Lokalsport

Lenningen spielt Schicksal an der Lindach

Handball-Bezirksliga Das Derby in Weilheim gegen die SG ist für die Gastgeber heute Abend eines von vier Endspielen um den Klassenerhalt. Von Bernd Köble

Man kennt sich: SG-Kapitän Robin Renz (links) und Weilheims Torhüter Bernhard Illi. Heute Abend ruht die Freundschaft für 60 Min
Man kennt sich: SG-Kapitän Robin Renz (links) und Weilheims Torhüter Bernhard Illi. Heute Abend ruht die Freundschaft für 60 Minuten.Foto: Genio Silviani

Die Uhr auf null stellen, den Kopf aufräumen und einfach mal einen raus hauen. So einfach das klingt, so schwer tun sich Weilheims Handballer derzeit mit der dringend nötigen Trendwende. Die soll dem Tabellenvorletzten der Bezirksliga heute Abend ausgerechnet im aufgeladenen Lokalkampf gegen den Dritten aus Lenningen gelingen (Anpfiff um 20 Uhr). Abstiegskampf zehrt, das weiß jeder. Leicht von der Hand geht da nichts, und wenn die Zeit, da kleine Fehler noch zu verschmerzen sind, längst verstrichen ist, kommen die Nerven ins Spiel. Aus angekündigten Befreiungsschlägen werden dann Zittersiege, so wie vor zwei Wochen gegen den TV Altbach, als auch ein Zehn-Tore-Vorsprung am Ende fast nicht gereicht hätte.

Dem TSV läuft allmählich die Zeit davon. Dass rechnerisch noch alles möglich ist, verliert Woche für Woche an beruhigender Wirkung. Nach Minuspunkten liegt das Quartett aus Wolfschlugen, Neckartenzlingen, Altbach und Weilheim nur vier Zähler auseinander. Acht Punkte sind für die Limburgstädter maximal noch zu holen. Dabei trifft man mit Schlusslicht Nürtingen und Wolfschlugen noch auf zwei Teams aus dem Tabellenkeller. Am Ende könnte der direkte Vergleich entscheiden. Gegen Altbach und Neckartenzlingen hat man den bereits verloren.

Trotzdem: alles noch drin. Auch gegen Lenningen? „Für uns ist jeder Gegner gleich“, meint Weilheims Trainer Timo Klein. „Wir müssen in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen.“ Dass gerade die Nerven in einem emotionsgeladenen Derby den Unterschied ausmachen, sieht er eher als Vorteil. „Wenn Emotionen im Spiel sind, sind wir besser“, sagt Klein, Er weiß auch: „Wenn‘s nach hinten losgeht, dann richtig. Aber das ist in unserer Situation egal.“

Braun braucht noch Zeit

Personell halten sich gute und schlechte Nachrichten die Waage: Mit Grabenstetten-Rückkehrer Florian Braun hat die Mannschaft seit einer Woche eine wertvolle Alternative im Rückraum. Zehn Minuten Spielzeit, zwei Tore, so die Bilanz bei seinem Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause am Samstag in Denkendorf. „Nach vier Trainingseinheiten darf man nicht zu viel erwarten“, sagt sein Trainer. „Trotzdem versprechen wir uns von ihm natürlich neue Impulse.“ Die schlechte Nachricht: Torhüter Bernhard Illi wird an der Hüfte operiert und bestreitet heute Abend sein letztes Spiel in dieser Saison. Für ihn wird Ersatzkeeper Moritz Latzel im Abstiegskampf Verantwortung übernehmen müssen.

Es ist ein Spiel, das neue Energie freisetzen könnte. Doch die SG aus Lenningen hat keine Geschenke zu verteilen. Der Tabellendritte kämpft weiter um seine Aufstiegschance. „Wir wollen in die Relegation. Das ist unser klares Ziel“, sagt SG-Trainer Peter Schmauk vor dem Duell gegen den Verein, bei dem er vor Jahren auf der Bank saß. Heute Abend zählt das nicht: „Ich mache mir nur darüber Gedanken, wie wir das Spiel gewinnen“, sagt er, „sonst über nichts.“ Arbeit genug - schließlich musste er zuletzt feststellen, „dass wir im Moment nicht das spielen, was wir können“. Der Sieg gegen die abstiegsbedrohten Neckartenzlinger vorige Woche war mühsam, an eine geordnete Vorbereitung wegen der Erkältungswelle nicht zu denken. Am Donnerstag haben erstmals alle wieder trainiert, doch ausgerechnet der Mann mit der eingebauten Torgarantie scheint erneut auszufallen: Linksaußen Chris Rieke, zwölffacher Torschütze vor drei Wochen gegen Ebersbach und einer der Beständigsten der SG, hat seine schmerzhafte Rippenprellung aus dem Derby gegen den VfL Kirchheim noch nicht auskuriert. „Ich gehe davon aus, dass er heute nicht spielt“, sagt sein Trainer.

Spätestens danach wird er ihn brauchen, denn auch die SG erwartet auf der Zielgeraden ein Hochvolt-Programm. Nach einem spielfreien Wochenende kommt es am 7. April in der Lenninger Sporthalle zum womöglich entscheidenden Duell um den Relegationsplatz. Gegner dann: der TSV Owen. Schmauk freut sich darauf. „An diesem Samstag“, sagt er, „wird die Halle brennen.“

So wollen sie spielen

TSV Weilheim: Illi, Latzel; Banzhaf, Seyferle, Allgaier, Klett, Zettl, Braun, Roth, Klein, Sigel, Höfert, Pfeffer, Hiller, Späth, Driesnack, Stark

SG Lenningen: Bezold, Reichle, Lamparter - Nebenführ, Rieke, Renz, Ringelspacher, Austen, Haid, L. Bächle, M. Bächle, Pisch, T. Trenkle, M. Trenkle

Frauen gehen mit Rückenwind ins Vorspiel

Im Vorspiel zum Männerderby treffen heute ab 18 Uhr auch die Frauenmannschaften der Teck-Teams aufeinander. Die Lenningerinnen, aktuell mit einem Spiel weniger als die direkte Konkurrenz, möchten Platz drei zurückerobern. Ein Sieg der Rothemden aus Weilheim (Achter) würde diese ins Tabellenmittelfeld aufrücken lassen.

Die SG-Frauen scheinen nach zwei Siegen in Folge wieder in der Erfolgsspur zu sein. Doch auch der TSVW befindet sich nach dem 31:24-Sieg gegen Neuffen im Aufwind. „Mannschaftliche Geschlossenheit und konsequente Chancenverwertung waren der Trumpf unseres 27:20-Hinspiel-Erfolges. Nur wenn wir es schaffen, beides wieder in ähnlicher Weise abzurufen, sehe ich eine realistische Siegchance“, sagt SG-Trainerin Nicki Schmid. Doch auch in Weilheim ist man optimistisch: „Wir sind mittlerweile eine gefestigte Mannschaft, können auch durchaus gegen Lenningen bestehen. Am Ende wird die Tagesform entscheiden“, sagt TSVW-Trainer Andreas Klöhn.jaf/xv

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