Lokalsport

Klubs müssen sich bewegen

Basketball: Die zweite Liga beschließt neue Standards ab der Saison 2017/18

Die 2. Basketball-Bundesliga lässt Worten Taten folgen: In Chemnitz beschlossen Vertreter von 40 Vereinen aus Pro A und Pro B neue Lizenz-Standards.

Wenn Ende September die neue Zweitligasaison beginnt, haben die Vereine in der Pro A und Pro B ein Jahr Zeit, sich auf verschärf
Wenn Ende September die neue Zweitligasaison beginnt, haben die Vereine in der Pro A und Pro B ein Jahr Zeit, sich auf verschärfte Liga-Standards vorzubereiten.Foto: Carsten Riedl

Chemnitz. Es waren intensive Gespräche vorausgegangen, als die Vorschläge von Geschäftsführung und Vorstand der 2. Basketball-Bundesliga zur Abstimmung auf den Tisch kamen. Pro A und Pro B wollen neue Maßstäbe setzen und die Zweitligisten in den kommenden Jahren professioneller aufstellen.

All dies soll in Stufen geschehen, um vor allem kleinere Klubs nicht zu überfordern. „Wir müssen den Vereinen Zeit geben, um sich auf diese Entwicklung vorzubereiten“, sagt Liga-Geschäftsführer Daniel Müller. Ein Kernpunkt wird der Ausbau hauptamtlicher Strukturen sein. Ab der Saison 2017/2018 werden in der Pro A zwei hauptamtliche Mitarbeiter im nichtsportlichen Bereich und eine hauptamtliche Kraft im Jugendbereich zur Pflicht. In der darauffolgenden Saison soll eine weitere Vollzeitstelle im Sportbereich hinzukommen, sodass die Vereine dann vier hauptamtliche Mitarbeiter zu stellen haben. An dieser Auflage soll bei der Lizenzvergabe kein Weg vorbeiführen. „Ein absolutes K.-o.-Kriterium“, wie Daniel Müller betont.

Auch bei der Hallentechnik wird draufgesattelt. Ab der Saison 2018/19 müssen die Hallen wie in der BBL mit Standkorbanlagen und 24-Sekunden-Würfeln ausgestattet sein. Auch der TV-Livestream vom Spiel und der anschließenden Pressekonferenz wird dann für alle Pro-A-Vertreter zur Pflicht. Ein Jahr später soll die Hallenwerbung aufgepeppt werden. Statt der mechanischen Rollbande, wie sie in Kirchheim zurzeit im Einsatz ist, wird dann moderne LED-Technik zum Standard.

Einen anderen Schwerpunkt sieht die Liga in der Nachwuchsförderung. Neben einer steigenden Zahl an Jugendmannschaften und hauptamtlichen Trainern müssen die Vereine ab der Saison 2018/19 eine Mannschaft in der Jugend-Bundesliga (JBBL) vorweisen können. Dies kann auch in Kooperation mit einem anderen Verein geschehen. „Entscheidend ist die Verzahnung“, sagt Daniel Müller. Es genügt nicht, als Farmteam im Windschatten eines Erstligisten zu segeln. Die Vereine müssen finanziell und inhaltlich am Projekt JBBL beteiligt sein. Auch auf die Leistungsfähigkeit der Spieler soll künftig stärker der Fokus gerichtet werden. Durch regelmäßige Medizin-Checks, Physiotherapie und Leistungsdiagnostik.

„Wir sind uns bewusst darüber, dass wir den Anschluss an die BBL sicherstellen müssen, um dauerhaft einen Übergang zwischen den einzelnen Spielklassen zu gewährleisten,“ sagt Müller. Die kommenden Standards wurden in dieser Form zum ersten Mal konkretisiert. In Chemnitz ging es um einen Grundsatzbeschluss. Bei der nächsten Liga-Sitzung im September sollen einzelne Punkte verfeinert und erneut diskutiert werden. Auch die Pro B soll sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln. Für sie gelten leicht abgemilderte Standards.

Der jetzt gefasste Beschluss trage durch die stufenweise Entwicklung den unterschiedlichen Voraussetzungen vor Ort und der Heterogenität der Liga Rechnung, heißt es. Der Beschluss fiel mit deutlicher Mehrheit der 40 Zweitliga-Vertreter. Daniel Müller fand denn auch viel Lob für die Bundesligisten. Eine Vielzahl von Klubs hätten in den vergangenen Jahren bereits große Anstrengungen unternommen, sich in diese Richtung zu entwickeln.

Den neuen Herausforderungen muss sich auch der Liga-Vorstand stellen. Nach zwei Jahren kam es in Chemnitz turnusmäßig zu Neuwahlen. Dabei wurde Hansjörg Tamoj als Vorstandsvorsitzender und Johannes Kopkow und Carsten Bierwirth als Stellvertreter in ihren Ämtern bestätigt. Thorsten Wünschmann von den White Wings aus Hanau wird sich den Themen Finanzen, Recht und Personal annehmen. Marius Kröger von den Artland Dragons wird als Vorstandsmitglied künftig fürs Marketing zuständig sein. Ansprechpartner bei allen Themen, die den Nachwuchsbereich betreffen, ist Matthias Grothe, Coach der Iserlohn Kangaroos.bk/pm

„An Realitäten völlig vorbei“

Herr Oesterle, der Beschluss der Liga wurde mit großer Mehrheit gefasst. Auch mit Ihrer Stimme?

OESTERLE: Nein. Ich habe dagegen gestimmt wie einige andere Vertreter kleiner Vereine auch.

Verraten Sie weshalb?

OESTERLE: Wir hätten uns mehr Diskussion darüber gewünscht. Unser Standpunkt in Kirchheim ist klar: Die Verschärfung der Standards zum jetzigen Zeitpunkt und in dieser Schärfe ist für viele Vereine ungesund.

Konkreter?

Oesterle: Die Verpflichtung zur Anschaffung von Standkorbanlagen zum Beispiel halte ich in kleineren Hallen für völlig unsinnig. Die brauchen viel Platz und bringen keinerlei Vorteil. Es gibt Zweitligisten, die in ihren Hallen solche Anlagen gar nicht aufstellen dürfen. So etwas geht an den Realitäten in den Vereinen völlig vorbei.

Was erwarten Sie von der Sitzung im September?

Oesterle: Bisher ging es ja nur darum, in welche Richtung es gehen soll. Im September wird man die einzelnen Punkte konkretisieren müssen. Wenn ich aus der konstruktiven Atmosphäre in Chemnitz einen Schluss ziehen müsste, dann den, dass ich nicht erwarte, dass man uns Kleinen im Herbst die Pistole auf die Brust setzt.

Sie sind einer von neun Gesellschaftern der Knights. Bereitet Ihnen die Entwicklung mit Blick auf den Standort Kirchheim Sorge?

Oesterle: Ich habe gelernt, an den Erfolg zu glauben. Auch als wir gezwungen waren, in der Halle Parkettboden zu verlegen, war man sehr pessimistisch, ob das finanziell zu stemmen sei. Heute gibt es uns immer noch. Wenn ich nicht daran glauben würde, dass wir das alles schaffen können, dann würde das Ganze ja überhaupt keinen Sinn machen.

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