Lokalsport

Lob vom Bundestrainer

Die Kirchheimerin Anna Gabric ist derzeit Deutschlands stärkste U14-Spielerin

Sie will später einmal hoch hinaus – in der Damen-Weltrangliste. „Wenn ich es schaffe, Tennisprofi zu werden“, sagt die frischgebackene deutsche U14-Meisterin Anna Gabric aus Kirchheim, „dann will ich auch in die Top 10.“ Um ihr hoch ambitioniertes Fernziel zu verwirklichen, trainiert die Tochter des früheren TCK-Spielers Zoran Gabric derzeit an einer ­schweizerischen Eliteschule.

TCK- Tennis -  Nachwuchs-star Anna Gabric beim training
TCK- Tennis - Nachwuchs-star Anna Gabric beim training

Kirchheim. Es war ein echter Break in ihrem Leben. Seit Anna Gabric (14) im Frühjahr 2009 von der Teck-Real­schule Kirchheim abging und an die schweizerische Elite-Sportschule Thurgau (Kreuzlingen) wechselte, haben sich ihre Lebensumstände grundlegend geändert. Seitdem steht sie fast täglich bis zu vier Stunden auf dem Platz – früher, als Nachwuchsspielerin des TC Weilheim, waren es wesentlich weniger. Die geforderten Übungseinheiten vor den Augen der angestellten Tennislehrer finden vormittags und nachmittags statt. Dazwischen muss Anna Gabric, die Eishockey-, Fußball-, Handball- und andere Talente als Klassenkameraden hat, noch nicht-sportlichen Un­terrichtsstoff pauken: Mathe, Englisch, Deutsch, Geografie. Schulabschluss für die 14-Jährige ist im nächsten Jahr – geht alles glatt, hat Anna Gabric dann so etwas wie die mittlere Reife in der Tasche.

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Jeder ihrer Internatstage ist vollgepackt mit Lernstunden drinnen wie draußen. Manchmal fällt Anna Gabric vor Erschöpfung abends todmüde ins Bett, wenn um halb zehn die Schlafenszeit beginnt. Weil das Internatsleben trotz Bodensee und Alpenblick alles andere als Urlaub für sie ist („besonders das erste halbe Jahr war hart“), kommt ihr entgegen, dass Vater Zoran Gabric in Kreuzlingen lebt – bei ihm kann sie auch wohnen. Dagegen lebt ihre Mutter weiterhin 197 Kilometer entfernt in Kirchheim/Teck: Das Ehepaar hat sich 2007 getrennt. Die Absicht, ihrer Tochter die bestmögliche Tennis-Ausbildung zukommen zu lassen, haben Zoran und Stascha Gabric aber weiter gemeinsam. Intensiv fahndeten sie 2009 nach der passend(st)en Schule für ihre Tochter. Bis zum endgültigen Zuschlag für die Kreuzlinger Ausbildungsstätte verstrich ein halbes Jahr, während dem auch die später in Konkurs gegangene Oberschleißheimer Tennis-Akademie des früheren deutschen Daviscup-Trainers Niki Pilic kurzzeitig in Betracht gekommen war.

Inzwischen hat sich Anna Gabric am schweizerischen Internat nicht nur akklimatisiert, sondern auch eine wahre Leistungsexplosion erfahren. Den bisher größten Coup landete sie vor zwei Wochen bei den deutschen Jugend-Meisterschaften in Ludwigshafen, wo sie bei den U14-Juniorinnen nicht nur sensationell die DTB-Ranglistenerste Katharina Gerlach (TG Nord/7:5, 6:4) im Halbfinale aus dem Rennen warf, sondern auch noch den Titel durch einen 7:6, 6:0-Finalsieg über Lena Rüffel (Berliner SV) gewann. Fast genauso begeistert wie ihre Mutter war U14-Bundestrainer Hans-Peter Born (Erftstadt) vom Shooting star aus Kirchheim. „Anna hat in Ludwigshafen offensives, aggressives Tennis gezeigt“, lobte der DTB-Funktionär. Daneben hatte Born ein zweites Bonbon für Anna Gabric parat. Zusammen mit Katharina Gerlach fährt sie am heutigen Samstag zu den Europameisterschaften im tschechischen Pilsen (23. bis 29. Juli).

„Ich traue ihr zu, zwei, drei Runden im Einzelwettbewerb zu überstehen. Der Vorstoß ins Achtelfinale wäre hervorragend, der ins Viertelfinale fantastisch“, hält der DTB-Trainer auf die aktuelle Nummer 29 und bestplatzierteste Deutsche in der europäischen U14-Rangliste große Stücke. Im An­schluss an Pilsen wartet auf die Kirchheimerin mit den Mannschafts-Weltmeisterschaften in Prostejov (13.  bis 18. August) schon die nächste internationale Herausforderung.

Derzeit ist Anna Gabric in der Form ihres (jungen) Lebens. „Mein Aufschlagspiel und meine konditionelle Verfassung habe ich in Kreuzlingen stark verbessern können“, sagt sie über sich und weiß: Der Schulwechsel hat sich für sie sportlich schon ausgezahlt. Im Vorjahr kannten sie nur Insider – mittlerweile, nach diversen internationalen Turniererfolgen, DM‑Sieg und dem Titelgewinn bei den offenen Schweizer Meisterschaften, hat sie einen größeren Bekanntheitsgrad. Den zu steigern, ist ihr Ehrgeiz. Erst das Abitur machen mit 18, danach ins Profigeschäft einsteigen: das wär‘s für sie.

Dass Träume von heute auf morgen platzen können, hat Anna Gabric mit 14 längst realisiert. „Man weiß nie, was kommt im Sport“, sagt sie in weiser Voraussicht, „man kann eine schwere Verletzung erleiden oder einen Leistungseinbruch, der eine Karriere als Profi unmöglich macht.“ Den Plan B für einen Alternativberuf hat sie schon. „In diesem Fall würde ich studieren und später als Juristin oder Medizinerin arbeiten.“ Ihre Mutter nickt. „Wichtig ist allein“, sagt Stascha Gabric, „dass sie mit ihrem Beruf glücklich wird.“

Geht‘s nach Anna, liegt das größte Glück freilich im Center Court.