Lokalsport

Kirchheimer Rekordmann aus München

Er gehört praktisch zum lebenden Inventar: Jupp Dahlem ist als Chefmeteorologe bei Segelflugwettbewerben auf der Hahnweide seit 24 Jahren im Einsatz.

Immer auf Wetterdatensuche: Dr. Jupp Dahlem.Foto: Markus Brändli
Immer auf Wetterdatensuche: Dr. Jupp Dahlem.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Er ist Rekordmann aus der Stadt des (Fußball-)Rekordmeisters: Der studierte Physiker Dr. Karl-Josef „Jupp“ Dahlem (64) fungiert beim internationalen Kirchheimer Segelflug-Wettbewerb bereits seit 1993 als verantwortlicher Meteorologe. Bekennender FC-Bayern-Fan ist er nicht, dafür bekennender Fan des von der Fliegergruppe Wolf Hirth organisierten Hahnweide-Meetings, dessen Organisation und Pilotenstärke er für kaum schlagbar hält. „Hier startet die Crème de la Crème“, sagt er. Inzwischen ist er zum 24. Mal der „Wettermacher“ am Bürgersee, und nur einmal fehlte er überhaupt: 2004, als der Wettbewerb wegen wichtiger Drainagearbeiten abgesagt werden musste. Trotz dieser Absenz ist Dahlem der dienstälteste Wettbewerbs-Funktionär im aktuellen Helferstab. Und das als Wolf-Hirth-Nichtmitglied.

Im zivilen Leben ist Dahlem Chefberater für Luftverteidigungssysteme beim europäischen Rüstungskonzern MBDA und medial viel gefragter Experte bei Flugzeugabschüssen – im sportlichen Leben ist er Segler, Segelflieger und, einmal pro Jahr, Wetter-Berater der Hahnweid-Piloten. Dafür bekommt er ein Honorar plus freie Kost und Logis im bereitgestellten Wohnwagen auf dem Campingplatz neben der Gaststätte. „Meine Aufgabe ist es, die morgens angelieferten Wetterdaten nach segelfliegerischen Kriterien zu bewerten und sie im Pilotenbriefing dann den Fliegern zu präsentieren“, beschreibt er sein Aufgabengebiet in Kurzversion. Seiner alltäglichen Powerpoint-Präsentation in der Fliegerhalle gehen eine Wetterlagebesprechung mit dem Wettbewerbssportleiter sowie die Absprache über die Schwere der jeweiligen Tagesaufgabe mit den fünf Pilotensprechern voraus. „Bei den Tasks haben die Piloten ein Mitspracherecht, das letzte Wort hat aber immer die sportliche Leitung“, weiß Dahlem um eine strikte interne Hierarchie. Sein Job beginnt jeden Morgen um sechs. Dann heißt es aufstehen, waschen, frühstücken und online nach den neusten Wettermeldungen forschen. Fast immer ist Jupp Dahlem der Erste auf dem Gelände.

1992 war er Meteorologe bei den deutschen Frauen-Meisterschaften – seine Hahnweid-Premiere. Sieger Maier, früherer Hahnweid-Wettbewerbsleiter und heutiger Wettbewerbsstatistiker, hatte ihm danach einen Einsatz für das Wolf-Hirth-Event ein Jahr später schmackhaft gemacht. Dahlem sagte zu. Aus dem kurzen Jawort wurde ein Engagement, das jetzt fast ein Vierteljahrhundert anhält. Ob der Wetterfuchs beim Wettbewerb 2017 seinen 25. Auftritt haben wird, lässt der verheiratete Familienvater zwar noch offen, Insider aber wetten darauf. Dahlem macht die Ermittlung der besten Segelflug-Routen sichtlich Spaß.

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