Lokalsport

Nichts für Warmduscher

Wegen Legionellengefahr gibt es im Stadion seit Juni nur kaltes Wasser – Abhilfe zum Wochenende

Ob sie gewinnen oder verlieren ist völlig egal – Kirchheims Fußballer erleben nach jedem Heimspiel eine kalte Dusche. Schuld daran sind Legionellen.

Duschen auf eigene Gefahr: In den Sanitärräumen im Stadion herrscht Legionellen-WarnungFoto: Carsten Riedl
Duschen auf eigene Gefahr: In den Sanitärräumen im Stadion herrscht Legionellen-WarnungFoto: Carsten Riedl

Kirchheim. Warmduscher oder echte Männer? VfL-Spielertrainer Markus Schweizer weiß, dass er im Kampf um den Klassenerhalt in der Bezirksliga eher letztere braucht. Entscheidend is‘ aufm Platz? Von wegen. Wer den nötigen Biss hat, wer keine Schmerzen kennt, das zeigt sich seit Juni erst nach dem Spiel. Genauer gesagt, beim Duschen. Körperhygiene nach dem Sport ist im Kirchheimer Stadion ein Feld für die ganz Harten. Auch aber nicht nur, weil dort Kerkerluft durch die Kabinengänge weht und die Uhr seit Turnvater Jahns Zeiten still zu stehen scheint. Vielmehr deshalb, weil der Hausmeister den Hahn fürs Warmwasser abgedreht hat. Nicht aus Bosheit, sondern auf Geheiß von Stadt und Gesundheitsamt.

Der Grund: Legionellen. Fiese Bakterien, die sich über Wasserdampf eingeatmet in der Lunge einnisten und schlimmstenfalls lebensbedrohlich werden können. Bakterien, die sich umso wohler fühlen, je maroder und vergammelter ihr Habitat. Der Sanitärbereich im Stadion – ein Paradies. Eine der regelmäßig entnommenen Proben, zu denen die Stadt verpflichtet ist, hat im Juni eine solche Konzentration ergeben, dass nichts weiter blieb, als den Hahn zuzudrehen. Kalt kann noch geduscht werden, ohne Gefahr.

Betroffen sind seitdem nicht nur die Fußballer des VfL, sondern alle Sporttreibenden im Stadion samt Schulen, die dort einen Teil ihres Sportunterrichts abhalten. VfL-Chefin Doris Imrich, der die angeblich dürftige Informationspolitik der Stadt sauer aufstößt, wird deutlich: Die Sanitäranlagen seien in einem derart desolaten Zustand. „Ein Armutszeugnis für die Sportstadt Kirchheim.“ Zumal Bilder, die ins Auge knallen, wie man weiß, immer vom Kontrast leben: Direkt neben der finstersten Nasszelle der Stadt öffnet kommende Woche das neue Vereinszentrum des VfL als Wellness-Oase seine Pforten. Das passt ungefähr so wie der Smoking zur Sandale.

Die gute Nachricht: Pünktlich zum Ferienende soll die Kaltfront weichen und zumindest unterm Brausekopf im Stadion wieder ein wohliges Klima herrschen. Die Legionellen sind dann zwar immer noch da, aber nicht mehr im Duschwasser. „Wir haben Filter bestellt, die spätestens bis zum Wochenende eingebaut sein werden“, verspricht der zuständige Amtsleiter im Kirchheimer Rathaus, Wolfgang Zimmer. Für ihn ist das Problem weder neu noch besonders angenehm. Im aktuellen Haushalt ist kein Geld für eine grundlegende Sanierung, auch mittelfristig nicht. Bleibt nur die kleine Lösung. Doch auch die ist nicht billig. „Die Filter sind teuer und müssen bereits nach kurzer Zeit wieder ausgetauscht werden“, sagt Zimmer. Weil Legionellen ab einer Wassertemperatur von sechzig Grad absterben, habe man sich bisher damit beholfen, das ganze System in regelmäßigen Abständen hochzuheizen. Doch zuletzt half auch das nichts mehr.

In Schulen und Sporthallen sind Legionellen kein seltenes Phänomen. In Kirchheim tauchte das Problem zuletzt vor zwei Jahren auf. In der Walter-Jacob-Halle beim Schlossgymnasium wird inzwischen umfassend saniert. In der LUG-Sporthalle ist dies bereits geschehen. Filter, wie sie jetzt im Stadion verbaut werden, stecken auch in den Duschköpfen der Sporthalle Stadtmitte. „Wir sind Schritt für Schritt dabei, die Situation zu beheben“, versichert Wolfgang Zimmer, muss aber einräumen: „Letztlich hecheln wir dem Problem hinterher.“ Die überwiegende Mehrheit der VfL-Kicker hat sich nach dem gestrigen Pokalspiel übrigens für die Dusche daheim entschieden. Warm.

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