Lokalsport

Ökonomisch, praktisch, gut

Basketball: Das nächste Lehrbeispiel für Kirchheimer Effizienz: Die Knights dominieren keinen Gegner, finden aber stets die passenden Antworten. Von Bernd Köble

Ist auf bestem Weg, zum dominantesten Spieler der gesamten Liga zu werden: Jonathon Williams (Mitte) legt Woche für Woche Top-St
Ist auf bestem Weg, zum dominantesten Spieler der gesamten Liga zu werden: Jonathon Williams (Mitte) legt Woche für Woche Top-Statistiken auf.Foto: Tanja Spindler

Es bleibt dabei: Die Knights tun nicht mehr als nötig, um erfolgreich zu sein. Auch gegen den Tabellen-Drittletzten aus Baunach wurde es zwischendurch mal wieder eng. Zwischen einer komfortablen 37:22-Führung im zweiten Viertel und dem Ausgleich zum 39:39 lagen knapp fünf Minuten Spielzeit und ein Kabinengang. Ihren Spaß am Nervenkitzel bewahrten sich die Ritter diesmal zumindest nicht bis zum Schluss. Beim Stand von 58:57 kurz vor Ende des dritten Durchgangs setzte sich die Einsicht durch, dass man aus einem deutlichen Plus an Reife und Lebensjahren gegenüber dem Gegner schon mal einen Vorteil ziehen kann. Baunachs wöchentliche Castingshow fürs Hauptprogramm nebenan in der Brose Arena war diesmal jedenfalls nur phasenweise unterhaltsam. 17 Turnovers seiner Mannschaft - drei mehr als der Gegner, der im Schlussabschnitt die Nerven verlor - konnten Kirchheims Coach Michael Mai nicht gefallen. Doch was soll‘s: Gewonnen ist gewonnen. Zum sechsten Mal in Folge. Die Knights bleiben 2017 ungerupft. Manche meinen: unglaublich.

Der Sieg gegen die Oberfranken - der x-teTriumph über den Konjunktiv in dieser Saison. Natürlich hätte alles ganz anders laufen können. Hätte Baunachs Rebound-Automat Leon Kratzer nicht krank daheim im Bett gelegen, hätte das 19-jährige Riesen-Talent Arnoldas Kulboka bei seinen zehn Dreier-Versuchen nur annähernd soviel Glück gehabt wie die Woche zuvor gegen Hanau oder hielte man es mit Baunachs Coach Fabian Villmeter, der fand: „Wir hätten auf dem Weg zum Korb ab und zu mal einen Pfiff erhalten können. Das hätte geholfen.“ Kratzers Ausfall war ein Bonus, das musste auch Michael Mai zugeben. Der Rest war Kirchheimer Effizienz, auch wenn der Trainer kritisiert: „Wir haben uns zwischendurch vor allem in der Defensive zu viele Durchhänger geleistet.“

Immerhin musste auch er an empfindlicher Stelle geschwächt in die Partie gehen: ohne Spielmacher Carrington Love, den es seit dem Köln-Spiel in der Leiste zwickt und der vor dem Doppel-Spieltag mit zwei Heimauftritten geschont wurde. Eine reine Vorsichtsmaßnahme. „Ich gehe davon aus, dass er gegen Nürnberg und Essen spielt“, gab Michael Mai gestern Entwarnung. Williams, Kronhardt, Love, das sind die Drei, die in dieser Saison so häufig den Unterschied ausmachen. Zumindest auf dem Papier. Dabei ist einer, der seltener spektakuläre Statistiken auflegt, der eigentliche Held der gegenwärtigen Erfolgsgeschichte - auch für den Trainer: Tim Koch ist der Mann, der in der Defensive die Stars beim Gegner an die Leine legt, ohne in Verdacht zu geraten, selbst ein Star sein zu wollen. „Tim ist mein persönlicher MVP in dieser Saison“, sagt Michael Mai. „Weil er den Job macht, den kaum einer sieht.“

Nach der Chemnitzer Heimniederlage gegen Crailsheim gehen die Knights nun also mit einem Sechs-Punkte-Polster auf Platz vier ins lange Heimspiel-Wochenende. Gegen Gegner, die schwer angezählt sind: Nürnberg verlor zuletzt dreimal hintereinander, Essen steht nach der vierten Pleite in Serie inzwischen sogar auf einem Abstiegsplatz. In Kirchheim heißt das: Spannung garantiert.

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