Lokalsport

Mit den Großen gegen die Uhr

Radsport Der Weilheimer Jannik Steimle feiert mit Vorarlberg Santic morgen in Innsbruck sein WM-Debüt. Das Teamzeitfahren könnte zum letzten Mal im Programm einer Weltmeisterschaft stehen. Von Bernd Köble

Mannschaftszeitfahren im Radsport setzt eiserne Disziplin und klare Regeln voraus. Das Team Vorarlberg Santic mit Jannik Steimle
Mannschaftszeitfahren im Radsport setzt eiserne Disziplin und klare Regeln voraus. Das Team Vorarlberg Santic mit Jannik Steimle (im Bild verdeckt) hat bei der WM in Innsbruck ein Heimspiel.Foto: Eisenbauer

Manchmal braucht es Glück, um zum richtigen Zeitpunkt am rechten Fleck zu sein. Zum ersten Mal seit Stefan Schumachers Bronze-Ritt 2007 in Stuttgart ist wieder ein Fahrer aus der Region bei einer Rad-WM mit dabei. Der Weilheimer Jannik Steimle steht im Aufgebot des Teams Vorarlberg Santic für das Mannschaftszeitfahren am Sonntag in Innsbruck. Es soll das letzte Mal sein, dass dieses Format im WM-Programm steht. 2019 in Yorkshire plant die UCI die Rückkehr zu reinen Nationen-Teams. Steimle kann es egal sein. Für ihn ist die WM der Lohn für ein starkes Jahr im Dress des österreichischen Continental-Rennstalls aus Rankweil mit acht Siegen und zahlreichen Top-Ten-Platzierungen, unter anderem zwei achten Plätze bei „Rund um Köln“ und bei den Deutschen Straßenmeisterschaften.

Erfolge, die nicht unbemerkt geblieben sind. Inzwischen strecken die ersten Worldtour-Teams ihre Fühler nach dem 22-Jährigen aus, der in Österreich noch einen Vertrag bis 2019 hat. Spätestens nach dem letzten Saison-Höhepunkt, der siebentägigen Tour of Hainan Ende September in China, soll Klarheit herrschen. „Ich fühle mich wohl hier im Team“, sagt Steimle. „Ich bin aber auch bereit für neue Aufgaben.“ Die bisher größte wartet morgen in Innsbruck. Zu wissen, dass die Form stimmt, beruhigt, auch wenn der Zeitfahrkurs schwer ist und im Schlussabschnitt eine vier Kilometer lange Kletterei mit bis zu 13 Prozent bereithält. Dass er zumindest auf Mittelgebirgsetappen gut über die Berge kommt, hat der Jungprofi zuletzt bewiesen, als er sich bei Rundfahrten in Luxemburg und Tschechien zweimal das Bergtrikot angelte.

Vier von sechs Fahrern eines jeden Teams müssen bei der WM das Ziel erreichen. Steimle, der neben seinem Schweizer Teamkollegen Gian Friesecke als bester Zeitfahrer gilt, will einer davon sein. Dafür müssen die Beine gut sein, wie er sagt. „Wenn du einen schlechten Tag erwischst, dann leidest du richtig.“ Steimle: „Hier gibt es nur eines: eine Stunde lang voll am Limit - aber mit Kopf.“ Zwölf Worldtour-Teams sind am Start. Darunter das Team Sky und Titelverteidiger Sunweb. Das Ziel der Vorarlberger: beste Equipe Österreichs zu sein. Größter Konkurrent dabei ist Steimles Ex-Arbeitgeber, das Team Felbermayr aus Wels.

Seit Donnerstag ist er mit der Mannschaft in Innsbruck. Nach der Streckenbesichtigung und einem Ruhetag gestern ist heute offizielles Training auf dem 62,8 Kilometer langen Kurs vom Freizeitpark „Area 47“ im Ötztal bis in die Innsbrucker Altstadt. Dabei gilt es, die richtige Abstimmung zu finden. Wer fährt hinter wem, wann wird gewechselt, welche Funk-Kommandos kommen aus dem Teamfahrzeug? Ein Großteil der Strecke führt flach durchs Inntal, wo Geschwindigkeiten in der Ebene bis 70 Stundenkilometer erreicht werden. Da kann jeder Fehler fatale Folgen habe. Nervosität? „Die kommt wahrscheinlich erst am Start“, sagt Jannik Steimle.

Alle Fakten zum Team-Zeitfahren

Termin: Sonntag, 23. SeptemberStart: 14.40 Uhr (erstes Team), Area 47, Ötztal Ziel: 17.05 Uhr Innsbruck (Hofburg)Distanz: 62,8 Kilometer Höhendifferenz: 427 Höhenmeter Steilster Anstieg: Von Kematen nach Axams (13 Prozent) Team Vorarlberg: Patrick Schelling (SUI), Lukas Rüegg (SUI), Gian Friesecke (SUI), Davide Orrico (ITA), Jannik Steimle (GER) Eurosport überträgt ab 15 Uhr live.

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