Lokalsport

Kommentar: Loyalität war gestern

Von Bernd Köble

Sie sind jung, sie sind motiviert und sie sind in diesem Job nur wenig erfahren. Die führenden Köpfe in der Handballabteilung des TSV Owen stehen unvermittelt im Sturm, der ihnen das Dach über den Köpfen wegzufegen droht. Die geplante Fusion mit dem Nachbarklub SG Lenningen, die alleine schon das Prädikat historisch verdient, wird seit dieser Woche um eine Dimension ergänzt: Die schwarz-gelbe Mannschaft läuft zum ersten Mal in ihrer Geschichte Gefahr, völlig von der Bildfläche zu verschwinden.

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Der TSV hat ein Problem, und die jungen Führungskräfte um Florian Einselen sind nur ein kleiner Teil davon. Wollte man ihnen einen Vorwurf machen, dann wohl nur den, die Risiken der vergangenen drei Jahre falsch bewertet zu haben. Das gilt für die Vereinskooperation mit Lenningen, die in der Sache richtig, in ihrer Wirkung allerdings grob unterschätzt geblieben ist. Nicht einmal in der ersten Mannschaft ist es gelungen, die Reihen zu schließen und das Projekt als das zu begreifen, was es nach einhelliger Expertenmeinung ist: der einzig sinnvolle Weg in die Zukunft.

Das gilt aber auch für den Neubeginn aus eigener Kraft vor drei Jahren. Die beiden Klett-Brüder galten als ideales Führungs-Duo: fachlich kompetent, topmotiviert und obendrein mit Stallgeruch. Eine Eigenschaft, die dabei freilich übersehen wurde: auch kompromisslos. Erfolgsanspruch, Leistungsdenken, die Bereitschaft, für den Handballsport zu leben, das passte mit den Gegebenheiten in Owen in den seltensten Fällen zusammen. Jetzt sind beide weg, und zumindest ein Teil der Mannschaft überlegt, es ihnen gleichzutun.

Der TSV hat ein Loyalitätsproblem. Davon wird abhängen, ob es in den kommenden Tagen und Wochen gelingt, eine Einheit zu schmieden, die sich zu den Zielen des Vereins bekennt, die zu ihrem Wort steht und erkennt, dass das Vereinswohl mehr ist als die Summe von Eigeninteressen. Das ist nicht Aufgabe der Abteilungsleitung. Das geht nur gemeinsam.