Lokalsport

Kopf über Bein

Radsport Jannik Steimle mobilisiert auf der letzten Etappe der „Flèche du Sud“ in Luxemburg die letzten Reserven und beschenkt sich und sein Team mit dem Tagessieg. Von Bernd Köble

Die Kraft reicht noch für die Siegerpose: Jannik Steimle gewinnt den Sprint auf den letzten Metern in Esch-sur-Alzette.Foto: Eli
Die Kraft reicht noch für die Siegerpose: Jannik Steimle gewinnt den Sprint auf den letzten Metern in Esch-sur-Alzette. Foto: Elisa Haumesser

Die letzten Prozent stecken im Kopf statt in den Beinen. „Eigentlich war ich schon klinisch tot“, beschreibt Jannik Steimle die entscheidenden Sekunden vor dem Zielstrich. Drei harte Etappen, ein mörderisches Profil mit unzähligen Rampen im zweistelligen Prozentbereich, dazu die unvermittelte Sommerhitze - auf dem vierten und letzten Tagesabschnitt der 70. Flèche du Sud vom luxemburgischen Kayl nach Esch-sur-Alzette hatte keiner den Weilheimer mehr auf der Rechnung. Doch auf den letzten 300 Metern demonstrierte der 23-Jährige vom Team Vorarlberg, wie man mit eisernem Willen die letzten Kraftreserven mobilisiert. Steimle wählte in der letzten Kurve die waghalsigste Linie, riskierte den langen Sprint von vorne und holte sich nach 138 Kilometern mit einer Radlänge Vorsprung seinen zweiten UCI-Sieg in dieser Saison. Zweiter wurde der Däne Michael Carbel (Team Waoo) vor dem Niederländer Ivar Slik (Monkey Town). Steimle beendete die traditionsreiche Etappenfahrt als 18. des Gesamtklassements und Viertbester der Punktewertung. Den Rundfahrtsieg holte sich der Belgier Quentin Hermans (Telenet Fidea), der die beiden ersten Etappen gewonnen hatte.

„Heute war der Kopf entscheidend“, sagt Steimle. „Die Beine wollten schon lange nicht mehr.“ Nach Platz vier beim nur 3,25 Kilometer langen Prolog zum Auftakt erwischte der Weilheimer als 19. am Freitag einen schwächeren Tag, bevor er tags darauf in Roeser auf Platz sieben sprintete. Das große Finale am Sonntag war dann auch das Ergebnis einer starken Teamleistung. Steimle kam unterstützt von seinen Helfern Lukas Meiler, José Diaz Gallego und Max Kuen knapp hinter der Spitzengruppe an Position 15 über den letzten Berg, machte in der Abfahrt etliche Plätze gut und bog als Dritter in Richtung Ziel ein. „Danke an das Team, das heute eine grandiose Arbeit geleistet und mich ideal abgeliefert hat“, meinte Steimle erleichtert.

Nächste Station ist vom 13. bis 16. Juni die Oberösterreich-Rundfahrt, bevor mit den deutschen Straßenmeisterschaften am 30. Juni auf dem Sachsenring und der am 6. Juli beginnenden Ö-Tour die Höhepunkte der Saison im Kalender stehen. Bei der 71. Ausgabe der Österreich-Rundfahrt stehen in diesem Jahr drei Sprintankünfte im Programm. „Wenn bis dahin alles normal läuft, rechne ich mir schon etwas aus“, sagt Steimle.

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