Lokalsport

Kraulend durch die Einbahnstraße

Coronakrise Seit vergangenem Montag dürfen Vereinssportler wieder im Kirchheimer Freibad trainieren. Der Auftakt verlief auch dank einer intensiven Vorbereitung der Verantwortlichen kontakt- und reibungslos. Von Reimund Elbe

Die VfL-Schwimmer dürfen wieder ihre Bahnen ziehen. Foto: Markus Brändli

Kein Montagabend wie jeder andere: Nach fast drei Monaten Zwangsabs­tinenz sind die Wassersportler des VfL Kirchheim vorgestern wieder ins Becken gesprungen - zwar mit einem Lächeln auf den Lippen, aber auch unter strengen Regularien. Sylvia Helstab genießt sichtlich den Re-Start. „Eine schöne Atmosphäre“, schwärmt die VfL-Abteilungsleiterin, während sie bei angenehmen 20 Grad Lufttemperatur plus etwas Sonnenschein auf das Geschehen im großen Becken des Kirchheimer Freibads blickt. Dort ziehen erwachsene Schwimmerinnen und Schwimmer ihre Bahnen, Kinder und Jugendliche folgen in den nächsten Tagen.

Intensive Wochen liegen hinter Sylvia Helstab, garniert mit Besprechungen, Telefon- und Video­konferenzen, E-Mails an Eltern, Prüfen der Rahmenbedingungen für den Re-Start. Den letzten Akt vor dem Comeback bildete Mitte vergangener Woche ein Meeting bei der Stadtverwaltung. Bei dem Termin erläuterte unter anderem Freibad-Betriebsleiter Moritz Heitel den VfL-Funktionären sowie Vertretern der DLRG, der Tauchgruppe Teck und den SF Dettingen detailliert die Vorschriften für den geplanten Wiedereinstieg. Quintessenz des Treffens: Der Weg zurück in den Trainingsalltag gilt für die Wassersportler als machbar.

Eine Woche später scheint das Konzept tatsächlich Früchte zu tragen. Der Trainingsbetrieb im Freibad läuft frei von Hektik und vor allen Dingen strukturiert ab. „Nur angemeldete Sportler können dabei sein“, betont Sylvia Helstab, pro Gruppe seien nur neun Schwimmer sowie ein Trainer zugelassen, trainiert werde im Einbahnstraßenprinzip. Was konkret bedeutet, dass am Ende der Bahn auf der benachbarten zurückgeschwommen werden muss.

Ansonsten gibt es das zu Corona-Zeiten fast schon Übliche im organisierten Sport: Abstand halten auch außerhalb des Beckens, gesperrte Duschen, keine Shakehands und Küsschen. Die Sportstätten-Verordnung des Kultusministeriums und des Sozialministeriums vom 4. Juni weist des Weiteren darauf hin, „dass kein Aufschwimmen oder Überholen“ stattfinden darf.

Wasserball nach Vorschrift

Am späteren Abend rücken auch die VfL-Wasserballer an. Auch für sie gilt die „9+1-Regel“: Neun Sportler, ein Trainer. Auch dieses Training läuft kontaktlos ab. Jede Menge Vorsichtsmaßnahmen, ausgeklügelt bis ins letzte Detail. Mit Manuel Gonser und Kim Glemser überwachen deshalb gleich zwei VfL-Abgesandte neben Betriebsleiter Heitel die Abläufe im und ums Becken. „Alles läuft vorschriftsmäßig ab“, zwischenbilanziert Gonser nach gut einer Stunde Trainingsverlauf zufrieden.

Dabei betrachten sich die Wassersportler alles andere als Angehörige einer Corona-Risikosportart. „Schwimmen gehört aktuell der Risikostufe Null an, was nichts anderes heißt, dass die Ansteckungsgefahr aus behördlicher Sicht im Wasser als äußerst gering gilt“, erläutert Susanne Gonser, die für die Öffentlichkeitsarbeit in der VfL-Abteilung zuständig ist. Sie bleibt freilich Realistin. Weil das Wettkampfjahr im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt, werde in diesem Sommer „kein Training unter Vollbelastung“ gefahren.

Auch Louis-Victor Schäfer sieht den Trainingseinstieg pragmatisch. „Der Druck fehlt ganz klar, weil es keine Wettkämpfe gibt“, sagt der Kirchheimer, der die 100 Meter Freistil locker unter einer Minute schwimmen kann und in der Coronazwangspause einmal im März in der Lauter geschwommen ist. „Das war aber viel zu kalt“ erinnert sich lachend. Nun sei ihm wichtig, dass es endlich wieder im Freibabd losgeht. Sein erstes Gefühl dabei? „Ich bin ins Wasser gesprungen, und es war so schön wie immer“, sagt Schäfer, als er es sich in einer Trainingspause kurz auf einer Bank bequem macht. Später wird der 22-Jährige per Rad vom Freibad nach Hause fahren - ohne große Abschiedszeremonien, ganz den Vorschriften entsprechend.

Hoffnung für den „Swim and Run“

Zweiter Silberstreif am Horizont für die VfL-Schwimmer nach dem geglückten Wiedereinstieg in den Übungsbetrieb: Der für Anfang September geplante „Swin and Run“ steht aktuell offenbar nicht mehr auf der Streichliste. Eine Variante in abgespeckter Form hält VfL-Wassersport-Abteilungsleiterin Sylvia Helstab mittlerweile für denk- und durchführbar. „Ohne große Werbung“ wolle der Klub im Vorfeld agieren, alle Schritte mit der Stadt absprechen. Falls es die behördlichen Vorgaben dann im September zuließen, wolle ihr Team mit einem Startfeld von maximal 50 Personen und ohne Zeitmessung agieren. „Das wäre doch ein schöner Abschluss eines so schwierigen Jahres“, sagt Sylvia Helstab, „nach Ende der Veranstaltung gemütlich zusammenzusitzen und mit Mindestabstand zu feiern.“ rei

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