Lokalsport

Nackte Tatsachen für eine gute Sache

Die Landesligakicker der SG Bettringen ziehen blank für die Landesgartenschau und gegen Homophobie

Die Weilheimer Landesliga-Kicker wären gerne in die Hosen gestiegen, um den Betriebsunfall gegen Frickenhausen vergessen zu machen. Doch der Terminonkel bescherte dem Hübbe-Team ein spielfreies Wochenende. Lebhafte Action dagegen bei der SG Bettringen. Der Neuling hat für die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd die Hosen runtergelassen.

Ein echter Hingucker: Die Bettringer Landesligakicker haben für die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd die Hüllen fallen lass
Ein echter Hingucker: Die Bettringer Landesligakicker haben für die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd die Hüllen fallen lassen. Foto: Paul Stadelmaier

Gmünd. 15 Meter breit und vier Meter hoch ist das Transparent, das an der Vorderfront des Parkhauses neben dem Gmünder Bahnhof hängt. Ein absoluter Hingucker. Es zeigt elf Astralkörper nackt wie Gott sie schuf. „Wir geben unser letztes Hemd für die zweite Hälfte“ lautet der Bettringer Werbeslogan für den Endspurt der Gartenschau, die Mitte Oktober zu Ende geht. Mag sein, dass ein geschickter Retuscheur bei den Sixpacks und Waschbrettbäuchen etwas nachgeholfen hat. Egal: Die Kampagne, mit der die Kicker auf Initiative des schwulen Gmünder Oberbürgermeisters Richard Arnold auch für die Berliner Erklärung gegen Homophobie und Rassismus demonstrieren, wurde dadurch nur attraktiver. Tatsächlich hat der Andrang zugenommen, seit das Banner hängt. Mit bisher über einer Million Besuchern wurden die Erwartungen der Gartenschau-Planer deutlich übertroffen.

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Sex sells, aber bisher profitierte nur die Stadt Gmünd. Der SG Bettringen hatte die Good-Will-Aktion nichts gebracht. Außer manch dämlichen Kommentar in diversen Internetforen („was sollen Bettringer auch anders machen als nackig im Bett ringen“). Die ließen sich ja noch verschmerzen. Mehr weh taten die sportlichen Misserfolge nach dem Fototermin. Bis sich die Jungs im Adamskostüm gestern endlich auf den Hosenboden setzten und bei Mitaufsteiger TSV Buch den ersten Saisonsieg landeten (3:1).

Nach dem Fehlstart drei Niederlagen und den Turbulenzen um den Abgang der fünf „Rebellen“ zogen die Macher des 1. FC Frickenhausen die Hosen stramm und machten sich auf die Suche nach Ersatz. Mit der Verpflichtung von Tarik Serrour (22) gelang ein echter Coup. Der Mittelfeldspieler des SV Ebersbach, der in der Jugend auch schon beim VfL Kirchheim gespielt hat, wurde in Geislingen eingewechselt und unterstrich beim überraschenden 3:0 mit zwei Treffern gleich seine Qualitäten. Mit ihm kamen die Zwillinge Hadis (Abwehr) und Haris Grahic (Tor) aus Ebersbach sowie Ismail Oguz (Mittelfeld) von der TSG Balingen ins Täle. Einen Zusammenhang zwischen den Abgängen und der sportlichen Trendwende sehe er nicht, versichert der stellvertretende Spielleiter Günther Prerauer.

Wer gegen den 1. FC Heiningen spielen muss, dem rutscht das Herz schon mal in die Hose. So wie dem TV Echterdingen um Trainer Alexandar Kalic, dessen Team im furiosen Angriffswirbel des Tabellenführers mit 0:5 unterging. Die torgefährlichen Franco Petruso (26) und Gökhan Gümüssu (25) ragen aus einer schlagkräftigen Heininger Mannschaft noch heraus. Gümüssu war früher Regionalligaspieler bei 1860 München und ist jetzt nach zwei Jahren bei Gencerbirligi in der ersten türkischen Liga in Heiningen gelandet. Beide zusammen erzielten sechs der elf Tore. Für TSV-Spielleiter Günther Friess führt der Weg in die Verbandsliga nur über das „Black&Yellow“-Team des jungen Trainers Tobias Flitsch (34): „Wer zweimal hintereinander in der Relegation war, gehört zu den Topfavoriten“, weiß Friess.

Mit der Wiedergutmachung für den Ausrutscher gegen Frickenhausen muss sich der TSV Weilheim bis zum kommenden Freitag gedulden. Dann kreuzt der SC Geislingen unter der Limburg auf. Friess: „Die Spielpause kommt uns gelegen.“ Abgesehen von den drei Angeschlagenen Emrah Polat, Fatih Özkahraman und Markus Gabriel, die ein paar Tage für ihre Regeneration gewonnen haben. Gut auch für Neuzugang Marco Parrotta (26), der noch Zeit braucht, um sich nach dem Blitzwechsel von Frickenhausen nach Weilheim besser in die Mannschaft integrieren zu können. „Mit ihm sind wir flexibler geworden. Er kann auf mehreren Positionen spielen“, betont Friess.

Schnell eingelebt bei seinem neuen Verein TSV Bad Boll hat sich Tim Lämmle. Der Ex-Dettinger durfte gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen von Anfang an ran und rechtfertigte das Vertrauen von Trainer Mirko Doll beim 2:2 mit seinem ersten Saisontor.

Derweil steht Verbandsliga-Absteiger SV Bonlanden nach Spieltag fünf schon mit ziemlich kurzen Hosen da. Beim TSV Köngen setzte es eine 2:3-Niederlage, die Philipp Zeller mit einem Strafstoßtor in der zweiten Minute der Verlängerung besiegelte. Vorher hatte Lukas Hermann zweimal getroffen.