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Neue Mission für Ritter Löwenherz

Basketball Bei den Knights hat sich vor dem morgigen Heimduell gegen Karlsruhe wenig geändert. Tre Burnette sitzt erkältet als Joker auf der Bank. Von Bernd Köble

Den Gegner kalt erwischt: Charles Barton (links) und die Knights erlebten im Hinspiel im Dezember in der Karlsruher Europahalle
Den Gegner kalt erwischt: Charles Barton (links) und die Knights erlebten im Hinspiel im Dezember in der Karlsruher Europahalle eine Sternstunde.Foto: Tanja Spindler

Am Tagesablauf hat sich wenig geändert. Auf den morgendlichen Runden, die Michael Mai und Mischlings-Rüde Billy gemeinsam drehen, geht es über Stock und Stein. Doch statt vom Kirchheimer Schafhof Richtung Teck fällt sein Blick vom Karlsruher Nordostteil hinüber zum Wildparkstadion in der Nähe seiner Wohnung. Morgen Abend ist Michael Mai für ein paar Stunden zurück an dem Ort, der drei Jahre lang sein Arbeitsplatz war. Ein noch besserer Trainer zu sein, lautet sein simpler Vorsatz fürs neue Jahr. Das heißt vor allem: aus den Fehlern im Hinspiel zu lernen und das Parkett in der Sporthalle Stadtmitte als Sieger zu verlassen.

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Ein Spiel wie jedes andere? Für einen guten Trainer muss es das sein. Wäre da nicht die andere Seite, die ihn seit Jahren vor die Frage stellt, was wichtiger zu sein hat: sportlicher Erfolg oder die Menschen, die ihn begleiten? Der Amerikaner kennt das Geschäft, aber er ist kein abgebrühter Profi, den solche Momente kalt ließen. Deshalb wird er am Freitag, wie er sagt, mit einer Gänsehaut die Halle betreten und zum ersten Mal rechts des Anschreibertischs seinen Platz einnehmen. „Die Leute hier in Kirchheim sind mir ans Herz gewachsen“, gesteht Michael Mai. „Daran hat sich nichts geändert.“

Spätestens nach dem Sprungball wird kein Platz mehr sein für Sentimentalitäten. Kalt erwischt wurde der Tabellenvierte im Hinspiel im Dezember, weil er sich zu sehr auf die beiden US-Guards Barton und Collins konzentrierte und dadurch Distanzschützen wie Koch und Allen Freiräume ließ, die diese gnadenlos nutzten.

Dass Ähnliches morgen wieder passieren könnte, damit rechnet auch Knights-Coach Anton Mirolybov nicht. Schon allein deshalb, weil mit Koch, der im Hinspiel zur Schlüsselfigur wurde, nach seinem Muskelfaserriss noch nicht zu rechnen sein wird. Die Qualitäten von Neuzugang Tre Burnette, erst seit vergangener Woche in Kirchheim, kennt der Coach dagegen allein aus Videos. Trainiert hat der 24-jährige, der beide Forward-Positionen spielen kann, wegen einer Erkältung bis gestern noch keine Minute. Am Freitag soll er zumindest auf der Bank sitzen.

Alles wie gehabt also. Wie tief der Frust sitzt beim Trainer? „Dass seit über einem Monat nicht vernünftig trainiert werden kann, ist das Einzige, was frustriert“, sagt Mirolybov. „Mit allem anderen bin ich zufrieden.“ Alles andere, das sind vor allem Kampfbereitschaft und Charakter, die ihn veranlassten, sich nach der Niederlage in Crailsheim mit stolzer Brust vor seine Mannschaft zu stellen. Mirolybov bleibt nicht viel mehr, als auszuharren. „Die Saison ist trotz allem noch lang“, sagt er. „Wenn Tim und Brian zurück sind, können wir mit dieser Mannschaft noch viel erreichen.“

Das will auch sein Kollege Michael Mai, dem mit einem völlig neu formierten Team, hinter dem „viele Fragezeichen standen“, wie er sagt, nach dem Aufstieg die große Überraschung gelang. Eine phasenweise wilde Truppe mit vielen Rookies, der ausgerechnet einer Stabilität verleiht, der früher mal ein Kirchheimer war: Richie Williams hat sich zum Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Lions entwickelt, die zuletzt beim deutlichen Heimsieg gegen Hagen mit viel Defensivkraft von der Bank unterstrichen, was ein tiefer Kader bewirken kann.

Der Respekt vor den Kirchheimern ist dennoch groß. Ob er die Nacht nach dem Spiel nutzen werde, um sich in Kirchheim mit Freunden zu treffen? „Mein Platz ist im Bus bei der Mannschaft“, sagt Michael Mai. „Erst recht, sollten wir verlieren.“