Lokalsport
Kommen die Hallenpläne der Knights auf den Prüfstand?

Basketball Die Knights wollen sich mit der Hälfte der Kosten an einer Machbarkeitsstudie zum Bau einer neuen Sporthalle beteiligen. Der Gemeinderat soll am Mittwoch darüber entscheiden. Von Bernd Köble

Es geht um nichts weniger als das Überleben, und die Uhr läuft langsam ab. Seit 14 Jahren sind Kirchheims Basketballer eine feste Größe in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, der Pro A. Ohne Unterbrechung und mit einigem Erfolg. Der Standort Kirchheim gilt bundesweit längst als Synonym für Überlebenswille, Kreativität und ein sicheres Gespür, mit wenigen Mitteln das Maximum herauszuholen. Nach außen hin wird dieser Status nirgendwo sichtbarer als bei einem Besuch in der Halle. Der Hexenkessel in der Jahnstraße, der Gegnern seit Jahren Respekt einflößt, ist längst zur Fußfessel für einen Verein geworden, der sich für die Zukunft rüsten muss. Zu klein, technisch rückständig, nicht bundesligatauglich.

 

In den nächsten Monaten wird sich unsere Zukunft entscheiden.
Chris Schmidt Der Geschäftsführer der Knights zur politischen Debatte über einen ­Hallenneubau im Gemeinderat

Wenn die Liga in einigen Jahren angekündigte Standards einfordern wird, ist die Zeit für Kompromisse endgültig vorbei. Dann lautet die Frage: Umzug oder Rückzug? Seit 2012, dem Jahr, als sich die Kirchheimer das Aufstiegsrecht in die erste Liga erkämpft haben, dreht sich die Debatte um einen möglichen Hallenneubau – ohne Ergebnis. Jetzt könnte zum ersten Mal ein sichtbarer Schritt auf dem Weg zu einer politischen Entscheidung unternommen werden. Am Mittwoch will der Gemeinderat darüber entscheiden, ob Stadt und Knights gemeinsam eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die ans Licht bringen soll, wie eine Lösung baulich und wirtschaftlich aussehen könnte. Gegenstand der Analyse soll ein Bauwerk sein, das als Schulsporthalle, Vereins-Trainingsstätte und Profi-Arena gleichermaßen taugen müsste. Für den Geschäftsführer der Knights ist klar: Das wird die letzte Chance sein. „Sollte am Ende keine Lösung in Sicht sein, dann war’s das“, ist Chris Schmidt der festen Überzeugung.

Ob dies den endgültigen Rückzug aus dem Profisport bedeuten würde oder einfach, dass man Kirchheim schweren Herzens den Rücken kehrt, ist unklar. Kommende Saison bereits werden die Knights erstmals ein Gastspiel in der Göppinger EWS-Arena geben. Weitere sollen folgen. Ob dieser Weg in eine sportliche Zukunft führen könnte, ob er wirtschaftlich wäre und was das für Kirchheim und seine Fans bedeuten würde? Keiner weiß es. Was sich immer deutlicher abzeichnet: Über 2027 hinaus wird es in der Pro A keinen Spielbetrieb mehr in Hallen mit weniger als 2000 Zuschauern geben, die nicht über Tribünen an allen vier Seiten des Spielfelds verfügen. Die Sporthalle Stadtmitte ist bei der Liga in Köln offiziell mit 1800 Plätzen gelistet, doch jeder weiß: Diese Zahl ist schöngerechnet und reine Theorie. Mehr als 1500 Besucher passen nicht hinein, und selbst diese Marke fußt auf zahlreichen Stehplätzen und Provisorien wie Gartenstühlen in Baumarkt-Qualität.

Was es also braucht, ist eine Entscheidungsgrundlage auf politischer Ebene. Für ein Ergebnis, das allen gerecht wird. Chris ­Schmidt sagt: „Wir wollen keine Lösung für die Knights, sondern eine für die Stadt.“ Denn auch die hat längst erkannt, dass es in Kirchheim an Platz mangelt, wenn der zunehmende Ganztagesbetrieb an Schulen und ein gedeihliches Miteinander aller sporttreibenden Vereine in Zukunft funktionieren soll. Für die Knights hingegen tickt die Uhr. Den Zeitplan für neue Standards will die Liga in diesem Sommer beschließen. Um weiterhin in den Genuss einer befristeten Duldung zu kommen, bräuchte es wohl spätestens zum Stichtag Stichhaltiges: etwa in Form eines Baubeschlusses.

Bis dahin muss klar sein, worüber man redet. Das Angebot des Institut für Sportstättenberatung (IFS) in Euskirchen für die Studie, die den Bürgervertretern schon vorige Woche im Ausschuss vorgestellt wurde, sieht auch eine Standortanalyse vor. Eingebettet in einen Sportpark zwischen Freibad und Stadion oder doch in der Nähe des Bahnhofes? Für die Basketballer geht es längst nicht mehr ums Wo, sondern allenfalls ums Wie und Wann. „In den nächsten Monaten wird sich unsere Zukunft entscheiden“, meint Chris Schmidt. Die ersten Schritte auf einem gemeinsamen Weg verliefen schon mal stolperfrei: Die Kos­ten für die Machbarkeitsstudie in Höhe von 53 550 Euro wollen sich Knights und Stadt zur Hälfte teilen.

Auch andere müssen improvisieren

Ein Hallenproblem haben in der 2. Basketball-Bundesliga nicht allein die Knights aus Kirchheim. Mit Karlsruhe, Bochum, Itzehoe, Ehingen und Schwenningen lagen in dieser Saison fünf weitere Standorte mit ihren Spielstätten unter der künftig geforderten Mindestkapazität von 2000 Zuschauern.
Den Karlsruhern, die in der ersten Play-off-­Runde an Rostock gescheitert sind, diente die erst 2020 eröffnete Lina-Radke-Halle mit 1500 Plätzen allerdings nur als Ersatz, bis die Sanierung der benachbarten Europahalle abgeschlossen ist. Dort passen knapp 5000 Besucher rein.
Die Panthers aus Schwenningen verfügen ab August immerhin über ein völlig neues, eigenes Trainingszentrum mit einer reinen Basketballhalle und damit über Trainingsbedingungen, wie sie bisher nur die Klubs aus Jena, Bremer­haven, Rostock und Quakenbrück vorweisen können. bk