Lokalsport

Kölle kontert Lämmle

Kreisligaszene Duell der Aufstiegs-Kandidaten in der Kreisliga A endet wie der Zweikampf der Torjäger – TSV Ötlingen hakt Titelrennen in der B6 ab – TG Kirchheim in beiden B-Staffeln ein Aufstiegskandidat. Von Klaus Schlütter

Umkämpft, aber nie unfair: Das Kreisliga-A-Spitzenspiel zwischen Dettingen (Tim Lämmle re.) und Neidlingen (Niko Waldherr li.) e
Umkämpft, aber nie unfair: Das Kreisliga-A-Spitzenspiel zwischen Dettingen (Tim Lämmle re.) und Neidlingen (Niko Waldherr li.) endete mit einem leistungsgerechten 1:1. Foto: Markus Brändli

Die Neidlinger Spieler bildeten einen Kreis und fassten sich an den Schultern. Ausgelassen wie kleine Kinder tanzten sie Ringelreihen und sangen „Spitzenreiter, Spitzenreiter“. So feierte der Überraschungs-Tabellenführer der Kreisliga A das leistungsgerechte 1:1 bei den Sportfreunden Dettingen.

Es ist schon erstaunlich, welch rasante Entwicklung die Mannschaft aus der Kirschen- und Zwetschgenmetropole unterm Reußenstein zuletzt genommen hat. In der Saison 2014/15 ist der TV Neidlingen aus der Kreisliga B aufgestiegen. Eineinhalb Jahre später klopft er schon an die Bezirksliga an. „Wir haben an den richtigen Stellschrauben gedreht“, sagt Spielertrainer Patrick Kölle. Heißt: Die Zugänge haben sich als Volltreffer erwiesen. Darunter drei Verstärkungen aus der Landesliga – vom TSV Weilheim Steffen Kuch fürs Mittelfeld, vom TSV Bad Boll Heiko Kölle (Patricks Bruder) für die Abwehr und Andreas Geiger fürs Tor. Kölle ganz forsch: „Ich traue uns den Sprung nach oben zu.“

Der Aufstieg ist erneut auch das Ziel der Dettinger, die im Mai in der Relegation am FV Plochingen gescheitert waren. Trainer Heiko Blumauer wies nach dem Gipfeltreffen am Sonntag zu Recht darauf hin, dass sein Team als einziges noch ungeschlagen ist. Das Pfund, mit dem er wuchern kann, heißt Tim Lämmle. Der Torjäger vom Dienst erzielte gegen Neidlingen im neunten Spiel bereits seinen 13. Treffer. Hochgerechnet auf die ganze Saison könnte der Schlaks seiner Vorjahrsmarke (45 Tore) wieder ganz nahe kommen. Im Kampf um die Krone muss er diesmal allerdings einen ernsthaften Konkurrenten fürchten. Der Ausgleichstreffer auf dem Dettinger Kunstrasen war ebenfalls schon das 13. Saisontor von Patrick Kölle.

Erfreulicher Nebenaspekt des brisanten Duells unter der Teck, das rund 300 Zuschauer anlockte: Es war betont fair. „Das hat mich besonders gefreut“, so Blumauer. In den ganzen 90 Minuten gab es eine gelbe Karte. Und die nur, weil Lämmle bei einem Neidlinger Abstoß zu nah am Ball stand.

Weniger erfreulich war der Auftritt des AC Catania Kirchheim. Der Aufsteiger ging in Grafenberg 0:5 unter und verlor den Anschluss an die Verfolgergruppe, an die er sich nach einem Fehlstart mühsam wieder herangekämpft hatte. Entsprechend sauer war Vereinschef Pasquale Martinelli: „Ich bin enttäuscht über die Art und Weise, wie die Niederlage zustande gekommen ist.“ Er bemängelte eine falsche Einstellung der Spieler und deren fehlende Laufbereitschaft.

An der mangelte es dem TSV Ötlingen in der Kreisliga B diesmal nicht. Mit fünf Niederlagen waren die Mannen vom Rübholz in die Saison der Staffel 6 gestartet. Sie haben sich damit einen Rucksack aufgebürdet, den sie bis Saisonende nicht mehr ablegen können. Mit anderen Worten: Der ersehnte Aufstieg kann wohl wieder abgehakt werden. Daran ändert auch das souveräne 5:0 gegen Nabern II nichts. „Wir müssen jetzt kleinere Brötchen backen. Platz vier bis sechs ist noch möglich“, sagt Trainer Benedetto Savoca. Ein Trostpflaster ist das bisherige Abschneiden im Pokal. Drei Runden sind schon überstanden und am Donnerstag soll der höherklassige TSV Wernau dran glauben. Gelingt das, wäre es eine Schlagzeile wert.

Mit Schlagzeilen unterschiedlichster Art konfrontiert sieht sich die TG Kirchheim. Einerseits durch sportliche Erfolge, andererseits durch den Abbruch der Partie in Notzingen. Eine Entscheidung darüber wird es vor 10. Oktober nicht geben, denn der Sportgerichtsvorsitzende Siegfried Bippus befindet sich bis dahin in Kur. Nun machte die TG II von sich reden. Die Mannschaft der Europäer unter der Regie von Costa Giacobbe stürzte den bisherigen Tabellenführer SV Reudern auf dessen Platz mit 4:0 vom Thron. Zwei Treffer steuerte Tiago Santos Araujo nach seiner Leistenoperation bei. „Es hätten sogar ein paar mehr sein können“, meinte Abteilungsleiter Florian Kretzschmer, „Reudern hat zwar gut mitgespielt, aber am Strafraum war die Kunst zu Ende.“ Die Turngemeinde ist nun in beiden B-Staffeln ein Aufstiegsanwärter.

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