Lokalsport

„Paradiesische Zustände“

SSV-Vizepräsident Schempp

Der Ochsenwanger Günter Schempp, Jahrgang 1948, hat viele Skiwinter erlebt – als he­rausragender Langläufer ebenso wie als Funktionär. Der aktuelle Vize-Vorsitzende des Schwäbischen Skiverbandes (SSV) über den Schneereichtum von früher.

Welche Erinnerungen haben Sie an frühere Skiwinter?

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Günter Schempp: Die Schneesituation in den 1960er-, 1970er- und teilweise den 1980er-Jahren war wesentlich besser als heute. Von Mitte Dezember bis März konnte man auf der Schwäbischen Alb meistens durchgehend Ski fahren.

Was war der schneereichste Winter, den Sie erlebt haben?

Schempp: Mitte der 1960er-Jahre hatten wir mal einen Winter mit eineinhalb Meter hohen Schneeverwehungen zwischen Ochsenwang und Schopfloch. Erwachsene und Kinder mussten ständig die Straßen freischaufeln, sonst wäre aus Ochsenwang niemand weggekommen.

Und der schlechteste Skiwinter jener Zeit?

Schempp: Einmal, bei den baden-württembergischen Langlauf-Meisterschaften in Schonach, war es mitten im Winter entlang der präparierten Loipe überall grün. Doch jener Winter war die absolute Ausnahme.

Das heißt, dass in früheren Zeiten geradezu paradiesische Zustände auf der Schwäbischen Alb für Skifahrer herrschten?

Schempp: Im Vergleich zu heute waren die Zustände wirklich paradiesisch. Die Luft war trocken und die Winter waren konstant. Dass es schneit und anderntags regnet, so etwas gab es damals nicht.

Der Klimawandel mit seinen milderen Wintern: Wann haben Sie Veränderungen zum ersten Mal wahrgenommen?

Schempp: Ende der 1980er-Jahre begannen die Diskussionen über die schneeärmeren Winter. Schon damals lagen die Meinungen über die Ursachen ziemlich auseinander.

Ihre Meinung in der Ökologiedebatte?

Schempp: Dass wir Erderwärmung haben, ist klar. Warum und wieso, darüber sind die Experten bis heute unschlüssig.

Soeben hat der Skibezirk Mittlere Alb die Leki Race Challenge Nordic installiert. Ist die Rennserie, die Kinder und Jugendliche dem Skilanglauf zuführen soll, sinnvoll?

Schempp: Absolut sinnvoll, denn Skilanglauf ist ein wunderschöner Sport. Die Challenge hat auch für den Schwäbischen Skiverband einen hohen Stellenwert. Allerdings braucht dieser Sport eben den Schnee.

Was raten Sie Kindern, die sich für den nordischen Skisport begeistern, wegen akuten Schneemangels und fehlender Trainingsmöglichkeiten aber wankelmütig werden?

Schempp: Sie sollten sich trotzdem einem eingetragenen Skiverein anschließen. Es gibt alternative Trainingsmöglichkeiten. Und der SSV veranstaltet ja auch regelmäßig Trainingslager in Norwegen.

Wie wichtig sind Weltklasseathleten wie Biathlet Simon Schempp von der Skizunft Uhingen beim Werben um Nachwuchs?

sCHEMPP: Stars sind sehr wichtig, weil sie erfahrungsgemäß zu Vorbildern taugen. Sie sind Zugpferde, die jeder Sport braucht.

Sind Sie mit dem vielfachen Weltcupsieger eigentlich verwandt?

Scheimpp: Leider nicht, auch wenn das manche Leute glauben.

Wie realistisch ist es, dass wir in den nächsten Wochen doch noch eine schneebedeckte Alb erleben?

Schempp: Die Hoffnung, dass es bis spätestens Ende Januar endlich schneit, habe ich durchaus.