Lokalsport

„Ohne Verein geht es nicht“

Stadt spricht Machtwort in Sachen Bikepark

Die einen Mitstreiter sind ab­gesprungen, andere neu hinzugekommen. Nach wochen­langen Auseinandersetzungen und zwei Schlichtungsrunden zwischen Jugendlichen und dem Betreiberverein geht es weiter mit dem Bau des geplanten ­Bikeparks in der Jesinger Halde. Zum Vereinsmodell, das hat die Stadt klargestellt, gibt es keine Alternative.

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Kirchheim. Jugendliche und klassische Vereinsstrukturen, das passt nicht immer zusammen, auch wenn es um Trendsport geht. Doch ohne einen Verein, der als Ansprechpartner dient und für den Betrieb geradesteht, wird es keinen Bikepark in Kirchheim geben. Das hat Günter Riemer, Bürgermeister der Stadt, jetzt klargestellt und dem Verein Radsport Kirchheim (RSK) im Streit um veränderte Baupläne den Rücken gestärkt. Zwar stecke hinter dem Projekt ein klarer Auftrag seitens der Jugendlichen. Den wolle man auch weiter ernst nehmen, betont Riemer, „doch ohne Verein geht es nicht.“

Dass dem so ist, liegt auch an den Dimensionen des knapp 80 Ar großen Geländes, das die Stadt dem Betreiber per Erbpacht zur Verfügung stellt und auf dem ein Dorado für Mountainbiker, BMX-Fahrer und Dirtjumper entstehen soll. Eines der größten dieser Art in ganz Baden-Württemberg, wie der Vereinsvorsitzende Albert Bosler bemerkt, und dank der Unterstützung von Sponsoren auch weitgehend kostenneutral. Der Teufel liegt im Detail, denn die Trendsportler trennen – wenngleich artverwandt – feine aber entscheidende Unterschiede. Als der Verein im Winter mit modifizierten Plänen auftrat, um das Gelände pflegeleichter zu gestalten, gingen die Dirtbiker auf die Barrikaden. Aus der Gruppe, die maßgeblich an der ursprünglichen Planung beteiligt war, fühlte sich eine Mehrheit an den Rand gedrängt und mit den neuen Plänen übergangen.

Von den Initiatoren des Projekts, die den Stein vor fünf Jahren überhaupt erst ins Rollen brachten, ist fast keiner mehr an Bord, die Atmosphäre vergiftet. Daran konnten auch zwei von der Stadt moderierte Schlichtungsrunden nichts mehr ändern. Die wenigen, die geblieben sind, wollen nun Verantwortung übernehmen und sich im Projekt engagieren. Sich zum Trainer ausbilden lassen, Arbeitsstunden leisten, Platzwache schieben. Stadt und Verein setzen darauf, dass der Motor jetzt anspringt. Mehr als 60 Mitglieder hat der RSK zurzeit. „Ein guter Stamm“, sagt Albert Bosler, „von dem wir ausgehen, dass er in den kommenden Monaten weiter wächst.“

Auch Günter Riemer nimmt mit neuem Optimismus den Faden wieder auf. Für die überarbeiteten Pläne ist kein neues Genehmigungsverfahren erforderlich. Die Stadt hat freie Hand. Nach Klärung kleinerer Details, die den Gewässerschutz und den Bau einer Toilette auf der Anlage betreffen, könnten die Bauarbeiten schon kommende Woche weiter gehen. Riemer ist zuversichtlich, dass nun Ruhe einkehrt. „Wir setzen da­rauf, dass die Akzeptanz für den ­Park wächst.“ Auch bei Schulen und Familien, die von den geänderten Plänen profitieren sollen. Die sehen mehr klassisches Mountainbike-Terrain und mehr ebene Flächen vor, was nicht nur den Pflegeaufwand, sondern auch das Unfallrisiko senkt.

Für Schulen wie das benachbarte Schlossgymnasium ein wesentliches Argument. „Die Sportbegeisterung bei uns ist riesig“, meint Wayne Storz, Zehntklässler am „Schloss“ und einer derjenigen Jugendlichen, die dem Bikepark die Treue halten werden. Seinen Schlusssatz dürfte man vor allem im Rathaus mit Erleichterung aufnehmen: „Wir haben jetzt Vertrauen gefasst.“

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