Lokalsport

Moll trifft Dur im Kampf um die erste Geige

Handball Kirchheim und Lenningen trennen in der Bezirksliga nur drei Plätze. Mit Blick aufs Selbstvertrauen vor dem heutigen Derby sind es Welten. Von Bernd Köble

Ein Trainer als Gesprächstherapeut: Bruno Rieke (Mitte) muss vor dem Auswärtsduell in Kirchheim Blockaden in den Köpfen seiner S
Ein Trainer als Gesprächstherapeut: Bruno Rieke (Mitte) muss vor dem Auswärtsduell in Kirchheim Blockaden in den Köpfen seiner Spieler lösen.Foto: Genio Silviani

Über die Besonderheit von Derbys ist eigentlich genug gesagt und geschrieben. Zumindest für Bruno Rieke, Handballtrainer der SG Lenningen, ist dennoch nicht jedes Derby gleich. 20 Jahre lang hat er das Trikot des VfL Kirchheim getragen. Von der Jugend bis zu den Glanzzeiten des Vereins in der damaligen Oberliga. An der Seite von Lokal-Heroen wie Michael Theil oder Enrico Wackershauser. Am Ende seiner aktiven Zeit kam er noch einmal zurück als Spielertrainer in der Verbandsliga.

Heute Abend (19.30 Uhr) muss „Fackel“, der einstige Außen beim VfL, in der Halle seiner größten Erfolge zeigen, dass er das Geschäft noch immer beherrscht. Auch wenn die Aufgabe in diesen Tagen eine völlig andere ist. Beim Landesliga-Absteiger in Lenningen herrscht tiefe Ratlosigkeit. Drei Wochen Spielpause im November hat die Mannschaft völlig aus der Bahn geworfen. Der gute Saisonauftakt mit fünf Siegen – vergessen. Der Faden gerissen, viermal in Folge hat die SG zuletzt verloren. Der vorläufige Tiefpunkt: 32 Gegentreffer am vergangenen Samstag gegen den Tabellen-Drittletzten aus Wolfschlugen.

„Was im Moment passiert, ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln“, nimmt Rieke kein Blatt vor den Mund. Seiner jungen Mannschaft ergeht es ähnlich. Man geht offen und selbstkritisch mit der Lage um. Geholfen hat es bisher wenig. Der Trainer weiß: Draufhauen bringt nichts. Das schafft nur neue Verunsicherung. „Die lange Spielpause hat uns geschadet. Jetzt müssen wir schauen, dass wir den Faden wieder finden.“

Dass ihm dabei ein anderer Gegner heute lieber wäre, keine Frage. „Wenn wir uns heute nicht deutlich steigern“, sagt Rieke, „dann haben wir ganz schlechte Karten.“ Der VfL taugt in diesen Tagen definitiv nicht zum Aufbaugegner. Nur einen Fehltritt haben sich die Kirchheimer in dieser Saison geleistet. Am ersten Spieltag in Owen war das Team von Engelbert Eisenbeil noch nicht auf Betriebstemperatur. Danach verschenkte man einen Punkt zu Hause gegen den Topfavoriten aus Köngen, gegen den kommende Woche bereits das Rückspiel im Kalender steht.

Der jüngste Auswärtserfolg am vergangenen Samstag in Ebersbach wirkte über weite Strecken mühelos. Und das, obwohl mit Roman Keller und Leonard Real zwei wichtige Stützen fehlten. Keller ist heute wieder mit dabei. Real steht nach einer Urlaubsreise erst gegen Köngen wieder zur Verfügung. Wie gut man beim VfL inzwischen auf Automatismen im Spiel vertrauen kann, zeigt das Beispiel Matthias Mikolaj. Der lange verletzte Mittelmann studiert in Österreich, stand in Ebersbach zum ersten Mal in dieser Saison für den VfL auf dem Spielfeld und vertrat dort Keller, als wäre er nie weg gewesen. Ein handballerischer Mini-Job, der den Kirchheimern gut tut, von dem jedoch nichts auf dem Weg zum Erfolg abhängt.

Während man in Lenningen die Rolle des Außenseiters für heute gerne annimmt, sagt die Statistik etwas anderes. Die beiden letzten Aufeinandertreffen glichen einem Krimi. Zwar beide Male mit der SG als Opfer. Doch jeweils entschied nur ein einziger Treffer die Partie. Sollte es heute Abend wieder so sein, ginge für Bruno Rieke die Welt deshalb nicht unter: „Hinterher sitzen wir zusammen, egal wie es ausgeht.“

Anzeige