Lokalsport

Kochs Pech deckt größte Schwäche auf

Basketball Die Verletzung des Abwehrchefs lässt erahnen, weshalb der ­erfolgreichste Saisonstart der Knights an Wert noch ­deutlich zulegen könnte. Von Bernd Köble

Schrecksekunde am Ende des dritten Viertels: Tim Koch bleibt nach einer unglücklichen Defensiv-Aktion liegen. Auf ihn werden die
Schrecksekunde am Ende des dritten Viertels: Tim Koch bleibt nach einer unglücklichen Defensiv-Aktion liegen. Auf ihn werden die Knights vorerst verzichten müssen.Fotos: Tanja Spindler

Als alles vorbei war, hatten auch die Hamburger Fans noch ihren Glücksmoment: Selfies mit dem, den sie so gerne behalten hätten. Jonathon Williams marschierte nach dem Schluss-Prozedere schnurstracks in Richtung Gästeblock und ließ sich vom Häuflein Unentwegter, das die lange Reise in den Süden auf sich genommen hatte, feiern. Wie groß der Verlust tatsächlich ist, hatten die Hanseaten in den vierzig vorausgegangenen Spielminuten schmerzhaft vorgeführt bekommen. Dabei hatte Williams, mit 20 Punkten fast schon gewohnheitsmäßig Topscorer im Knights-Trikot, einen eher durchschnittlichen Tag erwischt.

Einen außergewöhnlich harten Arbeitstag. Coach Michael Mai gönnte seinem Leitwolf so gut wie keine Atempausen. 37 Minuten stand Williams auf dem Platz, in einem Spiel, das vielleicht das intensivste und temporeichste bislang war. Der Amerikaner, der sich Woche für Woche als Konditionswunder entpuppt, war in den Schlussminuten mit den Kräften völlig am Ende. Eine regelrechte Abwehrschlacht, mit wildem Beginn und phasenweise heillos zerfahren, kostete die letzte Energie.

Die Knights wussten, was sie erwarten würde. „Die Pressverteidigung, mit der die Hamburger starteten, hat uns nicht überrascht“, sagt Michael Mai, der sich mit der Mannschaft zuvor das Video vom Hamburger Sieg gegen Gotha angeschaut hatte. Trotzdem war ihm klar: „Wenn das hohe Anfangstempo anhielt, würde am Ende alleine die Physis entscheiden.“

Das Tempo blieb hoch und die Kirchheimer hatten in der zweiten Hälfte noch Reserven. Trotz klarer Unterlegenheit im Rebound-Duell und eines Justin Raffington, der im Luftkampf kaum zu bezwingen schien. Doch die Knights hatten sich gut aufs Inside-Spiel des Gegners eingestellt. Enosch Wolf kam kaum zum Zug, und Tim Koch verrichtete in der Hamburger Schaltzentrale gegen Anthony Canty einen bravourösen Abwehr-Job. Die bessere Freiwurfquote in Schlüsselphasen des Spiels, 24 Ballverluste des Gegners und ein überragender Carrington Love besorgten den Rest.

Die makellose Heimbilanz, der neunte Sieg – beides hatte am Ende trotzdem eine fade Note. Die Verletzung von Tim Koch, der in der Defensive nur schwer zu ersetzen sein wird, überschattete nach Spielschluss alles. Im Zweikampf mit Canty war er im Zurücklaufen dem eigenen Mitspieler unglücklich in die Hacken getreten und umgeknickt. 24 Sekunden vor Ende des dritten Viertels war das Spiel für ihn beendet. Die gute Nachricht nach dem Röntgen gestern: Die im Sommer operierte Ferse hat nichts abbekommen. Heute sollen weitere Untersuchungen eine genauere Diagnose ermöglichen.

Kochs Verletzung legt die größte Schwachstelle bei den Kirchheimern blank: Der Kader ist fein, aber eben auch klein. Vielleicht zu klein für eine lange und kraftraubende Saison. Jetzt müssen andere die Lücke schließen. Vor allem von Brian Wenzel, der in der Schlussphase am Samstag einige gute Szenen hatte, erwartet der Coach mehr. Das gilt auch für Seth Hinrichs, der nach einer Reihe starker Auftritte gegen Hamburg einen seiner schwächsten Tage erwischte. Das Programm bis Weihnachten hat es in sich: Mit Heidelberg, Trier, Hanau, dem MBC und Crailsheim warten einige der stärksten Gegner, die die Pro A zu bieten hat. „Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können“, sagt Michael Mai. „Was wir können, ist das Beste geben, das wir haben.“

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