Lokalsport

Nach dem Liga-Showdown winkt nun die Krönung

Turnen Die VfL-Turner lassen der TG Hanauerland beim 54:27 keine Chance und kämpfen nun am Samstag in Singen um den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Von Heiko Paul

Wenn der Vater mit dem Sohne: VfL-Trainer Mathias Pohl und Filius Moritz hatten in der Raunersporthalle gut lachen. Foto: Markus
Wenn der Vater mit dem Sohne: VfL-Trainer Mathias Pohl und Filius Moritz hatten in der Raunersporthalle gut lachen. Foto: Markus Brändli

Der renommierte Singener Stadtturnverein richtet vom 25. bis 27. November die Aufstiegsfinals der Deutschen Turnliga aus. Dort wird ein Großteil der nationalen Turnelite am Start sein und sich um die begehrten Aufstiegsplätze zur ersten, zweiten und dritten Bundesliga balgen – mittendrin das Drittliga-Team des VfL Kirchheim, das sich gegen den Meister der dritten Bundesliga Nord, die KTV Ries, beweisen muss. Bei einem Sieg stünde der Aufstieg in die zweite Bundesliga fest.

Möglich gemacht hat dies der 54:27-Heimsieg über die TG Hanauerland. Das Duell um den zweiten Rang in der dritten Liga hatte sich schon nach den ersten Wettkämpfen der Saison angekündigt. Der VfL und die TG Hanauerland waren ihren Gegnern deutlich überlegen. Einzig der TV Schiltach war den beiden gewachsen – beide hatten gegen den Meister 2016 ihre einzige Niederlage bezogen.

Dass es zum Showdown um den zweiten und dritten Platz der Liga in der Kirchheimer Raunersporthalle kam, hatte der Turnkalender schon lange im Vorfeld bestimmt – für die Turner und Zuschauer jedenfalls war es ein packender Wettkampf.

Zum Auftakt das Duell am Boden. Gewohnt sicher zeigte Simon Paul seine Kür, doch Hanauerland setzte sofort den belgischen Nationalturner, unangefochten Topscorer der dritten Liga, dagegen. Da gab es für den Kirchheimer nichts zu holen, obwohl er die zweitbeste Übung aller Bodenturner zeigte. Als Markus Bay dann nach kleinen Unsicherheiten auf den Boden griff, ging auch er leer aus, und Hanauerland lag 8:0 in Front. Julian Hausch und ein souverän turnender Manuel Halbisch besserten das Ergebnis auf immerhin 8:6 auf.

Am Pauschenpferd startete Manuel Hofmann glänzend, holte vier Score-Punkte. Doch das blieben die einzigen an diesem Gerät: Marcus Bay und Henning Weise gingen leer aus, ebenso wie Julian Hausch. Ihn ereilte das gleiche Schicksal wie zuvor seinen Mannschaftskameraden Simon Paul: Zweitbeste Übung aller Pferdturner, aber gegen Maxime Gentges war nichts zu holen. So lagen die Badener nach zwei Geräten sogar mit 16:10 Punkten in Führung.

Die Wende kam an den Ringen: Waldemar Guillard holte mit seiner kraftbetonten Übung drei Punkte, Marcus Bay verlor nach schwungvollem Vortrag nur einen Punkt gegen Maxime Gentges – der nach einem spektakulären Sturz nochmals ans Gerät ging – Henning Weise holte vier und Julian Hausch gar fünf Score-Punkte. Er brachte damit zur Pause den VfL mit 22:17 in Führung – aufatmen bei den vielen Kirchheimer Zuschauern, lange Gesichter bei der Badener Kolonie.

Die VfL-Gala ging am Sprung weiter: Vier mal Tsukahara gestreckt mit Schraube von Manuel Hofmann, Simon Paul, Manuel Halbisch und Marcus Bay. Da hielt nur Maxime Gentges mit, der nur ein Score-Pünktchen ergatterte, die Kirchheimer aber deren zwölf. Am Barren holten Julian Hausch, Moritz Pohl und Marcus Bay mit spektakulären, fehlerfreien Übungen insgesamt acht Punkte. Simon Paul gab gegen Maxime Gentges, der eine elegante Barrenübung mit extrem hohem Schwierigkeitsgrad zeigte, vier Score-Punkte ab. Doch das war kaum zu verhindern und zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verschmerzbar, lagen die Kirchheimer vor dem Reck mit 42:22 Punkten in Front.

Als Simon Paul das erste Reck-Duell mit vier Punkten für sich entschied und Julian Hausch noch einen Fünfer einfuhr, hätten selbst gröbste Kirchheimer Fehler den Hanauern nicht mehr zu einem Sieg gereicht. Die beiden sehenswerten Übungen zum Abschluss am Königsgerät von Moritz Pohl und Marcus Bay sorgten nicht nur für den überlegenen 54:27-Sieg, sondern auch für eine tolle Stimmung in der Halle.

Am Samstag geht es für den VfL als Vizemeister in Singen um die Wurst: VfL-Coach Matthias Pohl dämpft die Erwartungen allerdings: „Wir sind Außenseiter, die KTV Ries hat dieses Jahr regelmäßig zehn Punkte mehr als wir geturnt.“ Ein Wunder bleibt jedoch nicht ausgeschlossen.

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