Lokalsport

„Paul hätte seine Freude gehabt“

Knapp 500 Zuschauer beim ersten Paul-Kuppler-Sprinthock der TG Nürtingen

Beim ersten Paul-Kuppler-Sprinthock in Nürtingen ist eindrucksvoll die Brücke zwischen Wettkampf- und Breitensport geschlagen worden.

Auch der frühere deutsche Juniorenmeister Volker Höschele (Dritter von rechts) ließ es sich nicht nehmen, beim Sprinthock anzutr
Auch der frühere deutsche Juniorenmeister Volker Höschele (Dritter von rechts) ließ es sich nicht nehmen, beim Sprinthock anzutreten.Foto: Holzwarth

Nürtingen. „Ich bin wegen Paul gekommen.“ Fast jeder, den man am Freitagabend fragte, war zu dieser Veranstaltung wegen ihres Namensgebers erschienen. Seien es nun alte Weggefährten des im vergangenen Jahr verstorbenen Nürtinger Leichtathletik-Tausendsassas wie der einstige Sprinter Thomas Fackler, dessen damaliger Trainer Harald Mantz oder der 400-Meter-Läufer Volker Höschele. „Paul hätte seine Freude dran gehabt“, meinte Mantz. „Er war überall vertreten und hat so viel für die Leichtathletik gemacht. Es ist die Gelegenheit, ihn zu ehren“, fügte Mantz’ früherer Schützling Fackler an. Und die wollte sich natürlich niemand nehmen lassen.

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Auch der neue Stadionrekordhalter Raphael Müller vom VfB Stuttgart wusste über Kuppler Bescheid. „Der Micky (Corucle) hat mir einiges von ihm erzählt.“ Sprint-Trainer Corucle hatte nebenbei auch noch seine Söhne Philipp, den amtierenden Deutschen U20-Hallen-Meister über 60  Meter, der über 50 Meter bei den Männern in glatten sechs Sekunden imponierte, Tobias (6,33 Sekunden) und Julian (U18/6,30) mitgebracht. „Statt Sprinttraining machen wir hier eine Einheit unter Wettkampfbedingungen“, so Müller, der über 50 Meter noch Zweiter in 6,11 Sekunden wurde, dann aber über die doppelte Distanz für einen der vielen Höhepunkte des Abends sorgte.

Nach 10,69 Sekunden lief er ins Ziel und war damit genau vier Hundertstelsekunden schneller als der Österreicher Ryan Mosely bei der Neckarau-Eröffnung am 8. August 2009. „Es ist nett hier, mit den vielen gemischten Läufen“, lobte der Cannstatter das Sprintmeeting. Seine anvisierten 10,70 erreichte er auch. Ob er kommendes Jahr wiederkommt? „Wenn’s passt, dann gerne.“

Heimspiel hatten die Nürtinger Marc und Michael Salzer, beides eigentlich Techniker. „Die 50 Meter haben Spaß gemacht, die 100 waren eine Qual, aber es ist eine tolle Sache, mit vielen Zuschauern und einer schönen Atmosphäre“, sagte Michael Salzer, der mittlerweile für den VfL Sindelfingen startet und sich derzeit hauptsächlich dem Bobsport als Anschieber widmet. Seine 11,82 Sekunden über 100 Meter konnten sich trotz all der Qualen sehen lassen. Bruder Marc lief nach 12,01 Sekunden über den Zielstrich.

Es war für jeden etwas dabei. Topleistung mit Breitensport gepaart und nebenbei noch was zum Essen und Trinken bekommen, so hatten sich die Veranstalter von der TG Nürtingen das im Vorfeld erhofft. Genauso kam es auch. „Ich habe sehr viele positive Stimmen gehört“, meinte Silvia Ochs. Zusammen mit Gerhard Klinger und ihrem Bruder Ralf Eisinger, der als Stadionsprecher fungierte, zeichnete sie hauptverantwortlich für die Organisation. Auch der TG-Leichtathletik-Abteilungsleiter war angetan. „Ich konnte das vorher nie einschätzen, aber der Zuspruch ist toll“, meinte Klinger

Die Teilnehmerzahl kratzte am Ende fast an der 150, doch auch an der Seite war einiges los. Wegen der Läufe – und weil sich alte Weggefährten mal wieder über den Weg liefen. Der Sinn und Zweck der Veranstaltung war damit voll erfüllt. „Mein Ziel ist, ins Ziel zu kommen“, sagte Volker Höschele. Der 100-Meter-Lauf, für den er sich angemeldet hatte, flößte dem früheren Deutschen Juniorenmeister von 1987 über 400 Meter gehörigen Respekt ein. Wohl auch, weil er zwei Tage vorher nach zuvor langer Leichtathletik-Abstinenz trainiert hatte. „Ich bin sehr nervös“, gestand Höschele an seinem 49. Geburtstag.

Als er um 19.20 Uhr hätte starten sollen, fehlte sein Name aber auf der Liste. Daher wurde er in einen späteren Lauf „gesteckt“. Nach respektablen 14,27 Sekunden erreichte Hö­schele dann das Ziel. „Es war weit“, sagte er zunächst. „Ab 60 Metern hat der linke Oberschenkel leicht gezogen, aber ich bin angekommen“, war der heute in Frickenhausen wohnende einstige TG-Athlet erleichtert.

Den Abschluss bildeten die Staffelläufe über eine Stadionrunde mit der ungewöhnlichen Aufteilung 50/50/100/200 Meter. „Dass hier 14  Staffeln am Start waren, hebt den Breitensportgedanken nochmals hervor“, freute sich Silvia Ochs. Es gewann die LG Leinfelden-Echterdingen III in 46,59 Sekunden vor der TG Nürtingen (47,20). Die Staffel mit Katharina und Sebastian Salkowski, zwei Enkeln von Paul Kuppler, sowie Matthias Wieser und Oliver Roschkowski landete mit 51,02 Sekunden auf Platz sechs.

Danach wurde noch zusammengehockt. „Das sollen sie beibehalten“, meinte Harald Mantz. „Wenn die das wiederholen, wird das Interesse noch größer“, prophezeite Thomas Fackler. Die Marschrichtung scheint klar. „Wir arbeiten dran, dass es auch 2017 einen Paul-Kuppler-Sprinthock gibt“, so Silvia Ochs. „Es war super und hat allen Spaß gemacht“, meinte Paul Kupplers Tochter Charlotte Kuppler-Salkowski. „Es hat mir gut getan, hier zu sein. In Gedenken an meinen Mann“, beschrieb Irmgard Kuppler hinterher ihre Gefühle.