Lokalsport

Herbst

Als Dreikäsehoch machte er auf den Bürgerseen bei der Hahnweide oder auf den Baggerseen bei Wernau seine ersten Gehversuche auf Schlittschuhen. Als gestandener Eishockeycrack will der 25-jährige Ralf Herbst mithelfen, die SC Bietigheim-Bissingen Steelers in die Zweitliga-Play-offs zu bringen. „Das schaffen wir noch“, ist der gebürtige Kirchheimer überzeugt.
Die Saison lief bisher eher enttäuschend für die Mannschaft aus dem Ellental, die vor zwei Jahren noch Zweitligameister war. Mit 35 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Schwenningen belegt sie momentan Platz zehn im 13er-Feld. Damit haben die Steelers immerhin die Chance, sich für die Play-offs der besten Acht zu qualifizieren. Als Zehnte in der End­abrechnung bestünde die Möglichkeit, sich über die sogenannten Pre-Play-offs mit den vier Teams auf den Rängen sieben bis zehn einen der zwei begehrten Plätze zu sichern. Für dieses Ziel haben sich die Steelers noch einmal verstärkt – mit Verteidiger Ralf Herbst aus der Teck-Metropole, die nicht unbedingt als Eishockey-Hochburg gilt. „Ich kenne ihn aus meiner Arbeit als Jugendcoach. Er ist ein robuster Abwehrspieler mit einem starken Schuss. Mit ihm sind wir flexibler“, sagt Trainer Danny Held.
Herbst ist auf Schlittschuhen aufgewachsen. Im Alter von acht Jahren hat er bei den Bambinis in Wernau mit Eishockey begonnen. Als Zwölfjähriger wechselte er nach Esslingen, zwei Jahre später ging er nach Bietigheim und wurde mit den Steelers Junioren Bundesligameis­ter. Über ein einjähriges Gastspiel in Weiden, wo er seine Verlobte kennenlernte, führte ihn sein Weg zu den Rostock Piranhas in die Oberliga Nord. Nach zweieinhalb Jahren in der dritten Liga kehrte er nun nach Bietigheim zurück.
Danny Held baute den 25-Jährigen mit den Gardemaßen 1,88 Meter und 98 Kilogramm in die dritte Reihe ein, in der Herbst auf Anhieb durchspielte. Mit wechselndem Erfolg für ihn persönlich. Einem Torassist in Dresden (1:3) folgten zwei Zwei-Minuten-Strafen beim 1:0 nach Verlängerung gegen Ravensburg und beim 3:4 in Landshut. „Das Tempo ist wesentlich höher als in der dritten Liga“, sagt er. Darauf muss er sich erst einstellen. Das scheint ihm gelungen zu sein: Vergangenen Freitag gelang Herbst mit dem 2:1-Führungstreffer gegen die Eispiraten Crimmitschau sein erstes Saisontor. Am Ende gewannen die Bietigheimer mit 4:3 nach Verlängerung.
Bietigheim ist die vorläufige Endstation seiner Odyssee. Langfristiges Ziel: Mit den Steelers in die DEL aufzusteigen. Dazu muss der Verein neben den sportlichen allerdings auch erst die äußerlichen Voraussetzungen schaffen. Die alte Halle  ist nicht erstligatauglich. Das und die oft enttäuschenden Leistungen haben den Zuschauerschnitt auf knapp Tausend schwinden lassen. Der Ex-Kirchheimer ist zuversichtlich, dass sich bald alles zum Guten wendet, auch mithilfe von Hauptsponsor Porsche: „Die Gespräche über eine neue Halle verlaufen vielversprechend.“


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