Lokalsport

Medaillen für mehr Bewusstsein

Sarah Kornau aus Weilheim hat eine Organspende das Leben gerettet

Vor anderthalb Jahren hat sich ihr Leben schlagartig verändert. Sarah Kornau macht mit sportlichen Erfolgen auf das Thema Organspende aufmerksam.

Sportlich vielseitig begabt: Sarah Kornau will im Juli zur EM nach Finnland.
Sportlich vielseitig begabt: Sarah Kornau will im Juli zur EM nach Finnland.

Bremen. Es war der pure Wille. Mit letzter Kraft überquerte sie beim Mini-Marathon über drei Kilometer als Erste die Ziellinie und sank dann erschöpft aber glücklich zu Boden. „Ich war so außer Atem, dass ich beim anschließenden Interview keinen vernünftigen Satz mehr zustande gebracht habe“, erzählt Sarah Kornau schmunzelnd. In Bremen war sie eine von 84 Teilnehmern an den 37. offenen deutschen Meisterschaften für Transplantierte und Dialysepatienten.

Es war in Bremen nicht der einzige Erfolg der 33-jährigen Lehrerin aus Weilheim, die mit weiteren Goldmedaillen im 100-Meter-Lauf, Hochsprung und Tischtennis-Einzel sowie mit Silber im Tischtennis-Mixed ihre sportliche Vielseitigkeit unter Beweis stellte. Im Tischtennis liegt sozusagen ihre Kernkompetenz, denn Kornau geht für die Damen des VfL Kirchheim in der Kreisliga und manchmal auch in der Landesliga auf Punktejagd.

Bei aller Freude über die Medaillenflut bleibt sie bescheiden und verweist darauf, dass in Bremen nur wenige Konkurrentinnen mit ihr am Start waren. Sarah Kornau geht es nicht um die Anzahl der Medaillen. Sie ist glücklich, dass sie dabei sein durfte. Vor anderthalb Jahren änderte sich ihr Leben schlagartig. Die gebürtige Stuttgarterin war bis dahin kerngesund. „Plötzlich spürte ich, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte und nicht mehr genügend Kraft hatte, um zu atmen“, erinnert sich sie sich an die schlimmsten Stunden ihres Lebens. „Damals dachte ich, dass ich das nicht überleben würde.“ In letzter Sekunde rettete ihr eine Lebertransplantation in der Uniklinik in Tübingen das Leben.

Dafür ist die junge Frau dankbar, auch wenn sie seitdem viele Entbehrungen in Kauf nehmen muss. Ohne die vielen Tabletten, die sie täglich schluckt, wäre ihr Leben nicht möglich. Die Ansteckungsgefahr für Transplantierte ist erheblich, sie muss stets auf der Hut sein. Trotz ihres Schicksalsschlages hat sie sich nicht unterkriegen lassen. Sarah ist ins Leben zurückgekehrt. Dank ihres starken Willens und dank einer Leberspende: „Ich habe im letzten Jahr so viele – vor allem junge Menschen – kennengelernt, die nur dank einer Organspende überlebt haben. Sie können wieder arbeiten, treiben Sport und sind glücklich und dankbar, am Leben zu sein.“

Sarah weiß nur zu gut, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. Viele auf der Warteliste müssen sterben, weil es nicht genügend Spenderorgane gibt. Laut einer Umfrage sind 70 Prozent der Deutschen bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Doch nur 35 Prozent besitzen einen Organspenderausweis. Diese Diskrepanz ist beträchtlich und soll vor allem durch Information und Aufklärung verbessert werden.

Bei den Meisterschaften war dies auch die Botschaft von Bremens Bürgermeister Carsten Sieling: „Die Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, das wichtige Thema Organspende in das Bewusstsein der Menschen zu rücken.“ In Bremen waren auch Teilnehmer aus Österreich, Luxemburg, Italien und Irland am Start. Sie alle wollen in ihren Ländern die Menschen für diese Thematik sensibilisieren. Deshalb appelliert Sarah Kornau an jeden Einzelnen, „sich Gedanken darüber zu machen und – wenn sie einer Organspende offen gegenüberstehen – dies bei ihren Familien und durch einen Spenderausweis deutlich zu machen.“

Aus der Veranstaltung in Bremen zieht Sarah Kornau viel Kraft und Optimismus. Jetzt freut sie sich schon auf das nächste Highlight und den regen Austausch mit anderen transplantierten Sportlern: Im Juli startet sie mit dem deutschen Auswahlteam bei den Europameisterschaften in Vantaa (Finnland).

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