Lokalsport

Ohne Moos nix los in der siebten Liga

Fußball Seit dem Weilheimer Aufstieg 2010 hat es kein Teckverein mehr in die Landesliga geschafft. Gründe sind das gestiegene spielerische und finanzielle Niveau. Von Peter Eidemüller

Geld regiert die (Fußball-)Welt: Auch in der Landes- und Bezirksliga bestimmt der Etat den Mannschaftskader. Montage: Jean-Luc J
Geld regiert die (Fußball-)Welt: Auch in der Landes- und Bezirksliga bestimmt der Etat den Mannschaftskader. Montage: Jean-Luc Jacques

Der TSV Weilheim dürfte auch zum Saisonstart 2018/19 das alleinige Aushängeschild der Teckregion in Sachen Fußball bleiben. Vor Wiederbeginn der Bezirksliga am kommenden Sonntag mischen mit der SGEH (3.) und dem VfL Kirchheim (4.) zwar noch zwei hiesige Teams im Aufstiegsrennen mit. Doch angesichts der Dominanz von Spitzenreiter SC Geislingen und der Ambitionen des Tabellenzweiten aus Oberensingen scheint für beide nicht mehr drin zu sein als das Ticket für die Relegation - maximal.

Die Siebtklassigkeit wird also aller Voraussicht nach ein Weilheimer Privileg bleiben. Seit dem Aufstieg des TSVW 2010 hat es kein anderer Teckklub mehr in die Landesliga geschafft.

Aber warum? „Die Bezirksliga hat unheimlich an Qualität gewonnen, es gibt mehr starke Mannschaften“, hat Markus Schweizer, Trainer des VfL Kirchheim, erkannt. Was diese Saison der SC Geislingen, war in den Vorjahren der FC Frickenhausen, der FV 09 Nürtingen oder der TSV Köngen - allesamt Teams, die zu gut waren, um in der jeweiligen Spielzeit am Titelgewinn gehindert zu werden. Schweizers Einschätzung: „Es ist schwieriger, aufzusteigen, als danach die Klasse zu halten.“

Und selbst das ist kein Zuckerlecken, weht in der Landesliga doch ein ganz anderer Wind. „Das spielerische Niveau ist deutlich höher“, weiß Thomas Stiehl, seit 20 Jahren in verschiedenen Funktionen beim TSV Deizisau aktiv und ein Kenner beider Spielklassen - die Kicker aus der Neckargemeinde sind in den vergangenen acht Jahren zwei Mal in die Landesliga aufgestiegen. „Um dort zu bestehen, brauchst du auch Leute, die bereits höherklassig gespielt haben“, betont Stiehl.

Diese Erfahrung hat auch der TSV Weilheim gemacht. In den ersten beiden Spielzeiten nach dem Aufstieg noch weitestgehend mit dem Bezirksligakader unterwegs, war der Groschen spätestens nach dem Last-Minute-Klassenerhalt via Relegation im Jahr 2013 gefallen. „Ohne Verstärkungen von außen und einen gewissen finanziellen Aufwand ist die Landesliga nicht zu schaffen“, weiß der langjährige Sportchef der Weilheimer, Günther Friess.

Diesen Aufwand stemmen die Vereine in der Region meist auf ähnliche Art. Mit einer Mischung aus festen Gehältern, Punktprämien und Benzingeld versuchen die Verantwortlichen, Spieler anzulocken. Dass die Meistbietenden dabei die besseren Karten haben, liegt auf der Hand. „Wenn du viel hast, kannst du dir auch viel kaufen“, sagt Deizisaus Thomas Stiehl.

Bis auf wenige Ausnahmen, wie die größtenteils von Unternehmer Hagen Gutekunst protegierte TSV Oberensingen, setzen die Landesliga- und Bezirksligavereine in der Region auf Etatmodelle mit mehreren Sponsoren, die in der Summe für entsprechende Finanzkraft sorgen. Eine nachvollziehbare Gehaltsstruktur zu organisieren, ist für die Verantwortlichen dabei oft schwerer, als die Frage nach der sonntäglichen Aufstellung. „Wenn innerhalb einer Mannschaft unterschiedlich bezahlt wird, führt das schnell zu Neid und Unruhe“, warnt Thomas Stiehl.

Dabei sind in den vergangenen Jahren parallel zu den finanziellen Möglichkeiten der Vereine auch die Begehrlichkeiten der Spieler gewachsen - rein zum Spaß an der Freude jagt in der Landesliga kaum noch ein Kicker dem Ball nach. Dass man sich sein Hobby bei vielen Vereinen vergolden lassen kann, hat sich auch beim Nachwuchs rumgesprochen. Dabei kann die von vielen Vereinen beschworene Jugendarbeit die Ansprüche an die siebte Liga nur selten erfüllen. Dass ein guter Verbandsstaffel-Junior noch lange keinen gestandenen Aktiven-Kicker macht, hat auch Markus Schweizer erkannt. „In der Bezirksliga können die Jungen meist gut mithalten, aber drüber wird es schon schwieriger“, sagt der VfL-Coach.

Sein Weilheimer Funktionärskollege Günther Friess nimmt die Jugendspieler in diesem Zusammenhang in die Pflicht. „Man kann an der Schwelle zum Aktivenbereich nur Geduld und Selbstvertrauen predigen“, sagt er, „und umgekehrt müssen wir die jungen Spieler eben so gut ausbilden, dass sie es auch in der Landesliga schaffen.“

Bare Münze oder Bierchen im Vereinsheim?

Geld statt Geselligkeit - diese Entwicklung im Amateurfußball hat der Münchner Soziologe Tim Frohwein bereits vor Jahren in seiner Diplomarbeit skizziert, für die er 200 Fußballer von der Bezirks- bis zur Kreisliga befragt hatte.

86,2 Prozent aller von Frohwein befragten Bezirksligaspieler gaben dabei an, von ihren Vereinen bezahlt zu werden. In der Kreisliga waren es immerhin noch 55,2 Prozent.

Wer bezahlt wird, zeige laut Frohwein geringeres Interesse am Vereinsleben. Umgekehrt würden Spieler, die kein Geld erhalten, die Geselligkeit mehr schätzen, also nach dem Training auch mal auf ein Bier im Vereinsheim bleiben und private Probleme mit Teamkollegen teilen.

Die Fluktuation ist ein weiteres Phänomen, das Frohwein in Zahlen abbilden konnte: Spieler, die nicht bezahlt werden, wechseln alle 5,6 Jahre den Verein. Bezahlte Kicker hingegen alle 2,8 Jahre.pet

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