Lokalsport
Knights angeln sich den ersten Neuzugang

Basketball Mit dem 24-jährigen Deutschen Paul Giese kommt der Publikumsliebling von Phoenix Hagen. Weitere Entscheidungen zeichnen sich ab. Von Bernd Köble

Ein gemeinsames Abendessen und ein kurzer Spaziergang durch die Stadt haben gereicht. Nach einem Handschlag und der Unterschrift unter einen Jahresvertrag hatte Knights-Coach Igor Perovic seinen Wunschspieler. So kurz wie das finale Prozedere, so lang war jedoch die Vorgeschichte. Nach Paul Giese hatten Kirchheims Basketballer ihre Angel bereits ausgeworfen, als die Saison in der Pro A noch lange am Laufen war. Dass Hagens 24-jähriger Publikumsliebling dem Lockruf nun gefolgt ist, spricht nicht nur fürs Gesamtpaket, das die Kirchheimer ins Schaufenster stellten, sondern auch
 

Wir wollten ihn und keinen anderen.
Igor Perovic
Kirchheims Headcoach hat seinen Wunschkandidaten.
 

für ein perfektes Timing. Hagen hat nach dem Abschied von Chris Harris noch immer keinen Trainer für die neue Saison, Kirchheim schon. Dass der Igor Perovic heißt, ist ein Faktor. Giese hält große Stücke auf den neuen Coach, hat sich mit seinem Kumpel Kevin Wohlrath ausgetauscht und ist zudem überzeugt, dass es nach drei Jahren bei den Feuervögeln nun an der Zeit ist, den Kompass neu auszurichten. „Ich wollte raus aus der Komfortzone“, sagt er. Und: „Ich will den nächsten Schritt machen in Richtung BBL.“

Damit dürfte er mit Perovic auf einer Linie liegen. Der 48-jährige Serbe mag, wie man weiß, nicht nur Spieler mit Athletik und Biss, sondern auch jene, die wissen, was sie wollen. Deshalb war der nur 1,84 Meter große Shooting Guard, der auf den Positionen zwei und drei zu Hause ist, nicht irgendeine Option, sondern erste Wahl. Perovic drückt es noch deutlicher aus: „Wir wollten ihn und keinen anderen.“ 

Mit 24 Jahren gilt Giese zwar nicht mehr als Rohjuwel, für einen Spieler seines Alters zeigt der Berliner jedoch eine beachtliche Konstanz, die er in zuletzt 30 Saisonspielen in Hagen herausstrich. Mit 8,5 Punkten, 2,2 Assists und zwei Rebounds bei durchschnittlich knapp 25 Minuten Einsatzzeit zählte er bei den Westfalen zum Kreis der absoluten Leistungsträger. Mit einer Dreierquote von über 41 Prozent und seiner kompromisslosen Art zu verteidigen („Ich mag es, wenn meine Gegenspieler schlechte Laune bekommen“), passt er genau in Perovics Anforderungsprofil. Der sieht seine Arbeit nun darin, die letzten Prozent aus seinem Schützling herauszukitzeln. Brachliegende Felder gibt es durchaus: „An seinem Zug zum Korb lässt sich sicher arbeiten“, sagt Perovic. Giese sagt von sich selbst: „Luft nach oben gibt es an beiden Enden.“ 

Was die Verpflichtung für bekannte Namen bedeutet? „Im Moment gar nichts“, sagt Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt, der zurzeit zahllose Gespräche führt. Dass es diesmal einen größeren Umbruch im Kader geben wird, hat Schmidt direkt nach Saisonende angekündigt. Nach dem erwarteten Abschied von Kapitän Till Pape, der künftig für die BG Göttingen in der BBL auflaufen wird, konzentriert sich die Suche im Moment auf deutschen Ersatz für die großen Positionen. Yasin Kolo, der erst zu Jahresbeginn aus Itzehoe kam und eine starke Rückrunde hinlegte, wäre auch in der neuen Saison ein Wunschkandidat gewesen. Doch der 30-jährige deutsche Center soll ein lukratives Angebot aus Japan vorliegen haben und ist zumindest zur Stunde keine Option mehr. 

Ganz ohne Kontinuität soll es allerdings auch im Frühsommer 2022 nicht gehen. In aussichtsreichen Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung stehen die Knights offenbar mit Besnik Bekteshi, obwohl der dem jetzigen Neuzugang als Spielertyp am ehesten ähnelt. Allerdings wäre Bekteshi als Combo Guard an der Seite von Giese, der auch als Flügeloption infrage kommt, ein durchaus spannender Mix. Schmidt spricht mit Blick auf Bekteshi von weit fortgeschrittenen Gesprächen und wagt schon mal eine Prognose: „Vielleicht können wir schon in den nächsten Tagen Neuigkeiten verkünden.“ 

Viel Neues erwartet im Sommer auf jeden Fall Paul Giese. Mitte August ist sein Umzug nach Kirchheim geplant. Viel von der Stadt gesehen hat er bisher noch nicht. Training und Fernstudium sind für ihn tagesfüllende Aufgaben. „Ich bin keiner, der viel ausgeht“, gesteht der Student der Soziologie und Politikwissenschaften. „Mal sehen, ob sich das in Kirchheim ändert.“