Lokalsport

Läuft wieder

Breitensport Der Lauftreff Kirchheim hat nach der Coronazwangspause den Betrieb aufgenommen und könnte so als Impulsgeber den Weg für offizielle Veranstaltungen ebnen helfen. Von Reimund Elbe

Gemeinsam ist man weniger allein – nach monatelangem Stillstand können die Lauftreffmitglieder wieder zusammen ihrem Hobby fröne
Gemeinsam ist man weniger allein – nach monatelangem Stillstand können die Lauftreffmitglieder wieder zusammen ihrem Hobby frönen. Foto: Carsten Riedl

An solchen Tagen fällt unbeschwertes Lachen und lockeres Laufen besonders leicht: 26 Grad, blauer Himmel, ein leichter Sommerwind, am Horizont thront glasklar die Teck - der offizielle Re-Start des Kirchheimer Lauftreffs hat Bilderbuchcharakter und entpuppt sich als echter Gute-Laune-Bringer für die rund 35 Läufer und Walker, die sich am Mittwochabend am Parkplatz des Wasserturms im Hohenreisach tummeln.

Deutlich zu spüren: Die in Coronazeiten hart getroffene Laufszene rappelt sich wieder auf und lechzt förmlich nach lange vermissten Gemeinschaftserlebnissen. LauftreffleiterAlexander Rehm weiß das, als er sich vor dem Start in die Mitte der Schar stellt und die Anwesenden ganz besonders ausführlich und herzlich begrüßt. „Achtet auf die Abstände“, gibt der Kirchheimer zum Schluss noch einen zeitgemäßen Tipp.

„Allein zu laufen, ist auf Dauer nicht so schön“, stellt Ralf Höing rückblickend fest. Der erfahrene Ausdauersportler kennt sich mit der Einsamkeit des Langstreckenläufers aus, verbrachte seit März etliche Trainingsstunden solo in Feldern und Wäldern. Die Absolvierung des Mannheim-Marathons, eines seiner großen persönlichen Ziele 2020, musste der Wernauer („wir haben keinen Lauftreff, ich komme deshalb seit vielen Jahren nach Kirchheim“) längst ad acta legen.

Höing gehört ab sofort zu jenen, die zum Laufgruppenleiter-Job auch noch eine zusätzliche administrative Betätigung haben - den des „Coronaregel-Checkers“. Auf einem DIN-A4-Bogen registriert er alle Teilnehmer der Laufgruppe. „Maximal zehn Personen dürfen es pro Einheit sein“, erläutert er. „Weil es mittwochs deutlich weniger Teilnehmer sind als samstags, stellt das heute überhaupt kein Problem dar“, ergänzt Elke Bühler. Die Kirchheimerin zeichnet für die Abläufe bei den Walkern verantwortlich. Erst nach einem Monat würden die Datenformulare vorschriftsgemäß vernichtet. „Falls es einen Infektionsfall gibt, können wir somit die anderen Teilnehmer informieren“, betont Elke Bühler. Die rund drei Dutzend Personen werden in Gruppen verteilt - nach Leistungsstärke und Tagesform. Anschließend werden sie rund eine Stunde unterwegs sein.

Ein Stück Normalität

Nicht nur in Kirchheim läuft der Wiederbeginn unter diesen Vorzeichen an. Immer mehr Lauftreffs in Baden-Württemberg nutzen die jüngsten Maßnahme-Lockerungen der Politik und Sportverbände, um in einem vom Coronavirus geprägten Alltag ein Stück Normalität zu verwirklichen. „Wir können in den Lauftreffs die aktuellen Vorgaben aber auch sehr gut umsetzen“, sagt Alexander Rehm selbstbewusst, zumal es ein Hobby im Freien sei und somit in Sachen Virusverbreitung risikoärmer.

Volksläufe wieder im Herbst?

Die Lauftreffs sogar als Impulsgeber? Funktioniert das Hygienekonzept in der Lauftreffszene, könnten in der Tat Volks- und Straßenläufe in diesem Jahr auch im Kreis Esslingen doch wieder zum Thema werden. Peter Vohmann beispielsweise gibt sich optimistisch. Der Organisator des Nürtinger Kirchertlaufs verschwendet noch keine Gedanken daran, die für den 3. Oktober geplanten Veranstaltung abzusagen. „Wir werden uns in einigen Wochen mit der Stadt abschließend beraten“, sagt der Nürtinger Langstreckenläufer. Bis dahin werden weitere Erkenntnisse vorliegen, ob das Hygienekonzept aufgeht - dies scheint zumindest sicher in unsicheren Zeiten.

Silvesterlauf: Eine vorschnelle Absage wird es nicht geben

Rund ein halbes Jahr ist es noch hin bis zum Jahreswechsel - ein Zeitpolster, das die Macher des Kirchheimer Silvesterlaufs optimistisch stimmt. „Wir warten erst einmal die weitere Entwicklung in der Corona-Krise ab“, sagt Alexander Rehm (im Bild), Organisationschef des Klassikers. Dem Lauftreffleiter kommt eine vorschnelle Absage jedenfalls (noch) nicht in den Sinn.

Im September soll es mit der Stadtverwaltung detaillierte Gespräche über die Chancen zur Umsetzbarkeit der 39. Auflage geben. Dabei machen zwei besondere Konstellation des Silvesterlaufs die Angelegenheit nicht gerade unkomplizierter: Neben der Enge am Start in der Fußgängerzone vor allen Dingen der Begegnungsverkehr im Burghof der Teck - während Teilnehmer bereits wieder Richtung Tal laufen, kommen ihnen langsamere Läuferinnen und Läufer entgegen. „Wir warten ab, wie sich die Vorschriften und die Lage allgemein entwickelt“, gibt sich Alexander Rehm aktuell entspannt. rei

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