren im südkoreanischen Seoul. Der starke Jahrgang in der U 19 bereitete dem Bundestrainer die Qual der Wahl. Kurz vor dem Wechsel ins U 23-Lager hat sich der Zeitfahrspezialist aus Weilheim für den Wechsel auf die Straße entschieden.

Seit diesem Jahr steht Jannik Steimle für die Racing Students aus Freiburg am Start, dem derzeit erfolgreichsten Amateurteam im deutschen Straßenradsport. Auf der Team-Seite im Internet taucht sein Name noch gar nicht auf. Das dürfte sich rasch ändern. Platz acht in der C-Klasse beim Saison-Eröffnungsrennen im elsässischen Wittenheim, danach Platz drei beim regionalen Frühjahrsklassiker in Zusmarshausen. Es war der Grundstein für den Aufstieg in die B-Klasse, der ihm an seinem 19. Geburtstag im April mit einem Sieg in Singen gelang.

Danach ging es Schlag auf Schlag: Am 1. Mai wies der Jungspund beim Kriterium in Liechtenstein internationale Konkurrenten in die Schranken. Der nur 68 Kilometer lange Kurs war dem 19-jährigen Kraftpaket wie auf den Leib gepinselt. Sein erster Sieg in der Eliteklasse und gleich ein historischer: Der erste Triumph der Freiburger Equipe in dieser Kategorie, der mit Platz zwei durch den 28-jährigen Matthias Veit sogar zum Doppelerfolg wurde. Jannik Steimle hat sich damit in die Beletage des Amateur-Radsports katapultiert. Vor zwei Wochen bestritt er als A-Lizenz-Fahrer sein Bundesligadebüt im Erzgebirge. Platz eins in der Teamwertung für die Freiburger Equipe gleich im Premierenjahr. Diesmal war es Teamkollege Marcel Fischer, der den Tagessieg einfuhr. Steimle legte schon wenige Tage später nach: Am Himmelfahrtstag war beim Kriterium in Holzhausen keiner schneller, am Sonntag in Konstanz stand er erneut ganz oben auf dem Treppchen.

Was geht da noch? Vermutlich mehr, glaubt Teamchef Christoph Kindle. „Jannik hat großes Poten­zial, um nach ganz oben zu kommen“, meint er. „In gut zwei Monaten in die A-Klasse aufzusteigen, das gelingt nicht vielen.“ Eigentlich war er in dieser Saison für die Helferrolle vorgesehen. Jetzt untermauert er Woche für Woche den eigenen Führungsanspruch. „Ich bin bei jedem Rennen der Jüngste im Feld“, sagt der 19-Jährige. „Da muss man sich den Respekt erst mal erarbeiten.“ Fest steht: Siege sind dafür das beste Mittel.

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