Lokalsport

Platz 13 macht Lust auf mehr

Olympia: Nach einem Kettenriss bläst Manuel Fumic zur Aufholjagd

Welches Pech: Manuel Fumic ist beim olympischen Mountainbike-Rennen in Rio de Janeiro in Runde eins früh die Kette gerissen. Es folgte die Aufholjagd.

Rio de Janeiro. Manuel Fumics Aufholjagd endete noch mit einem sehr guten 13. Platz. Die Enttäuschung nach seinem besten Saisonrennen war allerdings groß. Gold ging an Weltmeister Nino Schurter (Schweiz) vor dem Tschechen Jaroslav Kulhavy und Carlos Coloma aus Spanien.

Das Rennen war ein paar Minuten alt und Manuel Fumic aus der dritten Startreihe ordentlich weggekommen. Er lag an 15. Stelle. Doch dann spielte ihm das Schicksal einen Streich. Bundestrainer Peter Schaupp lief kreidebleich am Reporter vorbei und sagte fast emotionslos: „Mani, Kettenriss.“

Wie bitte? Das olympische Rennen, vermutlich sein letztes, der Vierjahres-Höhepunkt, der ambitionierte Versuch, das Ruder der Saison noch einmal herumzureißen – und dann ein Kettenriss.

Immerhin war der 34-Jährige nicht weit von der Technischen Zone entfernt. Doch eine neue Kette aufzulegen, benötigt Zeit, und so ging er als Letzter der 49 gestarteten Fahrer wieder ins Rennen. Was ihm da durch den Kopf gegangen ist? „Gar nichts. Ich habe nicht nachgedacht. Ich habe einfach versucht, noch alles rauszuholen.“

Die Rundenzeiten, die danach gemessen wurden, werden dem gebürtigen Kirchheimer noch mehr weh tun. BDR-Sportdirektor Patrick Moster raufte sich die Haare. „Das ist unglaublich. Ohne Defekt wäre er wäre um die Medaillen mitgefahren.“

Die Zahlen bestätigen das: 2,03 Minuten hatte Manuel Fumic nach Runde eins Rückstand auf die Spitze, 2,48 Minuten waren es im Ziel auf Bronze.

Kalkuliert man die Zeit mit ein, die er hinter schwächeren Fahrern vertrödeln musste, dann wird sehr schnell klar, dass er an diesem Tag Medaillenform hatte. Nicht für Gold oder Silber vielleicht, aber für Bronze.

„Es war schwer, sich da durchzukämpfen. Ich habe mehr Körner abgelassen als die vorne, die sauber ihre Linie fahren konnten. Es war doppelt schwer“, sagte er später. „Im Nachhinein irgendwelche Schätzungen abzugeben ist müßig, ich kann das Ergebnis nicht ändern“, fügte er enttäuscht hinzu.

Sportdirektor Moster war beeindruckt vom Kampfgeist Fumics. „Was er hier gezeigt hat, war großartig. Er wurde nicht belohnt“, meinte er. Vor großer Zuschauerkulisse ackerte sich Fumic durch die Reihen, verbesserte sich Runde um Runde und musste sich im Finish den zwölften Rang deshalb nehmen lassen, weil sich der Russe Anton Sintsov die letzten Runden in seinem Windschatten aufgehalten hatte.

„Der hat keine Führung gemacht, und als ich ihn mal aufgefordert habe, hat er nur Spielchen gemacht. Ich hatte keine Zeit, ich konnte nicht warten“, gab Fumic Einblick in diese spezielle Konstellation. Mit 4,11 Minuten Rückstand auf Nino Schurter (1.33,28) erreichte er als 13. das Ziel.

Obwohl es sich nicht im Ergebnis ausdrückt: Manuel Fumic hat mit diesem olympischen Rennen erstens die beste Saisonleistung abgeliefert und zweitens gezeigt, dass die Rede von der eigentlich guten Form keine Schaumschlägerei war. Dass er vermutlich nicht das Niveau von Nino Schurter und Silber-Gewinner Jaroslav Kulhavy (+0:50) hatte, damit war zu rechnen. Zu dominant sind diese Sportler. Doch Bronze war in Reichweite, zumal Julien Absalon schwächelte und nur Achter wurde.

Phil Dixon, Performance Manager beim Team Cannondale, war nach dem Weltcup in Kanada noch vier Tage bei Manuel Fumic geblieben, hatte mit ihm trainiert und versucht, ihn auch mental so einzustellen, dass sein Schützling in seinem Rennen das Maximum aus seinem Körper herausholen kann. Dixons Präsenz zahlte sich in Rio de Janeiro aus.

„Es ging darum, dass er ausgeruht, frisch und mit viel Lust in das olympische Rennen geht. Dann ist die Chance am größten, dass er seine Leistungsfähigkeit ausschöpfen kann“, unterstrich Dixon.

BDR-Technik-Coach René Schmidt sprach derweil davon, dass er im Training Manuel Fumic noch nie „mit so viel Druck am Berg“ erlebt habe. „Der ist hundertprozentig fit“, war Schmidt vor dem Rennen überzeugt. Fumic („mit meiner Leistung bin ich zufrieden, aber nicht mit meinem Ergebnis“) bestätigte im Rennen die Vorschusslorbeeren – und erlebte abermals ein Ketten-Desaster.

Am Ende lieferte er noch eine Überraschung. Die Frage, wie es sich anfühlt nach den letzten olympischen Spielen, beantwortete er so: „Ich fahre noch zwei Jahre weiter und dann sieht man weiter. Ich habe gerade wieder viel Lust, zu fahren.“ Was ein Olympia-Start, Kettenpech hin, Kettenpech her, so alles bewirken kann.

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