Lokalsport

„Manche Spieler haben geweint“

Lenninger Handball-Abstieg: Kapitän Bächle geht von Bord – Hader über Verletzungspech

Selten war ein Tag aufrüttelnder in der bewegten Handballgeschichte der SG Lenningen als der 23. April 2016: Nach der 18:32-Niederlage bei der HSG Rietheim/Weilheim und dem damit verbundenen Landesliga-Abstieg flossen bei den Spielern die Tränen.

Tuttlingen/Lenningen. Als feststand, dass die Mannschaft ausgerechnet im Jahr des 25-jährigen Bestehens zurück in die Bezirksliga muss, mutierte die Lenninger Handball-Mannschaft samt der mitgereisten 60 Fans in der Tuttlinger Ludwig-Uhland-Sporthalle

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geschlossen zur Trauergemeinde. „Alle waren geknickt“, konstatierte die aus Köln angereiste SG-Abteilungsleiterin Silvia Klein, „und manche Spieler haben geweint“. Zur tristen Stimmung passte die Meldung, dass Keller-Rivale TV Weilstetten II sein Schlussspiel zeitgleich verloren hatte – ein Auswärtssieg, und die SGL-Ballwerfer wären noch auf dem rettenden elften Tabellenplatz gelandet.

Tatsächlich fiel die Entscheidung, dass die SGL ihre Rolle des sportlichen Teck-Aushängeschildes nach einem Jahr schon wieder verliert, nicht in Tuttlingen, sondern in (Schlüssel-)Spielen zuvor. Wurzel allen Übels: die vermeidbare 28:31-Niederlage bei Schlusslicht TV Aixheim am 16. Januar. Es folgte ein 28:34 beim direkten Rivalen SG Herrenberg II – eine Niederlage, die umso mehr schmerzte, als der entnervte Trainer Markus Hornung nach einer Tätlichkeit am Zeitnehmer vom Handball-Verband Württemberg (HVW) auch noch fünf Spiele Sperre plus 300 Euro Geldstrafe aufgebrummt bekam und zwei Match-Verbannungen nun in die Bezirksliga-Saison 2016/17 übernehmen muss. Auch die Verlust-Partie gegen den TV Weilstetten II (25:30) hatten die Lenninger nicht auf der Rechnung, und die samstägliche 18:32-Abfuhr in dieser Höhe auch nicht. „Am Saisonende gingen unseren Spielern einfach die Körner aus“, machte SGL-Szenenkenner Roland Schilling finalen Kräfteverschleiss als eine der Hauptursachen für die Tabellen-Tauchfahrt hinunter auf Platz 13 aus. Ebenso wie Silvia Klein haderte auch der Teckboten-Mitarbeiter über die ständigen Spieler-Ausfälle in dieser Saison. „Unser Verletzungspech war extrem“. Austen, dem eine Schulter-OP droht, und Dauer-Pechvogel Chris Rieke waren nur zwei von einem halben Dutzend SG-Spieler, die Coach Hornung öfters abschreiben musste. Team-Routinier Marc Bächle wurde ebenfalls vermisst. Der Mann, der in Nürnberg Bauleiter ist, war beruflich in einigen Saisonspielen unabkömmlich: Seine Tore fehlten. Wegen permanentenTrainingsrückstandes verkündete er noch auf der Rückfahrt in Tuttlingen seinen Rücktritt.

Cotrainer Bruno Rieke (Foto: Markus Brändli) fand Bächles Entscheidung gar nicht gut, ist aber klug genug, der neuen Situation Rechnung zu tragen. Bei einigen Spielern wie Haid (beruflich), Austen (verletzt) und Schmid steht hinter einem Bezirksliga-Engagement noch ein Fragezeichen, und teure Neuzugänge sind in Lenningen

weiterhin ein Tabu. „Drei Spieler kommen von unserer A-Jugend im Sommer neu hinzu. Aus jetziger Sicht kann unsere Zielsetzung nicht der direkte Wiederaufstieg, sondern höchstens ein Spitzenplatz sein“, sagt Rieke. Zum Zeitpunkt des Abstiegs sass er nicht auf der Bank, sondern weilte als Firmen-Mitarbeiter auf der Hannover Messe.

Wie groß der (Image-)Schaden für die Handball-Hochburg Lenningen nach dem Landesliga-Aus ist? Nicht sehr groß – sagt Roland Schilling. „Wir müssen die Dinge realistisch sehen und akzeptieren, dass wir eine Fahrstuhlmannschaft sind“, betont er. Silvia Klein meint, dass dieser Abstieg für eine Gemeinde in der Größenordnung von Lenningen kein Beinbruch sei. Hochkarätigen Handball im Täle gibt es schließlich schon wieder am 22. Juli ab 20 Uhr in der Sporthalle: Dann trifft der Bundesliga-Fünfte Füchse Berlin auf einen zweiten Hochkaräter.Es wird das Topspiel zum 25. SGL-Jubiläum. Selbiges wollen die Lenninger ausgelassen feiern, Abstieg hin oder her.