Lokalsport

„Kölle alaaf“ in Neidlingen

Kreisligafußball Die Aufstiegsträume unter dem Reußenstein werden immer realistischer – Die Dettinger Sportfreunde patzen auch zuhause gegen Grafenberg. Von Klaus Schlütter

Doppelte Freude: Der TV Neidlingen hat nach der Dettinger Niederlage nun sechs Punkte Vorsprung an der Spitze.Foto: Tanja Spindl
Doppelte Freude: Der TV Neidlingen hat nach der Dettinger Niederlage nun sechs Punkte Vorsprung an der Spitze.Foto: Tanja Spindler

Neidlingen hat einiges zu bieten, worauf die 1 850 Einwohner stolz sein dürfen. Auf seine wunderbare Lage unterhalb des Reußensteins. Auf die prächtige Kirschblüte im Frühjahr. Oder auf den malerischen Wasserfall. Und in dieser Saison ganz besonders auf die Fußballer des Turnvereins von 1910.

In der Vergangenheit eher eine Mannschaft im Fahrstuhl zwischen Kreisliga A und B, spielen die Neidlinger diesmal eine dominierende Rolle, die mit dem ersten Aufstieg in die Bezirksliga seit 18 Jahren gekrönt werden soll. Das Bemerkenswerte daran: Fast alle Spieler stammen aus dem Ort. Passend ergänzt durch das Bad Boller Brüderpaar Patrick und Heiko Kölle zur Blutauffrischung. Patrick ist Spielertrainer und Torjäger in einer Person. Mit seinen 19 Toren hat er den größten Anteil daran, dass der TV den treffsichersten Angriff der Klasse stellt (55 Tore). Heiko, der Jüngere, hat zwar auch schon sieben Mal getroffen, ist aber mehr für die Abwehr zuständig. Sie hat bisher die wenigsten Gegentreffer (18) zugelassen – „Kölle alaaf“ in Neidlingen.

Es ehrt Patrick, dass er den Verdienst am Höhenflug auf alle verteilt: „Wir haben eine talentierte und erfolgreiche Generation“, lobt er die ganze Truppe. „Die Kameradschaft ist super. Es sind jüngere Spieler dazugekommen, die reinpassen. Die Mannschaft ist gegenüber dem Vorjahr, als wir 80 Tore geschossen, aber auch 73 kassiert haben, enger zusammengerückt und ausgeglichener besetzt.“

Seine Worte begründen den beispiellosen Siegeszug des Teams. In den 17 Spielen bis zur Winterpause verließ Neidlingen nur einmal als Verlierer den Platz, beim 2:3 in Altdorf. Diese Scharte wurde gestern im zweiten Rückrundenspiel mit 4:1 ausgewetzt und damit gleichzeitig ein lästiger Verfolger abgeschüttelt. Und wieder trugen sich die beiden Kölles neben Dennis Heilemann und Steffen Kuch in die Torschützenliste ein. Als die Nachricht von der Dettinger 1:4-Heimpleite gegen Grafenberg die Runde machte, war die Freude doppelt groß. Abteilungsleiter Marion Lamour: „Unser Spiel war zwar nicht berauschend, aber der Sieg auch in dieser Höhe verdient. Jetzt haben wir sechs Punkte Vorsprung. Das sieht doch gut aus.“

Ernüchterung dagegen bei den Sportfreunden Dettingen nach zwei Niederlagen in Folge. „Die Luft ist etwas draußen“, meint Abteilungsleiter Christian Renz. Dass die Mannschaft vom Verletzungspech arg gebeutelt ist, lässt er nicht allein als Entschuldigung für die beiden letzten Fehltritte gelten: „Es ist einfach zu wenig, was die Jungs gerade bringen. Gut, dass jetzt Winterpause ist und wir uns neu aufstellen können.“

Die Hoffnung auf Besserung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Dettinger Sportfreude täten gut daran, sich an den tapferen Fußballmädels vom VfL Kirchheim in der Bezirksliga ein Beispiel zu nehmen. Die hatten in der Vorrunde ebenfalls viele Verletzte zu beklagen. Mussten manchmal zu acht, in Göppingen einmal sogar zu siebt antreten. Was eine deprimierende 0:28-Schlappe zur Folge hatte. Die niederschmetternde Bilanz ihrer 13 Pflichtspiele bisher: kein einziges Tor geschossen, 128 Treffer kassiert. Aber ihre Moral ist trotzdem ungebrochen. Trainer Angelo Docimo: „Wenn uns im März wieder alle Spielerinnen zur Verfügung stehen, schlagen wir zu.“

Noch einmal zugeschlagen vor der dreimonatigen Spielpause haben die beiden Aufstiegskandidaten der Kreisliga B, Staffel 6. Tabellenführer TV Unterlenningen verteidigte durch ein 3:1 bei Neidlingen II seinen Zwei-Punkte-Vorsprung auf die TG Kirchheim (2:0 bei Jesingen II), für die das Wiederholungsspiel beim TSV Notzingen allerdings noch aussteht. Der TSV Owen verschenkte bei Nabern II zwei Punkte und dürfte bei neun Zählern Rückstand auf den Spitzenreiter aus dem Titelrennen sein.

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